[brich an, erfreutes Licht, las deine Freudenstunden]

Bitte prüfe den Text zunächst selbst auf Auffälligkeiten und nutze erst dann die Funktionen!

Wähle rechts unter „Einstellungen“ aus, welcher Aspekt untersucht werden soll. Unter dem Text findest du eine Erklärung zu dem ausgewählten Aspekt. Nicht jede Anmerkung ist für die Analyse gehaltvoll.

Johann Christian Günther: [brich an, erfreutes Licht, las deine Freudenstunden] (1709)

1
Brich an, erfreutes Licht, las deine Freudenstunden
2
Mit angenehmer Pracht an diesem Morgen sehn;
3
Da sich des Jahres Kern, der Frühling, eingefunden,
4
So müßen von nun an nur Zephyrlüfte wehn.
5
Dein Glanz, beglückter Tag, dein angenehmes Wesen
6
Fährt mit vollkommner Lust in meine Thäler ein,
7
Es heist mich Opferholz zu seinem Feste lesen
8
Und auf den Danckaltar geweihte Myrthen streun.
9
Ich könte hier gar viel von alten Opfern schreiben,
10
Die Rom und Griechenland den Göttern dargebracht,
11
Doch muß ich diesesmahl bey meinem Zwecke bleiben,
12
Den mein Gehorsam mir und meine Pflicht gemacht.
13
Erlaube, Gnädigster, dies kürzlich aufzusezen,
14
Was meine Danckbarkeit und den Gehorsam zeigt,
15
Ich wollte, könt ich nur, den Tag in Marmor äzen,
16
Ich wollte, wäre mir der Himmel nur geneigt,
17
Auch selbst der Ewigkeit die Wohlthat einverleiben,
18
Die mir dies hohe Haus zu jeder Zeit erweist;
19
Doch will ich selbige tief in mein Herze schreiben,
20
Aus welchem sie niemahls der Zeiten Wechsel reißt.
21
Mich lehrt Thalia zwar vor dich zu schlechte Lieder,
22
Und mein geringer Geist kennt nur der Einfalt Eiß;
23
Doch tröstet deßen sich die stumpfe Feder wieder,
24
Daß sie von Schmincke nicht noch Heuchelworten weis.
25
Dies Opfer, so mein Kiel vor diesesmahl will bringen,
26
Soll blos ein heißer Wuntsch in schlechten Worten seyn,
27
Der Höchste laße ihn nur durch die Wolcken dringen,
28
Es gehe deßen Kraft mir selbst durch Marck und Bein:
29
Gott wolle, Gnädigster, vor Dero Wohlseyn wachen,
30
Damit kein Ungemach uns unsre Freude stört,
31
Er wolle diesen Tag stets viel beglückter machen,
32
Daß man an ihm von Lust und lauter Freude hört.
33
Es soll dies hohe Haus noch viele Jahre blühen,
34
Dem schon das Alterthum, der ahnenvolle Schild,
35
Der keinen Wandel kennt, den Nachruhm hat verliehen:
36
Es bleibe jedermann ein wahres Tugendbild.
37
Der Herr, der alles kan, vermehre Dero Jahre
38
Und seze selben was von meinen Tagen bey,
39
Damit ein jeglicher noch mit der Zeit erfahre,
40
Daß hier des Herren Hand und Stärcke mächtig sey.
41
Er ist es, welchen du stets deine Hülfe nennest;
42
Drum las er seiner Huld auch die empfohlen seyn,
43
Die ich als Gönnerin, du als Gemahlin kennest,
44
So trift mein heißer Wuntsch und alle Hofnung ein.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

Einstellungen

    Text teilen & herunterladen

    PDF-Export

    Arbeitsblatt zur Interpretation herunterladen

  • Äußere Form

  • Sprachlich-inhaltliche Analyse

  • Voller Zugriff auf Textopus

    • Interaktive Analyse von über 65.000 Gedichten und über 700 Dramen

    • Zugriff auf mehr als 400 Rezitationen und hilfreiche Epochenübersichten

    • Mit Aufdeckfunktion zum Selbstlernen von Stilmitteln, Kadenzen, Metrum u. v. m.

    Textopus App

    Textopus-App

    € 4,99/Jahr
    In-App-Kauf
    Apple App StoreGoogle Play Store
    Klett Digitale Unterrichtsassistenten

    Für Lehrkräfte

    Kostenlos in ausgewählten Digitalen Unterrichtsassistenten der Deutsch-Lehrwerke des Ernst Klett Verlags
    Deutsch kompetent

Johann Christian Günther
(16951723)

* 08.04.1695 in Striegau, † 15.03.1723 in Jena

männlich, geb. Günther

deutscher Lyriker

(Aus: Wikidata.org)

Textopus kann Fehler machen. Überprüfe die Informationen. Teils KI-gestützt. Siehe Hinweise zur möglichen Fehleranfälligkeit.