Herr, glaube mir und meinem Glauben

Bitte prüfe den Text zunächst selbst auf Auffälligkeiten und nutze erst dann die Funktionen!

Wähle rechts unter „Einstellungen“ aus, welcher Aspekt untersucht werden soll. Unter dem Text findest du eine Erklärung zu dem ausgewählten Aspekt. Nicht jede Anmerkung ist für die Analyse gehaltvoll.

Johann Christian Günther: Herr, glaube mir und meinem Glauben Titel entspricht 1. Vers(1709)

1
Herr, glaube mir und meinem Glauben,
2
Der dich allein verehrt und kennt
3
Und wider Satans Zorn und Schnauben
4
Durch deine Kraft im Stillen brennt:
5
Du bist, was in der großen Welt
6
Mir einzig und allein gefällt.

7
Ich seh die Wercke deiner Hände,
8
Sie sind vollkommen, schön und gut.
9
Die Ordnung all- und jeder Stände
10
Beweist, was deine Vorsicht thut,
11
Durch welche warlich nichts geschieht,
12
Als was uns Lust und Vortheil zieht.

13
Du hast die Erde fest gegründet
14
Und lauter Wunder dargestellt,
15
So daß sich auch kein Stäubchen findet,
16
Aus welchem nicht dein Bild erhellt,
17
Ein Bild von deiner Güt und Macht,
18
Die nichts umsonst hervorgebracht.

19
Dein Himmel hat noch größre Schäze
20
Und Wollust sonder Eitelkeit,
21
Die die Erlösung vom Geseze
22
Dem Glauben schon in Hofnung beuth.
23
O unausprechlicher Genuß
24
Von Freuden und von Überfluß!

25
Doch zeigt der Himmel und die Erde
26
Mir keine Lust so reizend an,
27
Als wenn ich dir vereinigt werde
28
Und deiner Huld genießen kan,
29
Weil da, wo du, o Gott, nicht bist,
30
Der Himmel selbst kein Himmel ist.

31
Verstoß mich, wenn du wilst, zur Höllen;
32
Die Liebe, so mich dir vermehlt,
33
Versüßt des Feuers Schmerzensquellen,
34
Das blos den bösen Willen quält;
35
Erlaubstu mir dein Angesicht,
36
So fühl ich die Verdammnüß nicht.

37
Der Rache Bliz schlägt ins Gewißen,
38
Die Sünden überdecken mich,
39
Die Seele schreyt von stummen Bißen
40
Und kämpft bald vor, bald wider sich,
41
Der Mund verdorrt, die Zunge klebt,
42
Weil Marck und Bein vor Schröcken bebt.

43
Dies nennt ein Weltkind Höllenschmerzen,
44
Ich aber nenn es Seeligkeit;
45
Denn du, o Herr, gewährst dem Herzen
46
Die zärtlichste Gelaßenheit
47
Und wirfst der innerlichen Ruh
48
Durch Qual und Trost viel Nachdruck zu.

49
Vom Glücke werd ich nur vergebens
50
Mit Lust gelockt, mit Zorn erschröckt;
51
Denn wer die Kräfte jenes Lebens
52
Wie ich in deiner Liebe schmeckt,
53
Der hat sein unvergänglich Heil.
54
Was will ich mehr? Der Herr mein Theil.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

Einstellungen

    Text teilen & herunterladen

    PDF-Export

    Arbeitsblatt zur Interpretation herunterladen

  • Äußere Form

  • Sprachlich-inhaltliche Analyse

  • Voller Zugriff auf Textopus

    • Interaktive Analyse von über 65.000 Gedichten und über 700 Dramen

    • Zugriff auf mehr als 400 Rezitationen und hilfreiche Epochenübersichten

    • Mit Aufdeckfunktion zum Selbstlernen von Stilmitteln, Kadenzen, Metrum u. v. m.

    Textopus App

    Textopus-App

    € 4,99/Jahr
    In-App-Kauf
    Apple App StoreGoogle Play Store
    Klett Digitale Unterrichtsassistenten

    Für Lehrkräfte

    Kostenlos in ausgewählten Digitalen Unterrichtsassistenten der Deutsch-Lehrwerke des Ernst Klett Verlags
    Deutsch kompetent

Johann Christian Günther
(16951723)

* 08.04.1695 in Striegau, † 15.03.1723 in Jena

männlich, geb. Günther

deutscher Lyriker

(Aus: Wikidata.org)

Textopus kann Fehler machen. Überprüfe die Informationen. Teils KI-gestützt. Siehe Hinweise zur möglichen Fehleranfälligkeit.