[weinet nicht, verwaiste Kinder]

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Johann Christian Günther: [weinet nicht, verwaiste Kinder] (1709)

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Weinet nicht, verwaiste Kinder,
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Da der Himmel wieder lacht;
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Seht, des Unglücks trübe Nacht
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Hat den Tag zum Überwinder,
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An welchem Glück und Sonnenschein
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Einander der Verschwendung zeihn.

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Schweigt, ihre bangen Klagelieder,
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Sucht, ihr Thränen, euer Grab!
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Zion legt die Trauer ab,
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Zion nimmt den Brautschmuck wieder
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Und crönt den heißen Danckaltar,
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Der schon mit Moos bewachsen war.

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Heute wird die stumme Wüste
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Des betrübten Helicons,
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Des bestürzten Libanons
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Ein beredtes Schaugerüste,
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Von dem der Musen Jubelfest
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Die Traurigkeit verweisen läst.

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Neulich, als der Gottheit Rache
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Unsern Hirten plözlich traf,
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Lehrte fast ein jedes Schaaf,
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Daß des Höchsten Zorn erwache,
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Und wir erfuhren, als er schlug,
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Warum sein Arm den Donner trug.

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Doch der Väter kluges Wehlen
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Ändert unsern Waysenstand,
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Und daher soll man den Sand
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Eher als die Wüntsche zehlen,
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Die unsers Herzens Danckbarkeit
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Dem Wachsthum ihrer Häuser weiht.

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Komm mit deinen süßen Lehren,
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Theurester Gamaliel!
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Wir, dein kleines Israel,
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Sind bereit, dein Wort zu hören,
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Weil Gott, der deine Gaben schäzt,
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Dich über uns zum Hirten sezt.

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Wir verpfänden dir die Herzen,
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Dein Befehl ist unsre Lust,
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Wir eröfnen dir die Brust
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Als ein Feld voll Ehrenkerzen
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Und leisten sonder Heucheley
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Den ungezwungnen Eid der Treu.

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Die Verräther unsrer Freude,
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Mund und Zunge, küßen dich
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Und verlangen inniglich,
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Daß uns deine Vorsicht weide;
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Hier, Vater, stellt die Liebe dir
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Den kindlichen Gehorsam für.

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Wir empfinden schon den Seegen
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Als den Erstling deiner Huld;
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Unsrer Sehnsucht Ungedult
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Geht demselben schon entgegen,
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Der, weil ihn Gott und Himmel küst,
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Ein Nachbar Obededoms ist.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Johann Christian Günther
(16951723)

* 08.04.1695 in Striegau, † 15.03.1723 in Jena

männlich, geb. Günther

deutscher Lyriker

(Aus: Wikidata.org)

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