2
Die ihr am Helicon als Thorheitsmärtrer leidet,
3
Die ihr bis diesen Tag zum Theil auf Hecheln schreyt,
4
Zum Theil wie Marsyas das nackte Fleisch entkleidet,
5
Seyd froh, nunmehr erscheint das Ziel erlidtner Schmach,
7
Macht Plaz, er nimmt den Rang; der Schaum von eurer Bande
8
Geht ihm, so klein er ist, an grober Boßheit nach.
9
Jezt habt ihr Fug und Recht, die Dichter zu verklagen,
10
Die euch der Ewigkeit so heßlich vorgetragen.
11
Es wiederrufe nun des Moliere Geist,
12
Despreaux bequeme sich, den Narren abzubitten,
13
Menage küße den, den seine Feder beißt,
14
Es werd Eutrop nicht mehr vom Claudian verschnidten.
16
Und man entschuldige den armen Leporander
17
Die Stümper überhaupt, die Spötter miteinander
18
Sind unter dem Crispin im kleinern vorgestellt
19
Und scheinen, sezt man sie dem Pfuscher an die Seite,
20
So tumm, so arg sie sind, noch klug- und fromme Leute.
21
Ihr Musen, ist es nicht ein unverdienter Lohn,
22
Den eure Mildigkeit um Haar und Scheitel windet,
23
So stäupt, so züchtigt mir den geilen Midas-Sohn,
24
Bis sein vertracktes Fell die späte Reu empfindet.
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Ihr seht, er will mit Macht der Strafe würdig seyn,
26
Es klaubt sein Unverstand zur Nahrung neidscher Flammen
27
Hier einen Weiberspruch, dort einen Reim zusammen,
28
Um den verwegnen Gift mit Fudern auszuspein.
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Gewährt, wornach er ringt, und last den Klügling fühlen,
30
Daß Schweine nicht umsonst in euren Gärthen wühlen!
31
Dir, Warheit, eignet sich die Zuschrift und das Lied,
32
Von nun an sey dein Wort die Richtschnur meiner Saythen;
33
Wen deine Geißel schmeist, wem deine Gnade blüht,
34
Der soll durch Laster Schimpf, durch Tugend Ruhm erbeuten.
35
Wer Unverdiente lobt, der hab am Lästern Lust,
36
Kein schmeichlerischer Hauch soll meinen Mund verlaßen.
37
Man mag das Schwerd aus Noth und nicht aus Rachgier faßen,
38
Wirst du mein Friedensschild, mein Colbert, mein August,
39
So hab ich Hülfe gnug, wenn gleich die Plauder-Käthe
40
Den schwermenden Crispin gemünzten Vorschub thäte.
41
Das Kind der Finsternüß, die wilde Barbarey,
42
Ersah ihr altes Reich in der Elyser Gränzen.
43
Sie sah es und erschrack und schalt und sann dabey
44
Auf Mittel und Gewalt, die Riße zu ergänzen.
45
Ihr Herold machte Lerm und rief die schwarze Schaar
46
Der Glieder ihres Staats in ein geheimes Zimmer,
47
Das auf der Riesenhöh mit anderthalbem Schimmer
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(so geizig ist die Not) genug zufrieden war.
49
So bald nur der Befehl der Luft verkündigt worden,
50
Bewegte sich ein Schwarm von Süden, West und Norden.
51
Die Thorheit hat den Staar, doch tappte sie voran,
52
Es musten sie ein Greiß und sieben Kinder leiten;
53
Der Schein hing Masquen vor, die Hoffart trat die Bahn,
54
Ihr Steifrock wollte sich wie das Gemüthe breiten.
55
Die Zwietracht zanckt und biß fast durch den ganzen Weg,
56
Die Post der Eifersucht bekam Medeens Wagen,
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Die Wollust war bequem und lies sich rücklings tragen,
58
Die naße Trunckenheit verfehlte stets den Steg,
59
Die Faulheit hielt es nicht mit dem geschwinden Volcke
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Und zog so endelich als eine trübe Wolcke.
61
Der nur mit Schwamm und Moos ringsum spalirte Saal
62
Lies die Versammleten auf Rasen niedersizen.
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Das Erdreich zitterte von der Verdammten Zahl,
64
Als hätt es gleichsam Lust, den Boden aufzuschlizen.
65
Zu oberst dehnte sich das obgemeldte Weib,
66
Die Feindin freyer Kunst, der Haß der Castalinnen.
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Vom Auge sah man Schmeer an statt der Thränen rinnen,
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Die Nattern züngelten um den bewundnen Leib,
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Der Umhang ihrer Pracht war Purpur aus Matrazen
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Und deßen Überschlag ein Hermelin von Kazen.
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Kaum daß der weite Schlund das erste Wort gebahr,
72
(es sazte Müh genug, den Gram herauszuwürgen)
73
So nahms der Oderstrom in seinen Höhlen wahr,
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Und der Sudeten Kluft erzehlt es den Gebürgen.
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Die Laster sperrten Maul und Nas und Ohren auf
76
Und machten augenblicks die fürchterlichste Stille,
77
Wie wenn der Waßergott und sein erzürnter Wille
78
Den Wellen Truz gebeuth und den verwirrten Lauf
79
In Ruh und Ordnung bringt, das müde Brausen schweiget
80
Und der bedrohte Nord in seine Fäßer steiget.
81
Ach, Liebste, schaft doch Rath, es ist um uns gethan!
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So schrie das Ungeheur mit untermengtem Keichen,
83
Die Faust der Wißenschaft durchlöchert unsre Bahn
84
Und zwingt mich überall, den Musen auszuweichen.
85
Der Wachsthum ihres Ruhms macht, daß mein Ansehn stockt,
86
Die Länder wickeln sich aus unsern finstern Ketten,
87
Die sie warhaftig noch an den Gemüthern hätten,
88
Wenn mir die Klugheit nicht viel Sclaven abgelockt.
89
Dies, dies verschmizte Weib betriegt mich um die Crone,
90
Und was sie mir noch läst, das ist der Fall vom Throne.
91
Mein Eingeweide brennt, der Schmerz zerfrißt das Marck,
92
Wenn ich den niedern Theil von Schlesien erwege.
93
Ihr Unkraut wuchert hier so häufig und so starck,
94
Daß ich Gedult und Lust und Hofnung niederlege.
95
Die Frau Pedanterey, als unsre Schwägerin,
96
Ist so vermögend nicht, den Jammer zu erzehlen,
97
Daß Tugend und Verstand ihr altes Erbrecht quälen;
98
Sie schnaubt, sie fährt mich an, daß ich so schläfrig bin
99
Und nicht mit ganzer Macht und nicht mit vollem Heere
100
Den Einbruch der Gefahr in dieser Gegend wehre.
101
Ja, sagte sie, nur wie? Vermöcht es diese Faust,
102
Was gilts, es sollte sich das Blat in kurzem wenden.
103
Ich dächt, es wäre klar, wie ich vor dem gehaust,
104
Last euch nur Griechenland ein schriftlich Zeugnüß senden.
105
Hier ist ein andres Werck und eine stärckre Macht,
106
Der König über uns hat hier die Hand im Spiele;
107
Ihr seht sie freylich nicht, genug, daß ich sie fühle.
108
Wer weis, wie bald der Schlag zum lezten Mahle kracht,
109
Da die Gelehrsamkeit und tausend beßre Sitten
110
Den unsrigen bereits den Freyheitshut beschnidten.
111
Die Parzen haben uns den Untergang versehn;
112
Es sey nun, wie es sey, das Lezte steht zu wagen,
113
Man strebe, weil man kan; bisweilen ists geschehn,
114
Daß sich die Raserey im Engen durchgeschlagen,
115
Was Kleinmuth fahren läst, das holt gar oft der Grimm,
116
Schlägts ja zur Lincken fehl, so wüte man zur Rechten.
117
Mein Arm, so dürr er scheint, hat auch noch Blut zum Fechten.
118
Courage! treues Volck, erboße dich und nimm
119
Mein Beyspiel in das Herz, der Eifer schmiedet Wafen,
120
Die Götter müßen wohl die Herrschaft wieder schafen.
121
Es schloß ihr Zorn den Mund, ihr Schwur den Daumen zu.
122
Die Stimmen murmelten wie siedend heiße Töpfe
123
Und wurden selbst nicht eins, womit man beßer thu.
124
So gehts, ein einzger Hut bedeckt kein Duzend Köpfe.
125
Nur die Verwegenheit grif nach dem Degen los
126
Und rief im Weitergehn: Das hätt ich längst beschloßen.
127
Wir wißen Furien. Ihr meine Bundsgenoßen,
128
Folgt mir und meiner Faust, ihr ist kein Sturm zu groß;
129
Ein jedes Element wird, wollen wir uns rächen,
130
Mit Gott und der Natur den alten Frieden brechen.
131
Das rieth ich eben nicht, so fiel die Arglist ein;
132
Denn so verschütten wir das Kind mitsamt dem Bade.
133
Ein Pulver wider Gift muß gleichwohl sicher seyn,
134
Damit der Arzt nicht mehr als Brand und Fieber schade.
135
Kennt ihr den Riesen wohl, der dort den Aetna trägt?
136
Wo nicht, erinnert euch, warum Lycaon heule;
137
Auch Pallas prahlt und glänzt mit einem Donnerkeile
138
Der wie des Juppiters das Feuer dreyfach schlägt.
139
Gewalt thut Höhern nichts. Wer zwingt uns, zu erfahren,
140
Wie starck die Himmlischen an Titans Enckeln waren?
141
Verfolgung beßert nur die traumende Vernunft,
142
Erweckt den kalten Fleiß und mehrt der Weisen Menge;
143
Wir schwächen, gebt nur Acht, die Anzahl eigner Zunft,
144
Denn die Belagerung macht keinen Pindus enge.
145
Der ofenbahre Neid verkehre sich in List,
146
Der stürmende Beschluß in ein gelindres Mittel.
147
Vielleicht erhält man mehr, wenn der Gelehrten Tittel
148
An einem, der nichts kan, des Ordens Schandfleck ist;
149
Es dürft ein tummer Kopf den schlecht bestellten Sachen
150
Vor unsern Trost gar bald ein beßres Ansehn machen.
151
Der Momus wurd einmahl, man meint, es sey geschehn,
152
Da Zeus den Thron bestieg, zu des Prometheus Afen
153
Und wollte, weil er ihm ein Vortheil abgesehn,
154
(was thut der Vorwiz nicht!) ein Menschenbild erschafen.
155
Nun traf sichs ohngefehr, daß er zur Eris kam,
156
Die ihr Geburthsfest hielt und mit den Lastern zechte.
157
Das Vivat gieng herum, bis man den Magen schwächte,
158
Von dem ein halbes Faß die Ladung wieder nahm.
159
Hier sprizten Jäscht und Schleim dem Momus in die Hände,
160
Der froh und freudig ward, daß er den Cörper fände.
161
Er trieb den rohen Zeug in förmliche Gestalt,
162
Und sieh, es wurd ein Kind von höhnischen Gebehrden.
163
Die Gäste sprungen zu und wüntschten alsobald:
164
Du solt, o kleiner Schaz, den Müttern ähnlich werden.
165
Der Kummer fiel nur vor, es war kein Leben da;
166
Die Eris windelt es in ein beschwiztes Küßen,
167
Das man den Sterbenden vom Nacken weggerißen,
168
Beschrieb den Zauberkreiß, worein sie rücklings sah,
169
Ein stummes Abra warf und sechsmahl Bonus-Dießte,
170
Bis die beseelte Frucht der Hex entgegen nießte.
171
Es blieb in ihrer Zucht und zeigte Fähigkeit,
172
Die Lehren, so sie gab, bis auf den Grund zu faßen.
173
Was dünckt euch insgesamt bey so bedrängter Zeit?
174
Es sollte sich von uns gar wohl gebrauchen laßen.
175
Der Knabe fast sich gut, es ist nur halbe Müh
176
Und kostet kurzen Fleiß, ihn völlig abzurichten.
177
Man übe seinen Kopf in Clausens Lustgeschichten,
178
Damit der Narrheitstrieb in das Gehirne zieh.
179
Er kan am Helicon mit Boßheit, Zung und Schriften
180
Mehr Unheil, mehr Verdruß als zehn Tyrannen stiften.
181
Ey, lieber geht doch gleich und bringt ihn eilends her,
182
Geht, rief die Barbarey, wir müßen emsig wachen.
183
Man gieng, er kam, sie sprach: O, wer doch jünger wär,
184
Was vor ein hübsches Paar würd unsre Heirat machen!
185
O du mein Augentrost! O, seht das liebe Lamm,
186
Seht, Schwestern, seht und sagt, ists nicht ein feiner Junge?
187
Doch halt, wie steht es wohl um deine glatte Zunge?
188
Sperr auf, mein Sohn, sperr auf! Gut, der Verleumdungsstamm
189
Sieht recht vortreflich aus. Die Misgunst soll ihn nüzen
190
Und wieder alle Welt die schärfsten Pfeile schnizen.
191
Nun höre doch, mein Sohn, gefällt es dir bey mir?
192
Von Herzen, schöne Frau. Begehrstu treu zu dienen?
193
So lang ich lügen kan. Nun wohl, ich seh an dir
194
Die Einfalt in der That, die Frechheit aus den Mienen.
195
Du wirst ein Mann vor mich und wieder alles das,
196
Was Recht und Warheit liebt, viel Federkriege führen.
197
Zeuch aus, mein Lügengeist soll deinen Trieb regieren,
198
Fall allen in das Haar, begeifre den Parnaß,
199
Ficht seine Priester an, verschmäh die Leyerschwestern
200
Und schone keinen Knecht des Höchsten zu verlästern!
201
Die Dirnen, so du siehst und hier zugegen hast,
202
Sind willig und gelehrt, den Handgrif anzugeben.
203
Thut, Schwestern, euer Amt, die Zeit wird leicht verpaßt;
204
Die Jugend ist ein Wachs, sie läst die Lehren kleben.
205
Die Hoffart nahm das Wort sowie des Knabens Hand
206
Und haucht ihm ihren Wind durch Nase, Maul und Ohren.
207
Sie sprach: Berede dich, es sey kein Mensch gebohren,
208
Der mehr als du versteh, der mehr als du erkand;
209
Ersauf in meiner Brunst, verachte deines gleichen,
210
Und untersteh dich nicht, den Besten auszuweichen!
211
Die Thorheit folgte nach und riß den Weißheitszahn
212
Mit Stumpf und Stiel heraus und sagte: Sey verdorben;
213
Stell alles, was du thust, nach meinen Krebsen an,
214
Ich habe mir dein Herz zum steten Siz erworben.
215
Geuß jeden Funcken aus, der etwan deiner Brust,
216
So schwach er immer glimmt, ein Licht entzünden möchte,
217
Und wenn du freyen wilt, so frey in mein Geschlechte.
218
Hab einzig und allein an eignen Wercken Lust,
219
Versäume die Vernunft mit niederträchtgem Wißen
220
Und sey bis in das Grab auf keinen Zweck beflißen!
221
Sie lies ihn weiter fort. Da wickelte der Schein
222
Das Vortuch von der Schoos, durchsuchte Schliz und Ficke,
223
Zog Gips und Talch heraus und strich sein Antliz ein
224
Und las die Predigt her: Verhehle ja die Tücke,
225
Beschnelle wen du kanst mit einer frommen Art,
226
Nimm von der Heucheley der Pharisäer Schmincke,
227
Daß auch kein Argus seh, daß deine Klugheit hincke;
228
Durch Blendwerck und Betrug wird manche Röth erspart.
229
Lern alles obenhin und las von Jung- und Alten
230
Den Fürnüß deines Koths vor reines Golderz halten!
231
Der Zuspruch kam herum, und die Verwegenheit
232
Versteinert ihm zulezt die unverschämte Stirne.
233
Sie rieth ihm: Scheue nichts, wie sehr die Ehrfurcht dräut,
234
Steh als ein Gözenbild, damit man ärger zürne,
235
Halt Ehr und Schande gleich, verfolg und schone nicht,
236
Gieb große Dinge vor; belauscht man deine Blöße,
237
So schlag es in den Wind, verdaue Straf und Stöße,
238
Und lecke wieder das, was dein Gewißen sticht,
239
Gieb keinem Thraso nach, verschwöre Treu und Friede,
240
Wer mit den Sünden truzt, der macht die Rache müde.
241
Crispin war zugestuzt. Die frohe Barbarey
242
Bekräftigte das Werck mit dem verfluchten Seegen:
243
Geh, lebe, wachs und blüh, Kraft unsrer Tyranney
244
Vollführe diesen Bau, dem wir den Grundstein legen,
245
Beweise dein Geschlecht, erbittre, spotte, schreib,
246
Was die Gemüther kränckt, damits die Jugend lerne
247
Und sich auf deinen Zug der Gründligkeit entferne.
248
Den Lohn versprech ich dir: Ein jedes Heringsweib
249
Soll dein gelehrtes Buch vor hundert Augen bringen
250
Und Fama deßen Lob auf mancher Bierbanck singen.
251
Die drauf erfolgte Zeit bewies es allzusehr,
252
Wie gut das Tadelkind die Lehren eingesogen.
253
Er übertraf sie weit und that schon zehnmahl mehr,
254
Eh ihm das Milchhaar noch das grüne Maul bezogen.
255
Es flog sein Aberwiz so wie ein nackter Specht,
256
Dem Schwanz und Flügel kielt, fein zeitig aus dem Neste.
257
Ja, redt er mit sich selbst, dein Ruhm steht doch nicht feste,
258
Bis der gespizte Kiel den Nebenchristen schwächt;
259
Ich muß von jezund an, man weis, wie kurz wir leben,
260
Ein Zeugnüß meines Stamms und des Gehorsams geben.
261
O unglückseelger Mensch, der sein vernünftges Pfund,
262
Mit dem er wuchern soll, auf solchen Wechsel leget.
263
Er tritt schon zum Voraus mit der Gefahr in Bund,
264
Die ihr versprochnes Ziel nicht zu versäumen pfleget.
265
Er stößt den weisen Stein mit blindem Fuße fort,
266
Sucht durch Gedächtnüßwerck sein höchstes Gut in Schalen
267
Und ahmt den Wilden nach, die Gold vor Puppen zahlen.
268
Erhebt sich denn ein Sturm, so weis er keinen Port
269
Und kreucht in Noth und Angst so wie in Rock und Hemde,
270
Denn wird die Seelenruh in seinen Gränzen fremde.
271
Es dräng uns Feind und Neid, man sey verhast, verjagt
272
Und von der Scheitel an bis auf den Fuß geschlagen,
273
Ein Geist, der Weißheit liebt, wird, wenn das Fleisch verzagt,
274
Ein Eden in der Brust, sein Glück im Willen tragen.
275
Er läst den Spöttern gern den Ruhm der Eitelkeit;
276
Der Finger der Natur entschleust ihm reichre Schäze,
277
Zeigt ihm die Folgerung der ewigen Geseze
278
Und wafnet ihm den Muth mit der Zufriedenheit.
279
Daher entsteht in ihm, wenn Kraft und Blut verrauschen,
280
Kein wiederwärtiger Gram, die Erde zu vertauschen.
281
Bedächte dies das Volck, so noch im Finstern irrt,
282
Wie ernstlich würd es sich aus dem Verderben reißen;
283
So aber lauft es blind, wenn Geiz und Hochmuth kirrt
284
Und Hände geiler Lust der Regung Körner schmeißen.
285
Es zehlt nicht, was es hat, es wüntscht nur, was ihm fehlt,
286
Verschiebt die Beßerung von einer Zeit zur andern,
287
Läst die Gelegenheit mitsamt der Stirne wandern,
288
Sieht nur, was heut ergözt, und nicht, was morgen quält,
289
Es träumt, so lang es lebt und muß mit wenig Jahren
290
Und mit dem lieben Vieh in eine Grube fahren.
291
Crispin ergab sich jezt der Polyhistorie,
292
Zog Schwänck und Mährchen ein, die Jung und Mägde brachten,
293
Und ward vor Freuden kranck, wenn etwan der und die
294
Vom Pöbel über ihn und sein Gemächte lachten.
295
Er las und überlas, was er mit Angst geschmiert,
296
Er sprach sich prächtig aus, wenn Preß und Druck vergonnte,
297
Daß er sein Anfangs-C. im Nahmen lesen konte,
298
Den er beym Schlafengehn aus Liebe buchstabirt.
299
Nun wird man, dacht er oft, in allen Büchersälen
300
Auch deinen Müßiggang zur klügsten Arbeit zehlen.
301
Hier liegt Sarckmasius
302
Die unser Sudelkoch darüber her gegoßen.
303
Wer ist wohl so gesund, dem sie nicht Würmer zieh,
304
Zumahl da fast ein Pfund von Saamen eingefloßen?
305
Wer sich dabey erbricht und auf den Eckel flucht,
306
Der spüle nur den Mund aus seiner Priesterquelle
307
Dies Werckchen, sehts doch an, vertritt des Glases Stelle,
308
Wenn sich die Einfalt puzt und zu bespiegeln sucht.
309
Nur schade, daß dadurch viel theure Männer leiden,
310
Da wir vor ihr Verdienst so grobe Federn schneiden.
311
Wer aber glaubte wohl, daß solche Schmiererey
312
Sich mit der Ewigkeit noch zu vermehlen dächte,
313
Wenn nicht der Stümper selbst so prahlrisch und so frey
314
Den abgeschmackten Saz vor das Gesichte brächte:
315
Ich und mein Müßiggang, ihr seyd ein braves Paar
316
Wir, schreibt er, eilen nicht zu dem Vergeßungsgrabe.
317
Gar recht, Crispin, gar recht; wo ich zu bitten habe,
318
So mach Apollo dir den stolzen Vortrag wahr
319
Und laße, weil wir auch an Eulenspiegeln dencken,
320
Dich durch dies Ehrenlied der lezten Nachwelt schencken.
321
Die Luft ernährt kein Thier, das mehr Gelächter zeugt,
322
Als wo der Hochmuthsgeist in Hasencörper fähret.
323
Da renckt sich Lend und Steuß, da wird kein Knie gebeugt,
324
Ob ihn der Nachbar schon mit Höfligkeit beschweret.
325
Die Gaßen sind zu schmal, das Pflaster fühlt den Schritt,
326
Es wächst der Bauch heraus, als wollt er früher kommen.
327
Des Landmanns guter Tag wird nicht in Acht genommen,
328
Denn der gelehrte Mann hat Sinn und Ohr nicht mit,
329
Weil er das Buch sogar zur Brandtweinschule führet
330
Und über Stock und Stein die Straßen durchstudiret.
331
Blieb er ein Narr vor sich, so möcht es noch geschehn;
332
Was uns nicht Blasen macht, das kan ein andrer löschen.
333
Geht hin, ihr werdet ihn in Wochenstuben sehn,
334
Da küzelt er sein Ohr mit richtenden Gewäschen,
335
Von daraus rennt er flugs die halbe Stadt herum,
336
Trägt Schwachheitsmängel aus und bringt sie zu Papiere,
337
Als wär es ein Verlust, wenn jeder nicht erführe,
338
Lispillens rechter Fuß sey von der Liebe krumm,
339
Amandens lincke Brust vertrage Biß und Zeichen
340
Und Blanca laße sich die Flasch ins Bette reichen.
341
Da klatscht, da kümmert sich das alte Trödelweib
342
In jeder Rockenzunft um alle Spindelgrillen,
343
Da sucht er unter Lichts der Köchin Zeitvertreib,
344
Da holt er Ilsen aus, da forscht er von Sybillen,
345
Warum ihr guter Mann geduldig schlafen geh,
346
Wie viel Mirmallens Laz, Celindens Hochzeit koste,
347
Wovon der Chloris Zahn, Amornens Liebe roste,
348
Wie hoch Silvonien ihr Leibgedinge steh,
349
Wie oft sich Frau und Mensch bey dem Begräbnüß raufen
350
Und Fritz und Florida nach Fingerwalde laufen.
351
Den Lehrern muzt er auf, was kaum zu ändern steht
352
Und was das Glück auch wohl dem Fleißigsten versaget.
353
Fällt ja die Menschligkeit, so wird ein Creuz erhöht,
354
An dem des Lästrers Maul das Ohr der Unschuld plaget.
355
Mit Schülern fängt er schon den Zanck in Schriften an,
356
Als hätt er nie gehört: Aus Schnaten werden Bäume.
357
Bald jagt er die Gedult mit einem Knüttelreime,
358
Bald kehrt der Blaustrumpf um und wird ein Wetterhahn,
359
Da soll hernach das Lob des klugen Masorethen
360
Den dem Porphyr zuvor gegebnen Stich verlöthen
361
Wie schlecht versiehstu dich, geblendeter Crispin!
362
Purgire dich doch selbst, alsdenn gieb andern Pillen.
363
Wer als ein Gerberschwein der Mägdgen Schoos – – –,
364
Der wird die Trunckenheit mit keiner Predigt stillen.
365
O kehre, kehre doch vor deinen Thüren weg!
366
Wir dürften etwas mehr als einen Menschen riechen.
367
Gedenckstu noch ans Glas? Es mag sich jezt verkriechen,
368
Die Tasch ist weit genug. Was, sag es, ist dein Zweck?
369
Des Nechsten Beßerung? Nein, sondern dein Ergözen,
370
Den Leuten wehzutun, den Argwohn anzuhezen.
371
Besäh ich das von ihm geschändete Latein,
372
Was würde Priscian vor Nasenstüber holen!
373
Die Pfeile, so er schiest, sind auch so gar nicht sein,
374
Das Unkraut pflanzt sein Fleiß, die Blumen sind gestohlen.
375
Er füllt, er stopft, er flickt, die Schreibart läst so bunt
376
Als Florens Unterrock und Fieckchens Sonntagsmüze.
377
(ihr Mägdgen, eifert nicht, hier steht die Feuersprize!)
378
So macht sich eigner Neid durch fremde Wafen kund,
379
So fängts die Boßheit an, sie wirbt entlehnte Kräfte
380
Und tadelt Sitten, Gang, Vermehlung, Tracht, Geschäfte.
381
Die Elster springt und hüpft, bis ihr der Rückgrad bricht;
382
Es geht, so lang es kan, der Frevel weis ein Ende.
383
Bis hieher scheut er noch des Phoebus Recht und Licht,
384
Jezt aber fühlt auch der die ungewaschnen Hände.
385
Sein Grif entheiligte der Saythen reinen Klang,
386
Die er nach seiner Art mit grobem Finger drückte,
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Und weil er sich dazu wie Kloz zur Fiedel schickte,
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Verdroß ihn diese Scham, daß niemand schlimmer sang,
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Ja, da er sich aus Zorn die Nägel schon verbißen,
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So wollt er Harf und Spiel durchaus zerschmettert wißen.
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Inmittelst legte sich Calliope darein
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Und eilte vor den Rath der groß- und kleinen Götter.
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Wie lange, flehte sie, soll ich um Hülfe schreyn?
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Errettet euch und uns von dem verlognen Spötter!
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Er spricht euch stündlich Hohn und wird uns noch gewis
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(davor der Himmel sey) den kleinen Anhang rauben.
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Die Furcht hat viel Beweis; denn wollt ihr mir nicht glauben,
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Es sieht vorhin um uns so schlecht und windicht aus.
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Des Phoebus Ehre wanckt und steht auf schwachen Füßen,
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Sophia grämt sich ab, bewohnt ein flüchtges Haus
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Und kan fast nirgends mehr der alten Ruh genießen.
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Man zehlt die Wißenschaft zur Grillenfängerey,
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Die Übung der Vernunft wird mit Gewalt vergeßen,
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Man will ihr Winckelmaas nach eignem Dünckel meßen,
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Man schwizt, man strebt darnach, daß sie verwickelt sey.
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Man tritt den wahren Kern und sättigt sich an Schelfen
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Und hälts noch wohl vor Ruhm, der Warheit hinzuhelfen.
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Und steckt gleich hier und dar noch mancher edler Geist,
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Der wohl den Schaden merckt und gern ein Wort verlöre,
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Der darf nicht, wie er will, die Thorheit stößt und beißt,
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Man schmälert sein Verdienst, man raubt ihm Glück und Ehre.
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Bleib, feuriger Lucil, bleib ja in deiner Gruft
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Und las den sichern Kopf im Aschennapfe stecken;
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Denn sollte dich ein Fall in unsern Tagen wecken,
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Vertrügstu nimmermehr die angesteckte Luft,
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Die Laster würden dir bey so verderbten Zeiten,
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Thät es dein Eifer nicht, den andern Tod bereiten.
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Wer wacker schwazen kan, Registerschreiber braucht,
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Mit Nahmen um sich wirft, davon die Ohren gellen,
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Den unverschämten Kiel in Gall und Lügen taucht,
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Zehn alte Schincken list, den eilften darzustellen,
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Wer, sag ich, etwan kaum ein Duzend Drucker kennt
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Und herzuschnattern weis, was Brown und Hobbes glaubte,
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Welch Weib des Isaacs Braut am Hochzeitabend haubte,
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Wie viel Gelehrte seyn, die man Johannes nennt,
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Der heist galant gelehrt; ich rede mit der Mode.
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Crispin ist so ein Fisch, jedoch aus ärgrem Sode.
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Er wird in seiner Stadt wie böses Geld bekand;
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Er heist Asträens Sohn, sie will ihn nicht erkennen
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Und schämt sich, so ein Glied, an dem der kalte Brand
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Verstockter Einfalt hängt, ein Glied von ihr zu nennen.
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Sie ärgert sich genug, daß er mit Latten läuft.
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Erst neulich machten ihn, da er aufs Dorf gerathen,
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Die Schenck und das Gelach zum Hundstagsadvocaten.
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So tief verfällt ein Mensch, der aus dem Circkel säuft.
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Dies sprach Calliope und wollte mehr entdecken
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Und blieb doch unverhoft in der Erzehlung stecken.
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Die Ursach war ein Trupp, den Meditrine schloß;
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Sie jagte den vorher, dem wir sein Lob gesungen.
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Ein Satyr peitschte zu und schleppt ihn durch den Troß,
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Den die Verwunderung von weiten hergezwungen.
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Hier, rief Hygeens Zorn, kommt, großer Juppiter,
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Der Bruder des Suffens, der meine Priester schändet
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Und unsre Langmuth noch auf neue Boßheit wendet.
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Ach, bistu, der du bist, ein stets gerechter Herr,
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So las, ich bitte kurz, den schärfsten Spruch erklingen
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Und dieses Momus-Kind zu der Erkäntnüß bringen.
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Beklagter wollte viel, allein der Götterfürst
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Verschloß ihm Muth und Mund mit einem finstren Blicke.
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Schweig, Tadler, donnert er; denn daß du lügen wirst,
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Das sagt dein Angesicht, der Schauplaz stummer Tücke.
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Kein Sünder deiner Art verdient den Donnerkeil,
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Er streckt nur Riesen hin, beschädigt keinen Hasen.
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Jedoch damit du nicht vergebens Gift geblasen,
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So bieth ich dich anjezt als einen Sclaven feil;
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Der ungewohnte Stand soll dir mir derben Schlägen
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Das auf Haut und Schedel prägen.
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Man both den Tadler aus, kein Käufer wollte dran;
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Denn der geringste Werth schien allen noch zu theuer.
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Silen erbarmte sich, erstund ihn durch den Pan
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Und gab vor seinen Leib zween ganze Betteldreyer.
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Der stets versofne Gott bestraft ihn recht und gut
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Und schlug ihn unverhört zu einem Sattelknechte,
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Damit er künftighin sein Leibpferd hüten möchte,
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Das viel vernünftiger als so ein Wächter thut.
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Nun kan er, ists nicht wahr? bey seinem Eselstreiben
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Viel müßge Stunden sehn und faule Tage schreiben.
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Die Musen murrten noch: die Strafe sey zu leicht.
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Allein der Phoebus kam und stillte seine Töchter:
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O, seyd mit dem vergnügt, was euch das Urthel reicht.
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Ich straf ihn noch darzu mit ewigem Gelächter;
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Ist irgends wo ein Volck, das mein Altar erwärmt,
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Das melde seinen Schimpf den Dichtern aller Zungen.
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Es schalle weit und breit: So ist es dem gelungen,
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Der mit der Barbarey um den Parnaß geschwermt.
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Jezt bleibt ihm der Gewinn, daß sein Gedächtnüß stincket,
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So lang ein Schlesier aus unsern Brunnen trincket.
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Den Trost des Delius beschloß ein Jubelschall.
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Die Schwäne wachten auf und schlugen mit dem Flügel,
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Das Echo lachte nach und der verdiente Fall
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Ergözte Thal und Hayn, bewegte Berg und Hügel.
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Die frohe Castalis erfuhr den Lobgesang
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Und überstieg sich selbst und lief vor Freuden über;
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Da war kein Baum so groß, der nicht je eh je lieber,
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Als wär ein Orpheus da, mit Haupt und Wurzel sprang.
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Ja, das Gerüchte sagt, es hätten Ast und Blätter
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Die Worte nachgezischt: So geh es jedem Spötter!
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Der Pindus war erlöst. Drum saß das Jungfernchor
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Und feyrete die Lust der angenehmen Stunde.
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Calliope stand auf, versucht ihr Heldenrohr,
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Sah Schweidniz abwärts ein und stieß aus vollem Munde:
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Du mir geweihte Stadt, erhebe doch das Haupt
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Aus der mit deiner Pracht bisher vermengten Asche;
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Zeuch Feyerkleider an, zerbrich die Thränenflasche,
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Der Himmel hat noch mehr, als dir sein Zorn geraubt.
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Besinnstu dich denn nicht, daß Schutt und Kohlen düngen?
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Die Stätte, wo du weinst, soll Seegensfrüchte bringen.
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Dein Carl, dein Kayser, lebt, dein Herr, dein irdscher Gott;
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Sein Adler schencket dir den Fittich hoher Gnaden.
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Verschmerze die Gefahr, vergiß der Feinde Spott,
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Der Wucher, den du hofst, ersezt den heißen Schaden.
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Dein theurer Schaffgotsch wacht, die Allmacht laße dir
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Noch unter langer Zeit dies Auge nicht entfallen.
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Es müßen Fried und Ruh in deinen Häusern schallen,
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Es überkleide dich des reichsten Seegens Zier.
509
So wird die Barbarey mit ihren Thorheitskindern
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Dir nun und nimmermehr die Wißenschaft verhindern.
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Du hast, berühmter Ort, der klügsten Väter Rath;
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Ich überlaße dich der Weißheit ihrer Sorgen.
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Mich ruft, ich hör es schon, ich hör es in der That,
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Ein Lied der Siegenden und ein Geschrey von Morgen.
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Fort, Fama, fliege mit, fort, fort, hier gilt kein Ruhn,
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Fort, las dir beym Vulcan die Siegstrompete beßern
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Und ihre Lieberey in frischem Purpur wäßern;
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Denn dein und unser Amt bekommt gar viel zu thun.
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Komm, komm dem Helden nach, er eilt mit Roß und Wagen,
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Er eilt, er steht, er schlägt, Triumph! wir müßens sagen.