[viel Glücks zum neuen Meisterrechte!]

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Johann Christian Günther: [viel Glücks zum neuen Meisterrechte!] (1709)

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Viel Glücks zum neuen Meisterrechte!
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So kurz erklärt sich unsre Pflicht,
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Die wie das buhlrische Geschlechte
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Mehr wüntscht als sagt, mehr denckt als spricht.
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Man muß nur mit den Wölfen heulen
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Und, weil die Mode so befiehlt,
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Dir, edler Freund, ein Lied ertheilen,
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Es sey auch noch so lahm gespielt.

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Dein Violet, Sophiens Gabe,
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Erinnert unsern kalten Geist,
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Als ob man zu bedencken habe,
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Was eigentlich Magister heist.
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Vorwahr, der grundgelehrte Tittel
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Bedeutet mehr, als mancher denckt,
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Und ist anjezt ein wohlfeil Mittel,
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Das ungemeinen Vortheil schenckt.

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Zum ersten schmückt dies Wort den Nahmen
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Und ziert ihn wie den Hund der Schwanz
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Und wie ein großer Hecht den Hamen
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Und wie ein schönes Haupt der Kranz.
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Herr F(ritsche) ließe gar zu seichte;
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Magister F(ritsche) klappt und klingt
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So zärtlich als die Ohrenbeichte,
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Die Dorchen in dem Bette singt.

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Zum andern hat sich ein Magister
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Des großen Ranges zu erfreun,
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Wenn Mutter, Schwäger und Geschwister
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Magister und Magister schreyn.
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Da steht er auf den Treppenstufen,
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So bald der Tisch voll Speisen steht,
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Und harrt und läst sich zehnmahl rufen,
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Weil ihm das Wort durchs Herze geht.

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Zum dritten sieht er sich verehren,
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Er komm auch nur wohin er will,
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Da muß er von den Jungfern hören:
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Wie, Herr Magister, wie so still?
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Ach Herr Magister, sie vexiren;
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Der Herr Magister geh voraus;
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Der Herr Magister wird uns führen;
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Der Herr Magister fällt ins Haus.

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Magister scherzen allzeit beßer;
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Magister läßet noch so schön,
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So oft sie mit dem langen Meßer
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Nebst fünf Gevattern schneiden gehn.
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Magisterküße schmecken süßer
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Als Mandelmilch und Honigseim;
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Magister laufen viel gewißer
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Als eines Dichters bester Reim.

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Magister kriegen von dem Schreiber
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(schulmeister klappt nicht) mehr Respect;
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Magister finden reichre Weiber,
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Dieweil die Kraft im Titul steckt.
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Magister predigen gelinder;
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Magisterworte gelten viel;
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Magister ziehn die frömmsten Kinder
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Und kommen eher an das Spiel.

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Zunechst kam einer in die Schencke
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Und trunck magistermäßig rum
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Und sof sich Degen und Gehencke
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Und Füß und Haupt und Buckel krumm.
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Darauf vervielt ihn noch die Zeche;
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Ja, sprach der Wirth, mein Herr, verzeiht,
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Denn daß ich euch den Beuthel schwäche,
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Das macht, weil ihr Magister seyd.

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Du weist wohl, in dem grauen Thiere
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Kommt ein Magister früher dran,
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Und hinckt er auch auf alle Viere
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Wie Herr Magister Lobesan.
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Was brauchts? Du wirst es selbst erfahren:
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Die heutige Promotion
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Gewähret deinen jungen Jahren
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Den herrlichsten Magisterlohn.

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Wie manche wird im Vaterlande
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Ein heimliches Gelübde thun,
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Mit dir und deinem neuen Stande
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Ins künftige vergnügt zu ruhn.
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Wir halten nichts vom Seegensprechen
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Und stückeln keinen Wuntsch ans Blat,
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Und gleichwohl wird dir nichts gebrechen,
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Wo unser Anfang Würckung hat.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Johann Christian Günther
(16951723)

* 08.04.1695 in Striegau, † 15.03.1723 in Jena

männlich, geb. Günther

deutscher Lyriker

(Aus: Wikidata.org)

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