Entzückendes Geschlecht, ihr Engel dieser Erden

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Johann Christian Günther: Entzückendes Geschlecht, ihr Engel dieser Erden Titel entspricht 1. Vers(1709)

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Entzückendes Geschlecht, ihr Engel dieser Erden,
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Durch die wir, was wir sind, ich meine Männer, werden
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Und welchen die Natur, die nichts so künstlich baut,
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Die Wafen wider uns durch Schönheit anvertraut,
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Wie, ist's euch nicht genug, daß Regung, Mund und Mienen
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Euch über unser Herz zu Siegeskränzen dienen
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Und daß ihr, wenn der Scherz aus Aug und Antliz brennt,
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Die Weisen hintergehn und Helden werfen könt?
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Gedenckt ihr auch den Ruhm, worauf wir uns befleißen,
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Durch Weißheit und Verstand noch vollends hinzureißen?
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Und wollt ihr endlich gar mit Ehrsucht und Bemühn
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Den Schmuck der Poesie uns von der Scheitel ziehn?
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Ihr steigt ja sonst nicht gern, wenn Männer folgen wollen,
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Damit nur diese nicht ein Einsehn kriegen sollen;
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Jezt aber klettert ihr am Helicon voran
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Und lacht, wenn unser Fuß nur hinckend folgen kan.
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Glaubt, fahrt ihr weiter fort, durch Wißenschaft und Lehren
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Die angebohrne List in eurer Brust zu mehren,
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So kehrt ihr ehstens gar im Musenheiligthum
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Den eingeführten Staat mitsamt der Herrschaft um.
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Da wird der Phoebus euch nur Leyren puzen müßen,
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Da wird auch, wenn ihr nun das alte Recht zerrißen,
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Der Dichter männlich Chor, geht's noch so bitter ein,
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Euch blos um Pagenlohn zur Tafel dienstbahr seyn.
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So sprach ich, als ich las, mit was vor Geist und Leben
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Die edle Brennerin den Versen Kraft gegeben;
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Ich schäzte, lobt und pries das Ufer um den Belt,
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Der so ein seltnes Licht in Norden aufgestellt.
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Apollo kam dazu und fing mich an zu schelten;
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So geht es, bracht er aus, was fremd ist, muß stets gelten.
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Du lobst dies Buch, und recht; doch hastu, wie ich seh,
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Dies, was du hier erhebst, viel beßer in der Näh:
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Besinnstu dich denn nicht auf unsre Mariane?
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Mein Tempel sehnt sich schon nach ihrer Ehrenfahne.
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Er schwieg; ich wurde roth, gerieth auf beßern Sinn
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Und warf den netten Fleiß der klugen Göttin hin.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Johann Christian Günther
(16951723)

* 08.04.1695 in Striegau, † 15.03.1723 in Jena

männlich, geb. Günther

deutscher Lyriker

(Aus: Wikidata.org)

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