Las dich, betrübter Freund, in deinem Kummer grüßen

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Johann Christian Günther: Las dich, betrübter Freund, in deinem Kummer grüßen Titel entspricht 1. Vers(1709)

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Las dich, betrübter Freund, in deinem Kummer grüßen
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Und nimm durch diesen Wuntsch so manche Tröstung an,
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Als mancher Tropfen Salz dein Auge roth gebißen,
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Seitdem dein Augentrost den lezten Blick gethan.
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Die Kette meiner Treu hat noch kein Glied verloren,
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Das Blut der Redligkeit ist wie ein schneller Fluß,
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Der von den Quellen an, die seinen Lauf gebohren,
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Bis in des Todes Meer das Ufer halten muß.
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Du hast es gute Macht, den faulen Kiel zu schelten,
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Der fast so gerne schreibt, als seine Dinte brennt.
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Jedoch es wird die Hand und nicht die Brust entgelten,
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Die ewig dir den Plaz bey seinem Herzen gönnt.
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Es mag die Heucheley die neue Welt verstellen,
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Es mag ihr Larvenkram ein reicher Handel seyn;
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Ihr übertünchtes Gift geht mir in allen Fällen
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So leicht als ein Camel den Nadelöhren ein.
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Darum so prüfe nur mein Mitleid auf dem Steine
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Der Warheit, bis der Strich von seinem Ernste zeugt,
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Und glaube, daß ich jezt nicht als ein Blöder weine,
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Dem, wenn er Thränen sieht, das Waßer aufwärts steigt.
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Das Band der Freundschaft mißt die allerlängsten Meilen
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Und macht es wie ein Seil, das man scharf ausgespannt:
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Ein Ende pflegt den Schlag dem andern mitzutheilen;
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So fühlt mein eignes Herz, was dir dein Herz entwand.
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Du siehest dir den Tod an einer schönen Leiche,
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Die in der Frühlingszeit schon auf der Baare steht,
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Und zitterst, weil der Bliz von diesem Wetterstreiche
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Durch Augen, Ohr und Herz und Marck und Beine geht.
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Die Liebe, so dich zieht, wird fast ihr selbst gehäßig
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Und wie die Niobe in einen Stein verkehrt,
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Weil ihre Seele flieht und weil der Kummereßig
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Die Perlen süßer Ruh so unverhoft verzehrt.
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Dein zärtlicher Verdruß, dein traurendes Beginnen
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Kommt mir, ich weis nicht wie, in den Gedancken vor;
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Du übernimmest dich mit so verrückten Sinnen
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Als Beßer, da sein Herz den halben Theil verlor.
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Die Bücher haben Ruh, die Hände sind verdroßen,
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Weil sie ein Donnerkeil um alle Kraft gebracht.
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Der Riegel schwarzer Gruft hält deinen Mund verschloßen,
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Da die gesalzne Fluth die Feder stumpf gemacht.
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Dein Geist, der immerdar sich aufgeweckt erwiesen,
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Verirrt sich in sich selbst und hängt den Grillen nach.
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Dein Muth, den alle Noth vor unverzagt gepriesen,
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Fiel augenblicklich hin, als ihm die Stüze brach,
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Und kein gesunder Wiz kan auch dein Leid verdencken.
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Wer deinen Groll erfährt, der grämt sich nicht zu scharf;
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Dein Hofnungsschif zerspringt an Klippen, Sand und Bäncken,
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Woran es die Gefahr des rauhen Sturmes warf.
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Du suchtest dermahleins dein Glücksschloß aufzuführen
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Und trugest nach und nach Vergnügungssteine zu.
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Es lies dein kluger Fleiß den grösten Eifer spüren;
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Denn er versprach sich schon den Hafen sichrer Ruh.
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Die schöne Margaris erhizte dein Gemüthe
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Und lockte deiner Brunst viel tausend Seufzer ab.
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Ihr Liebreiz sammlete die Flammen im Geblüte,
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Die ihr geneigter Blick dir oft zurückegab.
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Ihr Umgang war gewohnt, dein Scherzen wohl zu leiden,
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Das Salz und Zucker führt und Ohr und Geist entzückt.
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Die Zunge lechzte dir, sich auf der Brust zu weiden,
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Der noch kein fremder Grif die Lilgen abgepflückt.
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Jezt, da der Himmel selbst dein Nebenbuhler worden
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Und ihre kalte Hand den Korb gezwungen giebt,
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Trittstu in Wittwerstand, sie in der Engel Orden,
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Der sie noch heftiger als deine Regung liebt.
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Ach, welchen Wolckenbruch wird nicht dein Auge schütten,
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Wenn es den süßen Rest des leeren Kleides sieht,
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In dem ein Leib gewohnt, der an Verstand und Sitten
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Nicht minder als an dem, was Schönheit heist, geblüht.
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Der Bißen wird dir stets im Halse steckenbleiben,
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Wenn ihre Gegenwart nicht mehr bey Tische sizt.
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Ihr Angedencken wird dir zwar die Zeit vertreiben,
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Ach aber, durch ein Spiel, bey dem die Seele schwizt.
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Du traurest nicht allein und hast viel Mitgesellen
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In dieser Leidenschaft, so dir die Wangen wäscht.
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Der Amor hängt den Kopf, sizt auf den Kirchhofsschwellen
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Und kehrt die Fackel um, die er mit Thränen löscht.
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Cythere schleyert sich in eine schwarze Binde
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Und schenckt den Gratien den Flor betrübter Tracht,
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Ihr Seufzen übergiebt den Jammer jedem Winde,
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Der ihn auf diesen Tag mir kläglich zugebracht.
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Jezt, schreyt sie, ärgert mich das Vorrecht großer Götter,
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Wodurch ich leben muß, da meine M(enckin) stirbt.
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Ach, wär ich doch ein Mensch, so schlüge mich das Wetter
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Nach meinem Wuntsche todt, der keinen Tod erwirbt,
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Dies ungemeine Kind verwelcket in dem Lenze
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Des Alters, das man noch kein Alter nennen kan.
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Der Riß erduldet nicht, daß ihn ein Trost ergänze,
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Hier kommt es nun auf nichts als die Verzweiflung an.
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Die edle Lindenstadt zieht viel berühmte Töchter;
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Doch keine lebet mehr, die ihr das Waßer reicht.
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Ich zog sie prächtig auf, mein Auge war ihr Wächter,
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Jezt krieg ich meinen Lohn, da sie so früh erbleicht.
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Die Farben gab ich ihr von meinen eignen Gliedern,
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Ihr Antliz war ein Thron der holden Majestät,
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Ihr wohlbedachtes Wort klang nach den Anmuthsliedern,
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Die eine Nachtigall aus ihrer Kehle dreht.
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Ihr abgereifter Wiz beschämte tausend Frauen,
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Die an Gebehrden jung, im Reden Kinder sind.
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Die Jugend war an nichts als der Gestalt zu schauen,
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Die in dem Sarge noch der Schönsten abgewinnt.
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Die Demuth gieng mit ihr in einem gleichen Paare.
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Die Warheit fällt daher der Meynung zu und bey,
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Daß, wer sie nicht gesehn, von nun an nie erfahre,
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Was die Bescheidenheit vor eine Tugend sey.
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Verhängnüß, rechne nun dies alles wohl zusammen
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Und überschlag den Schaz, den mir dein Eifer stiehlt.
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Womit verdien ich denn den Zorn von solchen Flammen,
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Der seine Schwefelglut in meinem Blute kühlt?
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O ungerechter Schlag, der Rosenstöck entblößet
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Und einen Dornenbusch mit Frieden wachsen läst,
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Der alter Weiden schont und Cedern niederstößet,
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Die Reifen übergeht und nur die Sauren preßt.
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Kommt, kommt, verwaistes Volck, ihr Nymphen an der Pleiße,
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Kommt, sammelt, pflückt und brecht die Blumenkörbe voll,
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Damit der Flora Schmuck den edlen Leib beschmeiße,
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Der viel zu kostbar ist, als daß er modern soll.
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Hier schlummert euer Ruhm, hier lieget eure Crone,
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Die nun, betrübter Schmuck, der Leichenstein versezt.
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Man sage nun nicht mehr, daß ich in Paphos wohne,
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Hier, hier steht mein Pallast, den man vor höher schäzt.
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Kommt, lagert euch herum, und helft mir brünstig weinen,
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Bis das erwärmte Grab in unsrer Wehmuth schwimmt,
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Grämt euch den Purpur ab, bis wir so bleich erscheinen
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Als dieses Leichentuch, das eure Schwester nimmt.
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So hohl bestürzter H(ahn), so bangsam klingt die Glocke,
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An die die Venus jezt mit ihrer Zunge schlägt,
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Und ich empfind es starck, daß mir die Feder stocke,
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Da mir der Widerschall die leichte Faust bewegt.
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Nun hebe noch einmahl, und zwar zu guter Lezte,
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Des Sarges Deckel auf, in dem dein Glücke liegt.
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Betrachte doch den Mund, der auch den Feind ergözte,
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Wie ihm des Todes Schnee die Rosenblätter biegt!
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Schau den gestreckten Arm, der dir so bald entfallen,
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Und küße noch das Eiß, von dem die Hand gefriert!
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Dir müßen Herz und Geist und Blut und Adern wallen,
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Wenn du dabey gedenckst, was deine Brust verliert.
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Dies ist der Myrthenkranz, dies ist das Hochzeitbette,
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In welchem sich der Tod der Jungferschaft vermehlt.
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Hier, hier versinckt der Schaz, der dich bereichert hätte,
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Wenn ihn die Schickung nicht dem Himmel zugezehlt.
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Beweine, werther Freund, beweine deine Liebe,
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Wer glücklich weinen kan, der braucht der Tröster nicht.
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Nein, nein, bescheide dich und hemme solche Triebe,
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Weil nicht zu ändern steht, was das Verhängnüß spricht.
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Sie stirbt dir jezt nur halb und noch nicht an der Seite,
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Dies lindert gröstentheils den Schmerz verliebter Brust.
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Wie müstestu denn thun, wenn sie ein andrer freyte
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Und wenn du nichts von ihr noch ihrer Gunst gewust?
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Las deine Großmuth jezt ein Wunderwerck beweisen,
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Nimm dich zum Tröster an, durchforsche deinen Geist,
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Wie weit er fähig sey, der Klugheit nachzureisen,
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Die uns in Freud und Leid die Mittelstraße weist.
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Was klagstu, daß ihr Fuß so zeitig weggegangen,
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Da nichts bequemer ist, als um die Morgenzeit
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Die schönste Reise thun? Verblühn die vollen Wangen,
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So tragen sie die Frucht der Unvergängligkeit.
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Den Freunden muß ein Freund mehr als sich selber gönnen;
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Wo deine Liebe nun von ächtem Zunder glimmt,
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So wird dich nimmermehr ihr Tod betrüben können,
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Der, ob gleich du verlierst, ihr viel Gewinn bestimmt.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Johann Christian Günther
(16951723)

* 08.04.1695 in Striegau, † 15.03.1723 in Jena

männlich, geb. Günther

deutscher Lyriker

(Aus: Wikidata.org)

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