Die Einfalt paaret sich mit meiner Redligkeit

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Johann Christian Günther: Die Einfalt paaret sich mit meiner Redligkeit Titel entspricht 1. Vers(1709)

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Die Einfalt paaret sich mit meiner Redligkeit,
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Die jezt, mein Vater, dir ein schlechtes Opfer weiht.
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Nimm mit geneigter Hand den Erstling meiner Lieder
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Vor deine Vatertreu von meiner Unschuld wieder!
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Du siehst das gute Herz, du kennest meinen Sinn,
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Ich aber weis auch dies, daß ich dein Schuldner bin,
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Und würde, könt ich gleich dein Bild in Marmor graben,
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Dir doch das wenigste dadurch vergolten haben.
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Das Leben, welches ich nechst Gott von dir empfing,
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Die Boßheit, der mein Fuß durch deinen Fleiß entgieng,
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Sind Ursach, daß mein Geist die Warheit angenommen:
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Im Lieben weis kein Kind den Eltern beyzukommen.
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Wie manchen Sommertag, wie manche Winternacht
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Hat meine Kindheit dir betrübt und schwer gemacht!
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Kein Tropfen saurer Schweiß, der oft so unverdroßen
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Bey überhäufter Müh mir auf das Buch gefloßen,
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Gereute deinen Mund, wenn ich zur Seiten saß,
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Und meinen . . . . . . . . den goldnen Maro las.
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Ach Vater, Vater ach, ich wüntschte deine Lehren
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Anjezo wie zuvor mit Wollust anzuhören.
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Der Kern der Gottesfurcht, den du mir eingeprägt,
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Hat mir den rechten Grund des Christenthums gelegt,
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Und deine Wachsamkeit war früh und spät beflißen,
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Die Weißheit und ihr Oel mir in das Herz zu gießen.
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Was der Befehl gebaut, reißt oft der Wandel ein.
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Der Eltern Boßheit pflegt der Kinder Spiel zu seyn,
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Die sich das wilde Fleisch zum Bösen führen laßen
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Und hundert Laster eh als eine Tugend faßen.
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Weil deinen Worten nun die That zu Hülfe kam
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Und Lehr und Leben stets mit in die Schule nahm,
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So will der Zweifel sich mit meiner Beßrung zancken,
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Wem doch von beiden ich mein Wohlergehn zu dancken.
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Mein Vater, glaube nicht, daß mir die Schmeicheley
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Zu dieser treuen Schrift den falschen Kiel verleih;
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Der Himmel zeuget mir, daß mich die reine Liebe
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Vor dich zur Danckbarkeit durch Fluth und Feuer triebe.
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Der Seegen breite sich auf dich und unser Haus
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So wie ein Feigenbaum in Jacobs Erbtheil aus
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Und laße dich so viel vergnügter Jahre zehlen,
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Als Stunden mir noch jezt zu Nestors Alter fehlen.
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Ich küße dir nunmehr die wohlbetagte Hand,
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Die mir in Lieb und Ernst die erste Ruthe band,
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Sie hat mich in der Furcht des Höchsten auferzogen,
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Daß mich die Eitelkeit durch keinen Schein betrogen.
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So lange dir und mir die Augen ofen stehn,
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So lange soll dein Lob mir von der Zunge gehn;
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Wird endlich mich der Tod aus dieser Welt verweisen,
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So will ich deinen Fleiß vor jenem Richter preisen.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Johann Christian Günther
(16951723)

* 08.04.1695 in Striegau, † 15.03.1723 in Jena

männlich, geb. Günther

deutscher Lyriker

(Aus: Wikidata.org)

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