Wenn dir, Hochwertheste, ein kindliches Vertrauen

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Johann Christian Günther: Wenn dir, Hochwertheste, ein kindliches Vertrauen Titel entspricht 1. Vers(1709)

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Wenn dir, Hochwertheste, ein kindliches Vertrauen
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Zu deiner Muttertreu lieb und erfreulich ist,
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So las den kleinen Sohn, der dir die Hände küst,
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Die Größe reicher Huld an diesem Tage schauen.
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Nimm mit geneigter Hand den schlecht- und armen Zoll
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Und las dies dürre Blat aus deinen holden Augen
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Die Anmuth, so ihm fehlt, anstatt der Dinte saugen!
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Vielleicht macht dieser Thau die hohlen Nelcken voll.

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Der Abend dämpft bereits des Mittags Last und Hize.
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Ich komme ziemlich spät, doch langsam nährt sich auch;
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Du weist es schon vorhin, ich habe den Gebrauch,
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Daß ich gar selten viel aus Übereilung schwize.
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Die Kindheit überdies entschuldigt meine Pflicht,
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Die das erfreute Fest, so deinen Nahmen borget,
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Nicht eher durch den Reim, der dennoch schnarrt, versorget,
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Weil mir die rechte Kraft zur Poesie gebricht.

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Was aber sollt ich dir zum Angebinde kaufen,
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Da ich ein Petrus bin, dem Gold und Silber fehlt?
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Wer von Salat und Obst die Finger müde zehlt,
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Der kan vor den Gewinn gar leicht zum Koche laufen.
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Die Kräuter bringen mir nicht einen Heller ein,
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Und könt ich einen Marckt von Kirschengut bestellen,
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So würden sicherlich mir anderthalb Florellen
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So wenig als ein Quart ans Herz gebunden seyn.

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Jedoch ein Stoßgebeth, ein Seufzer, eine Thräne,
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Die vor dein Wohlergehn von mir gen Himmel steigt,
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Gilt mehr als rotes Erz, weil es den Seegen zeigt,
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Dem ich durch meinen Wuntsch den Weg zur Ankunft bähne.
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Gott, deiner Väter Gott, steh deinem Creuze bey,
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Er mindre seine Last und mehre dir die Jahre,
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Damit des Alters Schmuck, das Silber grauer Haare,
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Dereinst um deinen Schlaf der Ehrfurcht heilig sey!

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Dein Garthen baue dir ein Paradies auf Erden,
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In welchem jeder Baum Vergnügungsfrüchte trägt,
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Die keines Unfalls Wind von ihren Zweigen schlägt,
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Bis sie von Glücke reich, von Wollust mürbe werden.
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Trinckt manchmahl Gottes Hand dir einen Creuzkelch zu,
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So misch ein Engel dir stets Zucker in die Myrrhen,
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Und mustu deinen Fuß zur lezten Reise schirren,
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So bringe Canaan den müden Leib zur Ruh!

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Johann Christian Günther
(16951723)

* 08.04.1695 in Striegau, † 15.03.1723 in Jena

männlich, geb. Günther

deutscher Lyriker

(Aus: Wikidata.org)

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