Der Phoebus hält ein großes Buch

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Johann Christian Günther: Der Phoebus hält ein großes Buch Titel entspricht 1. Vers(1709)

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Der Phoebus hält ein großes Buch,
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Das Wurm und Motte schonen müßen,
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Es kleidet sich in Purpurtuch,
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Der Demant muß es künstlich schließen,
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Die Blätter borgt es von Asbest,
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Den Brand und Glut zufrieden läst,
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Den Schnidt besprengt ein goldner Regen,
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Sein Schranck ist frisches Cedernholz
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Und prahlt nicht minder starck als stolz
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Des Kleinods und der Dauer wegen.

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In dieses pflegt der Musen Hand
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Die milden Gönner einzuschreiben,
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Die ihrer Priester harten Stand
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Aus Mitleid in die Wüsten treiben.
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Wer armen Dichtern reicht und schenckt,
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Ihr Elend kleidet, speist und tränckt,
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Der wird in dieses Buch getragen,
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Und wenn der göttliche Poet
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Der Weißheit hohes Fest begeht,
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Mit Ehr und Ruhme nachgeschlagen.

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Hier steht Mäcenas obenan,
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Hier wird Augustus abgelesen,
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Hier weiset sich der Franzen Hahn,
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Der aller Künste Schuz gewesen.
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Hier steht, hier glänzt, hier zeiget sich
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Der Preußen erster Friederich,
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Den Neukirchs Danckbarkeit vergöttert.
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Hier lebt des theuren Colberts Fleiß
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Und was man sonst vor Helden weis,
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Die Pythons Drachenkopf zerschmettert.

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Hier wird forthin, gelehrter Freund,
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Auch dein Gedächtnüß schriftlich prangen,
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Wenn alles, was der Tag bescheint,
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Sich mehr verändert als vergangen.
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Hieraus wird Fama deinen Ruhm,
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Der edlen Seelen Eigenthum,
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Mit aufgeblasnem Munde faßen
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Und solchen, wenn die späte Welt
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Noch etwas auf die Großmuth hält,
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Durch tausend Ohren fliegen laßen.

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Denn ich bin auch ein ächter Sohn,
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Den Phoebus mühsam auferzogen
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Und den der Stümper Spott und Hohn
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Um manchen guten Freund betrogen.
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Du hast dich in der Fremd erbarmt,
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Mein langes Ungemach umarmt
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Und mich mit Wohlthat aufgenommen,
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Mich, der ich als ein Musenkind,
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Davon die Sterne Zeugen sind,
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In Leipzig nackend angekommen.

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Ich küße die genoßne Treu,
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Wodurch du dein Gemüth entdeckest
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Und troz des Pöbels Raserey
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Mir Trost und Hülf entgegenstreckest.
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Du thust, soviel du kanst, genug.
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Man sagt, es soll kein Waßerschluck
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Vom Höchsten unvergeßen bleiben.
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Ich will dir noch mit dieser Hand,
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Die Noth und Angst und Ohnmacht band,
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Ein unvergleichlich Dancklied schreiben.

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Versprich dir nur gewißen Lohn,
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Was mir geschieht, das borgt der Himmel.
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Hier liegt dein Schaz, hier wächst er schon,
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Hier frißt ihn weder Dieb noch Schimmel.
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Ich weis wohl, was der scheele Neid
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Vor ungerechtes Zeter schreyt;
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Allein Gedult, in wenig Jahren
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Soll dein vor mich besorgter Geist,
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Der auch durch Creuz zur Tugend reist,
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Ein beßres Feldgeschrey erfahren.

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Zwar sprech ich kein Prophetenwort,
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Doch dies kan ich vernünftig schließen,
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Dein Fleiß ersteigt den höchsten Ort
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Und wird der Fürsten Huld genießen.
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Es eilt die Zeit, es kommt der Tag,
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Auf den ich sicher hofen mag,
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Dein Glück am Hofe groß zu schauen.
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Es weist dir schon Justinian
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Von weitem einen Ruhplaz an,
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Auf welchen Ehr und Ansehn bauen.

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Mich deucht, ich seh schon deinen Speer
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Den Stab des Regiments beschüzen,
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Ich seh ihn, deucht mich, ohngefehr
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Am heitern Firmamente blizen.
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Ich such, ich ehr, ich liebe dich,
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Gedenck auch dermahleins an mich,
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An Joseph, der gefangen lieget
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Und in dem Kercker seiner Noth
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Durch manch versauert Kummerbrodt
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Egyptens Last zu schmecken krieget.

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Du kanst schon jezo hier und dar
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Mein Wachsthum an den Gipfel bringen,
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Du kanst die weichende Gefahr
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Zu gänzlicher Entfernung zwingen.
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O thu es, wie du weist und kanst;
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Du fütterst keinen Schlangenwanst,
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Du wirst dir einen Schwan ernähren,
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Er soll, sobald er ausgekielt,
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Ja Schwing und Flügel reifer fühlt,
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Mit deinem Nachruhm aufwärts kehren.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Johann Christian Günther
(16951723)

* 08.04.1695 in Striegau, † 15.03.1723 in Jena

männlich, geb. Günther

deutscher Lyriker

(Aus: Wikidata.org)

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