1
Die Ehrfurcht spricht mich los, mein König und mein Held,
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Wofern mein schwacher Vers auf jede Silbe fällt
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Und, da dein Antliz mir sein himmlisch Feuer zeiget,
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Mein ungeübter Mund aus blöder Demuth schweiget
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Und, was er sagt, kaum weis. Es ist zwar längst bekand,
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Wie gern dein Heldenmuth und gnädiger Verstand
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Die Einfalt leiden mag, nachdem die Sanftmuthsgaben
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Dich, eh du Cronen trugst, bereits gecrönet haben.
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Dies weis die Welt wie ich, und gleichwohl schlug jüngsthin
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Der Strahl der Majestät den ungewohnten Sinn;
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Denn als mein Pegasus vier Schulen machen sollte,
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So stund der lahme Gaul, als wenn er taumeln wollte.
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Herr, würckt dein naher Blick auch da schon gar zu scharf,
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Wo niemand deßen Bliz und Rache fürchten darf,
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Was muß er dort nicht thun, wo Feind aus Schröcken laufen
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Und wo dein Eifer spricht: Da liegen sie bey Haufen?
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Vergangen ist vorbey, mein König kan verzeihn.
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Lauft, Dichter, lauft und rennt, neun Musen anzuschreyn!
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Bey Fabeln ist kein Trost, mein Kiel nimmt Friedrichs Güte
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Zur Göttin seiner Kunst und fühlt schon in Gemüthe
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Den Einfluß ihrer Kraft. Drum geh ich grade zu,
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So wie man Gott ersucht, nach deßen Beyspiel du,
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O Herr, dein Reich bestellst. Die Großmuth ist bescheiden
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Und weis wie du, o Held, den Misbrauch nicht zu leiden,
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Daß jeder, der das Ohr mit falschen Saythen quält,
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Dir, was du bist und thust, aus Eigennuz erzehlt,
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Die Wort auf Stelzen sezt, aus Hochmuth dunckel schreibet
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Und dein so helles Lob in Nacht und Nebel treibet.
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So schwer man sich vor sich, mein König, hüten kan,
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So wenig ficht mich noch dergleichen Schwachheit an.
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Ich reime, wie es fliest, erkenne meine Blöße
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Und seh sie nirgends mehr als jezt an deiner Größe,
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Die, was sie scheint, auch ist. Ich säße gern in Ruh
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Und schwiege länger still; die Warheit lästs nicht zu,
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Die Warheit, so allein mein redlich Herz regieret
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Und jezo mit Gewalt zu deinem Throne führet.
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Wie manchmahl zürn ich nicht mit unsrer armen Zeit,
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Die jezt fast gar nicht mehr der Nachwelt Urtheil scheut
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Und, Herr, vor deinen Ruhm, der doch wie Adler steiget,
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Noch keinen Maro weckt und wenig Beßer zeuget.
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An Stümpern fehlt es nicht; kein Nord kan so viel schneyn,
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Kein Sperlingsheer so starck um Erndt und Garben seyn
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Und kein noch junger Arzt so viel gen Himmel jagen,
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Als Leute solcher Art sich vor dein Antliz wagen.
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Der stopft ein Madrigal mit Spruch und Zifern voll
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Und prophezeit, wie hoch dein Leben steigen soll,
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Als legte, blinder Wahn, die Vorsicht der Gestirne
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Den Schlüßel ihres Raths den Narren ins Gehirne.
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Dort kreißt ein schwacher Berg; was bringt er? Eine Maus.
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Er beißt die Nägel wund, versezt, flickt ein, stößt aus
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Und macht mit seiner Müh die Titul hoher Nahmen
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Als Anagrammatist zu Krüpeln und zu Lahmen.
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Der Dritte will recht hoch und macht das Anfangswort:
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Held, aller Helden Held! und kan nicht weiter fort.
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Der Vierte trägt ein Buch von schönen Sinnebildern,
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Von Wercken der Natur, von Perlen, Baum und Schildern
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Und fremder Seltenheit; dies ist sein Schaz und Trost,
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Und daraus klaubt sein Reim, ist Phoebus gleich erbost,
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Viel Blatvoll Kunst und Schmuck und bringt die theure Wahre
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Dem Fürsten, der ihm giebt, zum lieben neuen Jahre.
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Sieh, Herr, wie wenig ich den Thoren schencken kan,
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Ich greife sie sogar vor deinen Augen an,
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Nicht etwan, weil sie dir so gern gefallen wollen,
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Nein, darum, daß sie sich nur schlecht erklären sollen.
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Denn Hoheit braucht nicht Glanz, und Schmincke giebt Verdacht.
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Was ziert ein Conterfey? Der Farben Meng und Pracht?
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O nein, die Ähnligkeit muß Bildern Werth und Leben
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Wie Einfalt der Natur die gröste Schönheit geben.
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Kein Argwohn findet auch bey meiner Muse Statt,
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Weil, Herr, dein Ruhm schon längst den Neid zum Zeugen hat,
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Ich aber allemahl, so viel ich red und schreibe,
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So eigensinnig bin und bey der Warheit bleibe.
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Erweg ich, wie dein Geist die Weisen selbst beschämt,
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Dem Himmel und der Zeit sich überall bequemt,
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So manchem Simei das Maul mit Wohlthun bindet,
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Dem Frevel Galgen baut, der Tugend Kränze windet,
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Geseze giebt und hält, der List das Ziel verrückt,
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Feld, Thron und Cabinet mit gleicher Würde schmückt
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Und dadurch, daß er stets so Recht als Warheit liebet,
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Den kräftigsten Beweis des hohen Ursprungs giebet,
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So nenn ich, seh ich dies, den sonst getheilten Ruhm
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Der Großen vieler Zeit dein ganzes Eigenthum
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Und fühl ich weis nicht was vor unverhoften Zunder,
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Durch Lieder hoher Kunst und Meldung deiner Wunder
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Mich, der ich liegen muß, aus Staub und Nacht zu ziehn.
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Allein der Vorsaz bleibt bey Wollen und Bemühn.
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Ich sinn und sinn auch nur und kan mit allem Dencken
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Nicht ein geschicktes Wort in nette Reime schräncken.
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Dies sag ich darum nicht, als ob mein Kasten leer
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Und meine Poesie nicht auch so glücklich wär,
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Bald aus dem Stegereif und ohn ein Bein zu strecken
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Zwey Bogen voller Nichts mit Jauchzen auszuhecken.
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Dies kan Lucil, ich auch; allein ich seh und weis,
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Wie viel Verstand und Zeit und Kunst und Geist und Fleiß
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Ein gründlich Werck begehrt, das Kluge lüstern machen,
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Des Purpurs würdig seyn, der Richter Neid verlachen
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Und ewig dauren soll. Herr, macht doch blos dein Arm
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Der Feder ja so sehr als er den Feinden warm,
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So bald sie melden will, mit was vor strenger Hize
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Sein angereizter Stahl durch Dampf und Feuer blize!
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Dies weis Sarmatien; hier würgen Bley und Knall,
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Dort Einbruch und Geschrey; der König überall
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Und jederzeit voraus. Befahl die Noth zu weichen,
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So wich und trug dein Volck die schönsten Siegeszeichen
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Mit von der Wahlstatt weg, weil du als deßen Herz
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Des Glückes blinden Haß und ungerechten Scherz
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Mit Großmuth und Verstand beherzt zurückeschlugest
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Und mehr Gewinn und Ruhm als alle Sieger trugest.
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Wo aber auch dein Schwerd als Überwinder fraß,
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Da schoßen Glieder hin, da biß ein Heer ins Graß,
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Da war August ein Löw, der vor Begierde rauchet,
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Die angeerbte Kraft mit Ernst und Nachdruck brauchet,
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Zahn, Mähn und Klauen wirft und, wenn der Feind nun liegt,
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Den Zorn in Großmuth kühlt; genung! er hat gesiegt
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Und hält es sich vor Schimpf, an Todten oder Schwachen
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Die Größe des Triumphs durch Rasen klein zu machen.
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Dein Volck bekommt, o Held, von dir allein den Muth,
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Und wo dein Wort und Schlag den ersten Angrif thut,
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Da schiest es als ein Strom von Bergen, Klipp- und Hügeln,
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Den Schnee, zerschmolznes Eiß und Nebenbäche flügeln
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Und der, wohin sein Fall die wilden Fluthen schmeist,
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Aufs allerschleunigste Fels, Holz und Damm durchreißt
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Und, wenn ihn ohngefehr ein enges Ufer hemmet,
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Feld, Gärthe, Wiesen, Wald und Heerden überschwemmet.
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Wie manch beherzter Sprung macht oft Gefahr zur Lust,
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So bald du in der Schlacht dein Roß vertauschen must!
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Jezt sinckt es unter dir mit Ruhm und Ehrgeiz nieder,
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Jezt steht ein frisches da, jezt siegt der Held schon wieder,
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Jezt stürzt, jezt liegt auch schon ein stolz- und neuer Feind,
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Der solchen Zufall sieht und dich zu trefen meint
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Und, da er über dir den schnellen Degen führet,
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Streich, Hofnung, Arm und Geist von einer Faust verlieret.
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O Held, was hastu dir vor Lorbeern ausgesät
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Dort, wo der Weichselstrom das Blut im Würbel dreht,
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Und was vor Geist und Muth und was vor wahre Tugend
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Verklärte nicht bereits den Morgen deiner Jugend!
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Es werden, wo nach uns ein Dichter Lob gewinnt,
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Die Völcker später Zeit, so noch nicht Menschen sind
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Und derer Ahnen noch in ihren Ahnen liegen,
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Sich mit Verwunderung vor deinem Nahmen biegen
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Und, weil doch insgemein der Eckel neuer Welt
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Geschichte langer Zeit vor halbe Fabeln hält,
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Dich und den Hercules, so wie auch schon viel Alten
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Den Noah und Osir, vor einen Halbgott halten.
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Dergleichen Lorbeerstrauß ist endlich noch gemein;
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Ein Held muß stets ein Held auch sonder Blutdurst seyn.
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Kein Jahrbuch ist so arm, kein Land so eng und wüste,
148
Dem nicht zum wenigsten ein Hector dienen müste;
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Hingegen so ein Fürst, den Ruhm und Eintracht hebt,
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Verdient nicht minder Lob und wird nicht stets erlebt.
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Rom war schon ziemlich alt und hat auf manchen Wagen
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Auch manchen Scipio ins Capitol getragen,
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Eh noch ein Titus kam, der Krieg und Stahl verwies,
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Der Völcker Lieb und Lust, des Landes Vater hies
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Und so berühmt entschlief, als wenn das Ehrenbette
156
Ihm unter Mord und Grimm den Geist entrißen hätte.
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Auch hier behält August in unsrer Zeit den Rang.
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Mein König, seh ich dich auf dieser Ehrenbanck,
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So seh und hör ich gleich, wie weit du dich im Frieden
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Von andern Königen an Hoheit unterschieden.
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Die Liebe vor dein Volck geht allen Sorgen vor,
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Dein Aug und deßen Schuz ist unser Wall und Thor.
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Du kennst dein Land wie dich, bist selbst sein reichster Seegen
164
Und schonst dich, schonstu ja, nur unsrer Wohlfahrt wegen.
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Die Hände, so dein Reich mit an das Ruder zieht,
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Sind Häupter, derer Blick so vor- als rückwärts sieht.
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Du wehlst sie nach Verdienst, sie rathen ohne Schmeicheln
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Und dürfen dir mit nichts aus Furcht und Vortheil heucheln.
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Auch die, so Muth und Lust dem Mars zu Dienste weiht,
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Sind nicht ein fauler Staat gezwungner Tapferkeit,
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Die blos das Aug ergözt und nur mit Wafen spielet;
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Das Feld hat ihren Schweiß, der Feind ihr Heft gefühlet
173
Und Lager, Hiz und Frost ihr Herze fest gemacht.
174
Da ist wohl kein Soldat, den, wenn die Losung kracht,
175
Nicht gleich die Ehrsucht reizt und den nicht Furcht und Liebe,
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Wohin sein Herr nur winckt, durch Fluth und Flammen triebe.
177
Gerechtigkeit und Huld muß, soll ein Reich bestehn,
178
So wie auch Straf und Lohn in gleicher Waage gehn
179
Und wie bey dir, o Herr, die Oberherrschaft theilen.
180
Wen sieht man unvergnügt von deinem Antliz eilen?
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Welch Armer, milder Herr, beklagt dein Regiment?
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Wer ist wohl, der dir nicht des Nestors Jahre gönnt,
183
Und welcher Wittwen Ach erstickt dein Glück in Thränen?
184
Du hörest freylich nicht, wie vieler Wuntsch und Sehnen
185
Dich in Person erhöht; doch schwör ich bey der Hand,
186
Die deiner Würdigkeit die Crone zugewand,
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Daß so viel tausend seyn, die unter Stroh und Hütten
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Vor dein gesalbtes Haupt in mancher Mundart bitten.
189
Dein Sachsen, das du, Herr, bey langer Kriegeslast
190
So klug und wunderlich in Ruh erhalten hast,
191
Muß, soll des Himmels Zorn den Undanck nicht verbrennen,
192
Des Höchsten Gütigkeit in deiner Brust erkennen.
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Du strafst und beßerst mehr durch Gnad als Schärf und Schwerd,
194
Und wen sonst weder Strick noch Brand noch Furcht bekehrt,
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Den hat, weil Sanftmuth oft mehr als die Folter kräncket,
196
Der Strafen Milderung auf beßern Sinn gelencket.
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Doch reißt die Boßheit ein, so zeigstu gleichfalls an,
198
Wie klug, wie väterlich ein König zürnen kan,
199
Und brauchest die von Gott dir anvertraute Rache,
200
Damit die Langmuth nicht die Sünden fruchtbahr mache.
201
Wie manch erstarrtes Blut, wie manch verwöhnter Mord
202
Verklärt dein Purpurtuch, seitdem dein hohes Wort
203
Und ernstlicher Befehl des Zweykampfs Misbrauch zähmet
204
Und solcher Grausamkeit die wilden Hände lähmet!
205
Das Werck ist königlich; die Thorheit war gemein
206
Und lies wie Lernens Thier fast niemand sicher seyn.
207
Hier kam in langer Zeit kein Hercules zum Kämpfen,
208
Augustus kam und sah und wust es bald zu dämpfen.
209
Die Unschuld, wie man sagt, nahm bald darauf ein Kleid
210
Und gab es ungesäumt der heitern Ewigkeit
211
Und sagte: Schwester, nimm; hier bey den Sternenkränzen
212
Soll meines Sohnes Bild vor allen Schilden glänzen.
213
Herr, geh ich weiter fort, so les ich da und hier,
214
Wie groß und hoch du bist, sogar auch außer dir.
215
Da spiegelt sich dein Ruhm in todten Creaturen,
216
Und wo man hört und sieht, da sieht und hört man Spuren
217
Von Friedrichs Majestät. Venedigs Pracht und Stand
218
Ward dort vom Sannazar der Götter Werck genand,
219
Und zwar nicht sonder Grund. Ich weis nicht, ob ich fehlte,
220
Wofern ich Dresdens Werth ihm an die Seite zehlte;
221
Dies aber weis ich wohl, daß diese große Stadt,
222
So viel sie von sich selbst von Würd und Ansehn hat,
223
Kein höher Vorzugsrecht vor ihres gleichen führet,
224
Als daß sie jezt August und deßen Hofstatt zieret.
225
Die Elbe, so doch sonst den Zwang der Freyheit hast,
226
Erduldet hier mit Lust der schweren Brücke Last,
227
Die jezt dem tapfern Herrn an Größ und Stärcke gleichet
228
Und wie sein Heldenmuth vor keinen Stürmen weichet.
229
Dies alt- und theure Werck, das über tausend geht,
230
Erwarthet weiter nichts zu seiner Majestät,
231
Als daß ihm Friedrichs Bild und deßen Ehrensäule
232
In Marmor oder Erz den lezten Glanz ertheile.
233
Das Auge wird entzückt, wohin es sich auch lenckt,
234
Und da sein Vorwiz hier den Wall zu schäzen denckt,
235
So blendet ihm schon dort der Zwinger das Gesichte:
236
Wie, macht es denn der Tag um diese Gegend lichte?
237
Wie, oder greift wohl gar der Dächer göldner Schein
238
Dem Lichte dieser Welt in Amt und Klarheit ein?
239
Dies ist gar viel gesagt, jedoch so weit zu glauben,
240
Daß Ampeln und Metall der Nacht viel Stärcke rauben.
241
Die Meng ermüdet fast die Saythen und den Kiel.
242
Es streiten Kunst und Werth; der Grotten Muschelspiel
243
Beschämet die Natur durch ihre Seidenhände,
244
Das Waßer hat Vernunft und dringt durch Luft und Wände,
245
Wohin die Kunst befiehlt. Es leben Stein und Holz
246
In todter Schilderey; der Marmor macht sich stolz,
247
Nur, wo ichs sagen darf, des Königs Tritt zu fühlen.
248
Aurora scheinet selbst mit solcher Pracht zu spielen
249
Und steigt daher gar oft noch halb so früh empor.
250
Jedoch so früh sie kommt, so kommt mein Held zuvor
251
Und übereilt ihr Licht bey annoch dunckelm Morgen
252
Durch kluge Wachsamkeit und wachsthumvolle Sorgen.
253
O sollte doch nur jezt ein Römer auferstehn,
254
O sollt er doch nur hier um Thor und Vestung gehn,
255
Es überlief ihn gleich bey Schanzen, Stück und Mauer
256
Ein Schweiß der Tapferkeit und ehrerbietig Schauer;
257
Und käm er in die Stadt und nähm er da in Acht,
258
Was dort dein großes Fest vor Zubereitung macht,
259
So schlöß er ganz gewis aus so viel Ehrenbogen,
260
Es kämen bald Adon und Venus eingezogen.
261
Ja, säh er dich, o Held, bey Dämmerung und Thau
262
Zu Pferde voller Schweiß auf jener Österau
263
Als Feldherr und Soldat sich um die Glieder schwencken
264
Und Wafen, Roß und Mann mit Hand und Zuruf lencken,
265
Er eilte blindlings zu und trät auch in die Reih
266
Und glaubte, daß er noch in Cäsars Lager sey;
267
Und würd er auch gewahr, wie schön er sich betrogen,
268
So hätt ihn nur sein Sinn und nicht dein Geist belogen.
269
O Sachsen, fürchte nicht den Abfall guter Zeit!
270
Jezt gründet Friedrichs Arm das Reich durch Krieg und Streit
271
Und thut, was David that; und muß er mit den Jahren,
272
Der Himmel gebe spät, zu seinen Vätern fahren,
273
So nimmt sein großer Prinz, der andre Salomo,
274
Das Erbtheil und den Stuhl, die Vorsicht lehrt es so.
275
Da wird die göldne Zeit sich plözlich wieder finden,
276
Da wird die Ewigkeit die Macht der Laster binden,
277
Da werden Wolf und Schaaf in einer Heerde ruhn,
278
Da wird kein feindlich Schwerd der Sichel Eingrif thun,
279
Da wird dein Churkreiß erst das Paradies der Erden,
280
Durch Wittekindens Blut des Nachbars Kornhaus werden.
281
Verherrlichter August, wie weit verlier ich mich!
282
Je mehr ich sagen will, je stärcker breiten sich
283
Die Strahlen deines Ruhms, o allzeit großer König!
284
Viel rühmen viel von dir, und alles ist noch wenig.
285
Thu, was du denckst und wilst, ficht, scherze, gieb, befiehl,
286
Nimm Masquen bey der Lust, halt Renn- und Ritterspiel,
287
Verkleide dich zur Jagd, begieb dich auf die Wellen,
288
Der Sturm kennt Cäsars Geist, du kanst dich nicht verstellen,
289
Der König blizt hervor. Mund, Antliz und Person
290
Fällt allen Mahlern schwer, und dies beweist uns schon,
291
Es habe die Natur, die nichts umsonst vollendet,
292
Die beste Zeugungskraft an deiner Brust verschwendet
293
Und, als sie deinen Leib so starck und schön gebaut,
294
Des Überflußes Bild zum Muster angeschaut,
295
Daß, wenn sich nun dein Geist zur Eitelkeit bequemte,
296
Kein Haus gemeiner Art den hohen Geist beschämte.
297
Indem nun, großer Held, dein Wachen und dein Schwerd
298
Den Zeitregistern Glanz, den Völckern Ruh gewährt,
299
Da Hoch- und Niedrige sich unter dir ergözen,
300
Pracht, Seegen, Lust und Schuz das Land in Freyheit sezen,
301
Da Künstler aller Welt geehrt vom Hofe gehn,
302
Musick und Mahlerkunst in hohen Gnaden stehn,
303
Da, sag ich, auch sogar dein Reich den Bettlern nüzet
304
Und Aufsehn und Verboth das schlechte Wild beschüzet,
305
Ach, warum klagt allein die arme Poesie?
306
Sie kommt, sie fällt und fast dein väterliches Knie
307
Und weint dich freundlich an und sucht in deinen Armen
308
Und sucht und hoft es auch, ein königlich Erbarmen.
309
Sie irrt verwaist herum, kommt nirgends an und ein
310
Und muß in deutscher Luft des Glückes Schauspiel seyn.
311
Man drückt sie in der Stadt, man spottet ihr bey Hofe
312
Und nennt sie nur aus Scherz die abgedanckte Zofe.
313
Dergleichen harter Schimpf geht ihrem Adel nah,
314
Worauf doch Rom, Athen und Franckreichs Ludwig sah.
315
Herr, hilf ihr auch bey uns und mehre deine Tittel;
316
Ein König und ein Held hat viel Erlösungsmittel.
317
Der Himmel hat vielleicht ihr Glück auf dich gespart,
318
Damit, weil sonst kein Haupt des Ruhms gewürdigt ward,
319
Dein Werth und deine Macht sich aus der Hülf erwiese
320
Und die so große Noth des Heilands Größe priese.
321
Wir Deutschen leyern noch, und hat gleich mancher Schwan
322
Sich etwan hier und dar mit Müh hervorgethan,
323
So heists doch wohl nichts mehr als etwas angefangen.
324
Was macht es? Kein August bestätigt ihr Verlangen.
325
Ich weis wohl, was der Neid von unserm Singen spricht:
326
Die Dichter wären blos zur Faulheit abgericht,
327
Ihr Fleiß bestünd in nichts als unverschämten Reimen,
328
Er hülfe keinem Staat, vergliche sich den Bäumen,
329
Die sonder Früchte blühn. Allein der Einwurf gilt
330
Nur denen, die Apoll vor Meistersänger schilt,
331
Nicht denen, die Natur und Glut und Warheit treiben,
332
Der Misgunst und der Zeit Geseze vorzuschreiben.
333
Der Väter Sieg und Ruhm erweckt der Enckel Muth.
334
Was Alexander schon bey früher Jugend thut,
335
Sieht Cäsar erst in Erz und weint und brennt und eilet,
336
Bis daß auch er mit ihm Gefahr und Beute theilet
337
Und gleichen Nachruf holt. Nun aber kan wohl Stein
338
Und Stahl und Erz und Bley nicht unverzehrlich seyn;
339
Denn Regen, Rost und Moos verlöschen hier die Schriften,
340
Womit wir auf Papier ein fester Denckmahl stiften,
341
Das Tod und Wetter trozt. Der Musen Lorbeerkranz
342
Erhält wie Balsamkraut der hohen Häupter Glanz,
343
Zieht Leichen aus der Gruft und führt in seinem Bilde
344
Das Wesen und den Ring der Ewigkeit im Schilde.
345
Wie vieler Helden Lob, Muth, Schweiß, Triumph und Pracht
346
Steckt schon viel tausend Jahr im Schimmel, Staub und Nacht!
347
Denn weil sie kein Homer der Sterbligkeit entrißen,
348
So hat ihr Ruhm und Leib zugleich vermodern müßen.
349
Daß uns Achillens Zorn noch vor den Augen brennt,
350
Das flüchtige Geschrey Ulyßens List noch kennt
351
Und daß wir von Marcell, so jung er auch gewesen,
352
Viel frühe Tapferkeit und herbes Mitleid lesen,
353
Wer machts? Ein blinder Greiß. Wer thut es als Virgil?
354
Mein König, gläube nicht, als ob mein stolzer Kiel,
355
Womit ich deiner Höh ein niedrig Opfer zolle,
356
Aus thörichter Begier dein Lob vergöttern wolle.
357
Du bist durch dich schon groß, ich dürftig, schlecht und klein.
358
Wie kan der Isop wohl den Cronen Schmuck verleihn?
359
Jedennoch wo dein Blick mein hart Verhängnüß zwänge,
360
So glaub ich, daß ich noch in kurzem höher sänge.
361
Ich schreib und wage viel. Das machts, du bist August
362
Und hast schon von Natur an Hülf und Wohlthun Lust
363
Und hältst wie jener Fürst den leeren Tag verloren,
364
An dem du ohngefehr kein gütig Werck gebohren.
365
Die Musen sind mir hold und nennen mich ihr Kind,
366
Dem Kunst und Wißenschaft an statt der Güter sind.
367
Mein Wuntsch ist auch nicht groß und kleiner als ich selber,
368
Sein Bitten ehret nicht des Reichthums göldne Kälber,
369
Er strebt nicht über sich, er mag kein fettes Amt.
370
Wen einmahl die Geburth zur Niedrigkeit verdammt,
371
Der sucht wie ich gewis nicht höher aufzusteigen
372
Als etwan Epheulaub an tiefen Cederzweigen.
373
Mein König und mein Herr, dein Ruhm, dein Gnadenschein
374
Soll bey gelehrter Ruh mein Fleiß und Schuzgott seyn;
375
Erlaube, daß ich stets mit Ehrfurcht und mit Liebe
376
Mein schlechtes Saythenspiel an deinen Thaten übe.
377
Dies ist mein Zeitvertreib und angebohrnes Pfund.
378
Es mögen andre gehn und in des Glückes Bund
379
Den grauen Adelsbrief mit frischem Blute färben
380
Und vor ihr groß Geschlecht ein größer Gut erwerben!
381
Ich lob und ehre sie und liebe meinen Stand
382
Und will zufrieden seyn, wenn Friedrichs Gnadenhand
383
Den Musen Schatten giebt, ich aber nur im Stillen
384
Ein ewig Heldenbuch mit deßen Ruhm erfüllen
385
Und einmahl sagen kan: Ihr Musen, gute Nacht,
386
Hängt Kiel und Saythen auf! Ich hab ein Werck vollbracht,
387
Damit getraut ich mir, sogleich den Rest vom Leben
388
Mitsamt der Dichterkunst ohn Unruh aufzugeben!