Du fromm- und redliches Geblüte

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Johann Christian Günther: Du fromm- und redliches Geblüte Titel entspricht 1. Vers(1709)

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Du fromm- und redliches Geblüte,
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Es halten dich nur Kluge werth,
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Die Welt erkenne dein Gemüthe,
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Das aller Menschen Heil begehrt,
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Dein Alter geh mit jungen Kräften
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Noch höher als der Väter Ziel.
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Der blinden Göttin Gauckelspiel
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Verschone dich mit Amtsgeschäften,
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Die Ehrfurcht schaue dir und deiner stillen Ruh
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Von ihren ungewißen Spizen,
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Worauf Gefahr und Unruh sizen,
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Mit niederträchtgem Stolz und scheelen Augen zu.

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Dein Feind erwerbe Gold und Tittel
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Und lache dich in Thorheit aus,
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Die Nothdurft nehme sichre Mittel
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Und gründe dir ein eignes Haus.
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Der Friede nähre deinetwegen
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Das angenehme Sachsenland,
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Es hör einmahl der Muldenstrand
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Den Klang von deinen Lautenschlägen.
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Dein Herze brennt vor Lust, das große Rom zu sehn.
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Versprich dir würcklich dies Vergnügen,
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Die Allmacht weis es schon zu fügen
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Und läst den Ihrigen oft mehr als das geschehn.

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Und kehrstu endlich nach dem Reisen
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Wie Bienen voller Honigseim
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Mit eingenommnen Anmuthsspeisen
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In Deutschlands süße Gränzen heim,
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So würdige die edlen Linden
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Und zeuch in ihrem Schatten ein,
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Du wirst allhier bey Brodt und Wein
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Dein Paradies voll Engel finden.
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Wer wüntscht wohl Leipzig nicht? Wer nimmt wohl nicht [in Acht,
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Daß hier nur die zur Ruhe kommen,
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Die Gott, der Vater rechter Frommen,
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Aus sonderbarer Gunst schon zeitlich seelig macht.

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Die Eh ist Himmel oder Hölle,
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Nachdem uns nehmlich diese führt,
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Mit der man vor der heilgen Stelle
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Die Hände wie das Herz verschnürt.
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Geräth der Bund, so hat ein Weiser
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Die Wollust, so nur möglich ist,
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Denn wer so Lieb als Tugend küst,
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Der tauscht nicht mit dem grösten Kayser.
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Drum wehl und werbe dir der Himmel so ein Weib,
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Das Wiz und Redligkeit verbinde
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Und keinen Gram im Spiegel finde;
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Denn jenes stärckt das Herz, und dies ergözt den Leib.

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Noch etwas bitt ich von dem Wesen
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Der ewigen Unendligkeit,
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Das schon vor aller Zeiten Zeit
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Um unser Wohl besorgt gewesen:
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Es gebe deßen mächtger Wille,
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Wofern es sein Verstand erlaubt,
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Daß deines wackern Vaters Haupt
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Den Sarg mit hundert Jahren fülle.
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So wird der theure Mann, der solche Lust verdient,
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In Simeons beschneiten Haaren
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Mit Freud und Frieden weiterfahren,
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Nachdem er erst gesehn, daß noch ein Birnbaum grünt.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Johann Christian Günther
(16951723)

* 08.04.1695 in Striegau, † 15.03.1723 in Jena

männlich, geb. Günther

deutscher Lyriker

(Aus: Wikidata.org)

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