Crönt der Ausgang die Gedult

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Johann Christian Günther: Crönt der Ausgang die Gedult Titel entspricht 1. Vers(1709)

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Crönt der Ausgang die Gedult,
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Bricht die Hofnung endlich Rosen,
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So gedenck ich stets der Huld
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Meines Gottes liebzukosen,
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Ob sein Trost gleich oft verzieht
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Und das Glücke langsam blüht.

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Christen sind darzu versehn,
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Daß sie sich im Warthen üben
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Und auch unter Creuz und Flehn
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Die getreue Prüfung lieben,
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Die nach mancher finstern Nacht
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Ihren Morgen heller macht.

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Geht man doch nach Canaan
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Erst durch Umschweif zum Vergnügen;
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Wer mit Großmuth streiten kan,
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Wird mit größrer Ehre siegen,
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Und zum Tempel süßer Ruh
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Geht man stets geradezu.

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Vor dem Winter blüht kein May,
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Ohne Kummer keine Freude;
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Die Gelaßenheit macht frey
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Und erquickt uns nach dem Leide,
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Wie der Regen und der West
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Dürre Saaten wachsen läst.

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Seele schweig und murre nicht
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Wie die Völcker in der Wüsten,
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Die vor Moses Angesicht
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Endlich ihren Frevel büßten;
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Denn durch solchen Unverstand
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Kommt man ums gelobte Land.

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Traurig vor der tummen Welt
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Und doch fröhlich im Gemüthe!
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Wer den Glauben fest behält,
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Merckt im Schlagen Gottes Güte
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Und ergözt sich fort und fort
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Durch des Höchsten wahres Wort.

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Unser Leben bringt's so mit:
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Abends Gram und morgens Lachen;
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Der, so gestern schmerzlich lidt,
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Kan sich heute lustig machen.
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Wird nicht jeder Wuntsch erfüllt,
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Gnug, wenn nur der beste gilt.

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Daß der beste gelten muß,
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Kan Vernunft und Schrift beweisen;
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Darum will ich stets den Schluß
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Meines höchsten Vaters preisen,
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Der bey allem, was er schickt,
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Auf der Kinder Wohlseyn blickt.

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Niemand lebt wohl ohne Feind,
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Keiner kan der Misgunst weichen;
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Wer uns noch so redlich scheint,
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Kan uns oft mit List beschleichen,
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Und des Undancks Spott und Hohn
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Giebt vor Wohlthat schlimmen Lohn.

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Immerhin, ich leid es gern
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Und bin in mir selbst zufrieden;
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Untreu schlägt den eignen Herrn.
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Was mir Glück und Gott beschieden,
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Kommt mir dennoch nie zu spät,
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Ob sich's noch so artig dreht.

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Thoren mehren sich die Last
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Durch ein unruhvolles Sehnen;
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Wer den Hofnungsancker fast,
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Der lacht allzeit auch durch Thränen
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Und erlangt durch Meer und Nord
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Ohne Fluch den Seegensport.

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Zürnt der Neid mit meiner Lust,
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Dieses las ich mich nicht irren;
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Meine stets vergnügte Brust
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Soll kein heimlich Weh verwirren.
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Und so heist's auch jederzeit:
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Fröhlich in der Traurigkeit.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Johann Christian Günther
(16951723)

* 08.04.1695 in Striegau, † 15.03.1723 in Jena

männlich, geb. Günther

deutscher Lyriker

(Aus: Wikidata.org)

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