Vergieb nur, Gnädigste, die Grobheit armer Noth!

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Johann Christian Günther: Vergieb nur, Gnädigste, die Grobheit armer Noth! Titel entspricht 1. Vers(1709)

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Vergieb nur, Gnädigste, die Grobheit armer Noth!
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Da mir das Eußerste von Schwäch und Mangel droht
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Und unbekandtes Volck hier weder schüzt noch heilet
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Noch anderswo ein Freund der Sehnsucht Rath ertheilet,
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So flieh ich noch zu dir mit Ehrfurcht und Vertraun.
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Ich kan mein Leipzig nicht halb lahm und dürftig schaun
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Und warth allhier auf Trost und lieg in fremden Händen;
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Die Misgunst wird mich zwar nach Wuntsch und Lügen schänden.
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So geht's, wer einmahl liegt, den drückt wohl jede Luft.
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Jedoch wenn hier mein Reim um etwas Gnade ruft,
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So sündigt er wohl nicht; wenn ich auch nichts verdiene,
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Verdient mein Unglück doch, daß beßre Hofnung grüne.
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Versichre nur vor mich den gnädigsten Gemahl,
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Mein Wuntsch sey fort und für, nach überstandner Qual
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Ihm, wie ich schuldig bin, vor so viel Gnad und Güte
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Nur einen Dienst zu thun. Ein großmuthsvoll Gemüthe
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Entschuldigt dann und wann, wenn Jugend was versieht,
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Die Jugend, die sich noch erst um Erfahrung müht.
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Ach, würd ich jezt gestüzt! Ich könt in andern Ländern
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Vielleicht in kurzer Zeit so Feind als Glücksstern ändern.
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Ich kan nichts mehr als flehn, du aber gnädig seyn.
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Die Marterwoch ist da, nur leider trift es ein;
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Ach, wenn sich doch nur bald ein Tag der Ostern fände,
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An dem zum wenigsten die Hofnung auferstände!

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Johann Christian Günther
(16951723)

* 08.04.1695 in Striegau, † 15.03.1723 in Jena

männlich, geb. Günther

deutscher Lyriker

(Aus: Wikidata.org)

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