O Göttin, die du in der Welt

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Johann Christian Günther: O Göttin, die du in der Welt Titel entspricht 1. Vers(1709)

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O Göttin, die du in der Welt
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Die meisten Wüntsche kriegst und zeugest,
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An Nachdruck Warheit, Lieb und Geld,
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An Lust die Hofnung übersteigest,
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Du, deren Huld der Klügsten List
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So angenehm als nöthig ist,
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Wo soll ich deinen Tempel finden?
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Wo steht dein Bild, wo raucht dein Herd,
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Dir, wenn man Hülf und Trost begehrt,
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Ein kräftig Opfer anzuzünden?

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Ich kenn und ehre deine Macht,
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Sie trozt Gefahr, Vernunft und Stärcke,
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Sie leitet uns durch Fall und Nacht
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Und thut verliebte Wunderwercke;
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Sie stürzt und mehrt der Reiche Staat,
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Ihr Wort kommt mit in Kriegesrath
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Und hat den Rang in allen Fällen;
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Sie macht auch Sclaven endlich frey
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Und spricht gar oft zur Tyranney:
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Hier lege deine stolze Wellen.

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Was kan wohl Größres als Eugen
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Den Nachruhm unsrer Zeit erheben?
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Und gleichwohl wird der Held gestehn,
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Dein Vorschub hab ihm Glanz gegeben.
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Mit was vor Sorgfalt, Müh und Kunst
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Bedient er sich nicht deiner Gunst
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Zu Franckreichs Hohn und Stambols Falle!
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Er zieht, er schlägt, er siegt durch dich;
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Cremona schämt sich ewiglich,
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Dies seltne Beyspiel steht vor alle.

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Nun, mächtige Gelegenheit,
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Nun komm und gieb mir holde Mienen;
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Du wirst dir von der Danckbarkeit
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Manch hohes Ehrenlied verdienen.
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Du hast dich mich, so lang ich bin,
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Aus Eifer oder Eigensinn
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Oft sehn, doch niemahls halten laßen.
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So nah mir auch dein flüchtig Haar
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In Dresden und in B[reßlau] war,
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So schamroth kriegt ich Wind zu faßen.

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Ich zürne, wenn der Pöbel spricht,
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Du seyst die Mutter aller Diebe;
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Nur teusche mich vor diesmahl nicht
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Und thu mir einmahl was zu Liebe.
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Du solt, wo nicht in Gold und Stein,
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Davor in Wachs mein Hausgott seyn.
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Ich bitte ja nicht hohe Sachen.
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Was denn? Um Mittel, jeden Feind,
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Der jezt mein ärgstes Unglück meint,
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Durch Hülf und Wohlthun fromm zu machen.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Johann Christian Günther
(16951723)

* 08.04.1695 in Striegau, † 15.03.1723 in Jena

männlich, geb. Günther

deutscher Lyriker

(Aus: Wikidata.org)

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