Erwarthe nicht, mein Freund, vor so viel Werth und Huld

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Johann Christian Günther: Erwarthe nicht, mein Freund, vor so viel Werth und Huld Titel entspricht 1. Vers(1709)

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Erwarthe nicht, mein Freund, vor so viel Werth und Huld
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Ein lang und nett Geschwäz. Ich bin in deiner Schuld,
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Doch lieb ich dich dabey. Dies sind die reichsten Zinsen;
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Der schöne Wörterkram bezahlt kein Maas voll Linsen,
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Zu schweigen Trost und Rath und allzeit gleiche Treu.
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Mein Zustand ist, du weist's, das Leben; nichts dabey
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Als Wüntsche voll Gedult, ist ja so leicht zu tragen
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Als Thraso, wenn er schwazt, und alter Leute Klagen.
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Das wißen leider wir, ich und der Praetendent,
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Mit dem mir Gottes Zorn viel Gleichheitsehre gönnt.
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Wir hofen beide falsch und beides in die Länge;
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Wir bringen nach und nach die Wirthschaft in die Enge;
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Er soll wie ich kein Sohn des eignen Vaters seyn,
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Und keiner weis gewis, doch glauben wir gemein.
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Er sucht ein großes Reich, ich möcht es auch wohl haben.
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Die Sehnsucht crönt ihn schon und mich des Phoebus Gaben.
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Er speiset Gnadenbrodt und solches auf der Flucht,
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Wie etwan auch mein Tisch verschiedne Wirthe sucht.
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Jezt nährt ihn Kirchengut; nechst hatt ich noch von Jauer
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Zwölf Säckel auf den Weg, es war nur wenig Dauer.
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Man trennt ihn von der Braut, sie muß nun in der Still
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Den Klostermauren zu; mein Mägdgen aber will.
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Nur etwas läst mich ihm nicht ganz und gar vergleichen:
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Der Wind verschlug sein Schif, mir will es beßer streichen;
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Dein Breßler richt es wohl. Ach, wär er jezt so groß
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Und riß er noch einmahl den Rock von Pathen los,
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Ich wollte statt des Dancks ihn nimmermehr beschweren
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Und zu so großer Noth den Rath nicht mehr begehren.
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Ja, lieber Hahn, so geht's, Wind wird auch hier zu Wind
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Und dient nicht wie vorhin. Mein kurzes Unschlit rinnt,
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Als wollt es mir sogar die Freude nicht mehr gönnen,
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Die stille Finsternüß dir schriftlich weihn zu können.
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Die Nahrung in der Welt ist oft wohl wunderlich.
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Zum Helfen wüntsch ich Gott, zum Ansehn aber dich.
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Kein Härchen meint es treu, sie wollen alle fliegen,
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Nur die nicht, welche mir in Brey und Butter liegen.
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Vom Morgen in die Nacht und durch die Nacht bis früh
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Schreibt Phoebus neben mir auf Bettbret, Holz und Knie.
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Sonst, glaube, wird von uns wohl wenig vorgenommen
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Als leiden, hungrig seyn und täglich gehn und kommen.
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Wie soll ich das verstehn? Gleich, gleich, gedulde dich!
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(der Feder fehlt das Naß; doch Waßer tröstet mich.)
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Drey Wochen sind es schon, seitdem ich Lauben drücke
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Und hier wohl weiter nichts als eine Gaß erblicke,
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Sonst komm ich nirgends hin. Ich hab ein doppelt Haus,
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Zum Betteln mein ich nur; des Abends zieh ich aus
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Und schlafe dort bey dem. Das heist wohl recht geschoren,
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Der das mit Tuchen thut, was Kutscher mit den Ohren
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Und ich der ganzen Welt und mir das Glücke thut.
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Nun höre ja mit Fleiß: Es ist noch eine Ruth,
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Die, seit der Corporal, ihr Mann, nicht mehr genesen,
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Auch Ähren um das Feld des Schwagers aufgelesen.
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Die lehnet, daß ich nicht den Schlafrock schleppen darf,
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Den Mantel, den ihr Mann bey Posen um sich warf
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Und Schlacht und Feind verlies. So muß, um mich zu zieren,
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So lange Zeit vorher ein ganzes Volck verlieren.
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Bey Tage bin ich hier. Wo ist das Hier? Nicht dort.
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Da mercke, liebster Hahn, hier hör ich fast kein Wort
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Als Klagen, Leichgesang, Fluch, Elend und Bereden
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Und, wenn es köstlich ist, von Leinwand, Flachs und Fäden.
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Auch tröstet mich kein Buch, wenn nicht von ohngefehr
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Ein Blat vom Cicero die lezte Wollust wär.
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Es riecht nach Käsefett, mit dem es vor drey Tagen
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Herr Schubarth, unser Wirth, vom Trödel heimgetragen.
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Du glaubst wohl nimmermehr, wie brünstig sich mein Geist
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Durch solchen kleinen Rest des großen Mannes speist.
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Ich les es zehnmahl durch und kan doch hoch betheuren:
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Die wiederholte Lust hebt zehnmahl an zu feuren.
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Ich lese mehr als steht, und weil ich eifrig thu,
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So bring ich aus mir selbst manch sinnreich Wort dazu
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Und mein, ich find es da. Dies artige Betriegen
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Gebiehrt mir innerlich ein herzliches Vergnügen.
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Hier kan ich nicht vorbey, mit Umschweif und Bemühn
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Ein Laster, dem du gram, mit Unmuth durchzuziehn.
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Bey so viel Noth und Nord, die Herz und Finger schneiden,
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Ist, glaub ich, neben mir ein unerträglich Leiden,
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Ein rechtes Satanskind, ein ungezogen Weib,
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Ein Bild der Gelbensucht und mehr Geripp als Leib.
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Sie trieft von lauter Fett. Wo aber? In den Augen,
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Die Purpurmuscheln sind und vor die Hexen taugen.
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Vor dies kan sie zwar nicht; doch weil ihr Eigensinn
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Den Körper mit beschimpft, so geht auch dies nicht hin.
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Ich zürne nicht vor mich, nein, wegen andrer Leute.
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Sie gönnt dem Nechsten nichts, begeifert Kranz und Bräute,
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Flucht heimlich, wenn ein Mensch ein kleines Glück erzehlt
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Und wird von fremder Lust mit Bitterkeit gequält.
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Sie knirscht, zerbeißt die Hand, zeigt Rachgier über Schaden
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Und richtet, wer nur kommt, vom Kopfe bis zur Waden.
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Bald muß der König durch. Warum? Die Zeit ist schwer.
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Bald heist der Müller Dieb, bald muß der Bäcker her,
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Bald wettern Maul und Bliz auf die, so mehr gewinnen
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Als sie mit fauler Hand und niemahls rechtem Spinnen.
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Ihr fromm-, ihr ehrlicher und wohlgeübter Mann,
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Der allerwegen kaum mehr sehn und hören kan,
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Muß, wie er gerne thut, von einer Zeit zur andern
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(wie oft erbarmt es mich!) nach Holz und Nahrung wandern.
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Sie faulenzt unterdes bey Herd und Müßiggang
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Und giebt ihm, kommt er spät, mit losen Worten Danck
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Und kan doch, kostet's auch ihr hungervolles Leben,
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Von selbsterworbner Müh nicht einen Dreyer heben.
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Wahrhaftig, edler Hahn, der gröste Heldenmuth
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Vergeht bey solcher Angst. Nur lecken kan sie gut
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Und wehlen noch viel mehr und schmazen zehnmahl beßer.
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Rührt jemand nur den Mund, so ruft sie schon: Das Meßer!
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Und schielt begierig hin. Ja, was der Woche soll,
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Zehrt oft ein Abend auf. Sie ist noch wohl so toll
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Und wird, so arm sie ist, viel Ehr und Furcht begehren.
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Bestraft sie denn ihr Mann, so fängt sie an zu schwören,
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Verwüntscht den Hochzeittag und heult und ächzt und ruft
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Zum Zeugen böser Eh die Mutter aus der Gruft,
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Die etwan auch wie sie des Vaters Ruhm beflecket
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Und also mit der Milch die Tochter angestecket.
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Ein Beyspiel ist genung: Den nechsten Ostertag
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Gewährt uns Küch und Tisch, was Hausmannskost vermag;
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Es war gering und gut, den Magen auszufüllen.
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Ich aß mit viel Geschmack; sie sprach mit Widerwillen:
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Ein Festtag und kein Kalb, das ist mir nie geschehn;
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Kein Fladen, lieber Gott, du lebst und kanst es sehn.
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O daß der Teufel doch (ja, denck ich, dich zur Zinse)
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Den freßenden Accis, o schwimm, verdammte Linse!
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Was hätt ich wohl begehrt und solche Bettelbrüh
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Vor diesem eingeschluckt? So rast und donnert sie,
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Das ungeheure Thier. Sollt ich es nur nicht hören
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Und durch solch Ärgernüß mein fromm Gemüthe stören!
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Ich schwör auf ihren Gott (den Geiz, mit dem sie weint).
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Wär jemand nicht ihr Sohn und Schubarth nicht mein Freund,
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Die Feder würde sich vorwahr nicht halten können,
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Sie öfentlich und frey mit Schimpf und Spott zu nennen.
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Die Boßheit und der Fluch verlezter Majestät,
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Die Ehrsucht, welche sonst nach Unschuldsblute steht,
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Mord, Raub und Schwelgerey sind groß- und grobe Sünden,
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Doch alle sollten mich viel eher gütig finden;
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Der Geiz, der Geiz allein macht den, worein er fährt,
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Zum Greuel aller Welt. Ich halt ihn niemahls werth,
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Ich, der ich fähig bin, auch Feinden zu vergeben,
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Mit Menschen solcher Art getreu und wohl zu leben.
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Ich sprizle, schelt und flieh, wo so ein Unding sizt,
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Mit größrem Schauder fort, als wo ein Drache blizt,
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Und will mich lieber selbst auf Maul und Antliz schlagen
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Als, kennst du – – – –? und seines gleichen, tragen.
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Da hastu meine Qual, du Schwester armer Kunst,
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Und forderstu Bericht nach angebohrner Gunst,
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Was ich doch wohl dabey noch vor Kalender mache?
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Wer bin ich? Günther. Gut, was fragst du viel? Ich lache
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Und seh die ganze Welt, auch mich, vor thöricht an,
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Sie, weil sie nicht genung und richtig wüntschen kan,
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Mich, weil ich nicht vermag, die Narren scharf zu kräncken.
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Sie schäumen, das ist nichts, sie sollten sich erhencken,
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Das zierte meinen Reim. Wer weis, was noch geschieht!
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Du kennst den – – –, der Stockfisch ist gebrüht,
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Die Würze fehlt mir noch, ihn vollends gar zu kochen,
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Und darauf schenck ich ihn Lucinden in die Wochen,
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Vor die sein Midas ficht. Die Sachen sind schon alt.
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Meüi Freund, gieb neuen Stof, sieh, höre, schreib, und bald
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Und viel und oft und gern, erforsche viel Gemüther,
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Der Testamente List, die Pracht erlogner Güter,
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Der Menschen Heucheley, der Mägdgen Flehn und Pein,
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Der Weiber Heimligkeit, der Narren Zeterschreyn,
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Der Ärzte güldne Kunst, der Richter schlimme Räncke,
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Gespräche, kalten Scherz und tausend andre Schwäncke,
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Dies alles schreib genau; denn wenn ich müde bin,
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Der Helden ihren Ruhm in Versen hochzuziehn,
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So zeigt mein Satyr gern dem Auge später Zeiten,
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Giebt Phoebus Zeit und Lust, geheime Kleinigkeiten,
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Den Lauf, die Lebensart und Laster unsrer Welt,
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Die, wer Geschichte schreibt, nicht eben würdig hält,
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Und die gleichwohl einmahl (ein Kluger mag sie schäzen)
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Noch manchen Kopf vielleicht so beßern als ergözen.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Johann Christian Günther
(16951723)

* 08.04.1695 in Striegau, † 15.03.1723 in Jena

männlich, geb. Günther

deutscher Lyriker

(Aus: Wikidata.org)

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