Ii. Der Geruch

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Barthold Heinrich Brockes: Ii. Der Geruch (1727)

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Nach Erforschen, Sehn und Achten
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Auf der Augen Trefflichkeit,
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Wollen wir nun auch betrachten
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Des Geruchs Beschaffenheit;
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Worin, wenn wir ihn ergründen,
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Wir nicht minder Wunder finden,
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Weil auch den kein Witz, kein Fleiß
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Fasst und zu begreifen weiß.

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An der Augen rege Spiegel
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Grenzt und teil’t der Wangen Feld
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Ein erhab’ner kleiner Hügel.
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Dieser, wie ein Pfeiler, hält
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Die gewölbten Augenbrauen:
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Hier kann man zween Wege schauen:
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Dadurch drenget durch die Stirn
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Der Geruch sich ins Gehirn.

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Halb von Knorpel, halb von Knochen
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Ist die Nase zugericht’t,
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Daß sie, wär sie leicht gebrochen,
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Nicht verstellte das Gesicht.
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Doppelt sind die off’nen Thüren,
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Den Geruch nicht zu verlieren,
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Wenn vom Schleim von ungefehr
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Eine wo verstopfet wär.

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Ferner dienen diese Rören,
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Die zu zarte Feuchtigkeit
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Des Gehirnes auszuleeren;
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Ja noch gröss’re Nutzbarkeit
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Spür’t man von dem Athem-ziehen,
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Wenn durch der Natur Bemühen
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Luft durch ihre Rören fährt,
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Und dadurch die Lunge nährt.

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Wo nicht Luft ist, riecht man nimmer.
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Welche Weisheit! darum steht
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Der Geruch da, wo fast immer
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Luft im Athem in uns geht.
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Um die Eigenschaft der Speisen
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Auch zugleich mit anzuweisen,
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Naht der Mund der Nase sich,
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Welches recht verwunderlich.

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Wenn der Speise Lieblichkeiten
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Uns’re Zung’ erst rühren muß,
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Hat man im Geruch von weiten
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Schon von Cörpern den Genuß.
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Schicken in Provence Kräuter
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Zwanzig Meilen, ja noch weiter,
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Jhren Dufts-Geruch in’s Meer
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Nicht von ihren Küsten her?

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Wie sich der Geschmack entdecket
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Mehr, wenn man die Cörper teilt;
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Also was in Cörpern stecket,
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Welches riecht, wird eh’ ereilt
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Und durch den Geruch empfunden,
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Wenns durch Reiben ist entbunden,
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Und beweget wird: den Brauch
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Mehren Wärm’ und Feuer auch.

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Ein zu heftiges Bewegen,
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Auch die Kält’ und Feuchtigkeit
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Hindern den Geruch: hingegen
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Macht der Bluhmen Lieblichkeit
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Uns bey aufgeklär’ten Tagen
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Ein weit grösseres Behagen,
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Als wenns Wetter kalt und feucht.
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Man verspür’t sie dann nicht leicht.

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Ueber alle diese Kräfte
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Ist in ihr die gröste Kraft,
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Und ihr nützlichstes Geschäffte
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Des Geruches Eigenschaft;
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Wodurch sie aus allen Dingen
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Weiß den Geist heraus zu bringen,
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Den, so bald sie ihn verspür’t,
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Sie nach dem Gehirne führt.

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Massen denn die innern Teile
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Wunderbarlich zugericht’t:
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Daß nicht in zuschneller Eile
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Dampf und Luft das Hirn vernicht’t;
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Muß, was ins Gehirn will dringen,
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Durch ein Sieb vorher sich zwingen,
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Welches hier an diesem Ort
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Mit viel Löchern durchgebohrt.

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Ferner muß die Luft gebrochen
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Durch ein schwammigt Wesen gehn,
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Welches denn an diesen Knochen
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Mit Verwund’rung anzusehn.
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Hier in diesen kleinen Gängen
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Da sich Geist und Luft durchdrengen,
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Wird die Luft, die hier gebracht,
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Zum Geruch geschickt gemacht.

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Welche drauf durch zweene Strassen,
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Die vom zärt’sten Fleisch formir’t,
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Und sich nimmer spärren lassen,
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Ganz wird ins Gehirn geführ’t.
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Hier nun wirk’t die Kraft der Selen,
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Abzusondern und zu wälen
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Das, was sie für schädlich hält,
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Von dem, was ihr wol gefällt.

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Wer kann unbewundert lassen,
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Da die Nasen-Löcher sind
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Unten weit, mehr Luft zu fassen,
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Wie man es bey allen find’t,
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Oben aber schmal und enge,
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Daß der Duft durch ein Gedrenge,
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Als durch einen sanften Schlag,
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Mehr das Nervgen rühren mag?

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Ferner ist noch zu erwägen,
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Welche Tugend, welche Kraft
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Unterschied’ne Cörper hegen,
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Deren selten’ Eigenschaft
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Stets die Luft, die sie umhüllet,
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Mit Geruch und Dünsten füllet,
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Die sie recht, als wenn es raucht,
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Doch unsichtbar, von sich haucht.

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Daß nun von verschied’nen Dingen
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Der Geruch sich nie verzehr’t,
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Sondern stetig Dünste dringen,
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Ist wol recht Bewunderns wehrt.
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Sassafraß kann nach viel Jahren
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Diese Kräfte noch bewahren,
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Daß, wenn man ihn gleich nicht rühr’t,
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Man ihn doch von ferne spür’t.

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Ein Beweistum lässt sich hören,
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Warum nicht der Dunst verfleucht,
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Ob’s vielleicht durch eig’ne Rören
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Stets Luft wieder an sich zeucht,
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Und durch and’re von sich treibet,
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Weil dieselbe Schwere bleibet,
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Wenn, wie lang’ es immer liegt,
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Man dasselbe wieder wiegt.

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Oder, ob auf selbe Weise
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Dieser strenge Dunst vielleicht
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Allezeit in einem Kreise
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Um den eig’nen Cörper fleucht;
133
Oder ob man könn’ erzwingen,
134
Daß der Stoff von allen Dingen,
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Also auch der Specerey,
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Ganz unendlich teilbar sey.

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Daß nun manches süß und sauer,
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Widrig, lieblich, stark und schwach,
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Flüchtig und von langer Dauer,
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Kommt, der meisten Meinung nach,
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Von der Cörperchen Figuren.
142
Denn was rund, läss’t and’re Spuren
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In der schwach beweg’ten Luft,
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Als ein mehr gespitzter Duft.

145
Alle Wunder zu entdecken,
146
Alle Kräft’ und Seltenheit,
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Die in diesem Sinne stecken,
148
Ist wol keine Möglichkeit.
149
Wer kann doch die Kraft verstehen,
150
So wir an den Hunden sehen,
151
Die uns durch die Nas’ allein
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Wunderwürdig nützlich seyn?

153
Daß wir riechen, doch mit Massen,
154
Ist ein Wunder. Sollte man
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Alle Dünste schärfer fassen,
156
Die man itzt nicht spüren kann;
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Würden so viel tausend Sachen
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Uns Verdruß und Eckel machen,
159
Deren Dampf uns itzt nicht rühr’t,
160
Weil man gar zu scharf nicht spür’t.

161
Welchen Nutzen in dem Leben
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Bringet der Geruch uns nicht?
163
Will sich eine Brunst erheben;
164
Nutz’t er mehr, als das Gesicht.
165
Manche Gluht wär’ ausgebrochen,
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Hätte man sie nicht gerochen,
167
Und zu recht dem Feu’r gewehr’t,
168
Das sonst Hab’ und Gut verzehr’t.

169
So viel hundert tausend Bluhmen,
170
So viel süsse Specerey,
171
Was in Indien, Jdumen
172
Wächst und in der Barbarey,
173
Könnte kein Geschöpf gebrauchen,
174
Und müst’, ohne Nutz, verrauchen,
175
Wär die Nase nicht geschickt,
176
Daß sie sich dadurch erqvickt.

177
Sprich, verwildertes Gemüte,
178
Kommt dieß wol von ungefehr,
179
Oder aus der Macht und Güte
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Eines weisen Wesens her?
181
Sprich: verdienen solche Werke
182
Nicht so viel, daß man sie merke?
183
Wers Geschöpfe nicht betracht’t,
184
Schändet seines Schöpfers Macht.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Barthold Heinrich Brockes
(16801747)

* 22.09.1680 in Hamburg, † 16.01.1747 in Hamburg

männlich, geb. Brockes

deutscher Schriftsteller

(Aus: Wikidata.org)

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