Gute Nacht, ihr liebsten Brüder!

Bitte prüfe den Text zunächst selbst auf Auffälligkeiten und nutze erst dann die Funktionen!

Wähle rechts unter „Einstellungen“ aus, welcher Aspekt untersucht werden soll. Unter dem Text findest du eine Erklärung zu dem ausgewählten Aspekt. Nicht jede Anmerkung ist für die Analyse gehaltvoll.

Johann Christian Günther: Gute Nacht, ihr liebsten Brüder! Titel entspricht 1. Vers(1709)

1
Gute Nacht, ihr liebsten Brüder!
2
Das Verhängnüß trennt uns wieder
3
Und vergällt uns manche Nacht,
4
Die wir freudig zugebracht,
5
Wenn die Weißheit nebst den Musen
6
Und auch, wie es manchmahl kam,
7
. . . . allgemeiner Busen
8
Aller Grillen Macht benahm.

9
Denckt an diesen guten Winter,
10
Da euch der verfolgte Günther
11
Erstlich auf die Spur gelenckt,
12
Die mit edler Wollust tränckt;
13
Denckt an meine treue Lehren
14
Von Verstand und Wißenschaft,
15
Denckt auch nicht allein ans Hören,
16
Sondern bringt sie selbst zur Kraft.

17
Gott und Glücke weis, wie lange,
18
Wo, wie weit, wie froh, wie bange
19
Mein herumgezogner Fuß
20
Noch den Ruhplaz suchen muß.
21
O wie manches Schnein und Regnen,
22
O wie mancher saurer Wind
23
Werden mir noch wohl begegnen,
24
Eh mein Fleiß die Frucht empfindt!

25
Wüntscht mir weiter nichts auf Erden,
26
Als nur wohl geprüft zu werden
27
Bey der Noth nicht eigner Schuld,
28
In dem Kummer stets Gedult.
29
Ich bin allemahl zufrieden,
30
Wie es auch die Vorsicht schickt;
31
Lebt ich nicht von euch geschieden,
32
Lebt ich ganz und gar beglückt.

33
Hört ihr meinen Tod berichten,
34
O so klagt und weint mit nichten!
35
Last es euch vielmehr erfreun,
36
Dadurch scharf erweckt zu seyn,
37
Daß ihr dieses kurze Leben
38
Desto beßer brauchen lernt
39
Und durch eifriges Bestreben
40
Euch dem Pöbel bald entfernt.

41
Seh ich jezt mit naßem Blicke
42
So betrübt wie der zurücke,
43
Dem sich dort das Paradies
44
Kläglich auf dem Rücken wies,
45
Zähm ich doch die weichen Triebe
46
Durch Gewohnheit und Verstand;
47
Wo ich mich in Künsten übe,
48
Da, da ist mein Vaterland.

49
Gute Nacht, ihr Berg und Tiefen,
50
Wo wir oft dem Tage riefen,
51
Der uns einmahl weißheitsvoll
52
Außer Landes crönen soll.
53
Hört auch: Haltet meine Brüder
54
Nicht zu lange nach mir auf;
55
Schickt ihr mir die drey nicht wieder,
56
Leg ich schon den Fluch darauf.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

Einstellungen

    Text teilen & herunterladen

    PDF-Export

    Arbeitsblatt zur Interpretation herunterladen

  • Äußere Form

  • Sprachlich-inhaltliche Analyse

  • Voller Zugriff auf Textopus

    • Interaktive Analyse von über 65.000 Gedichten und über 700 Dramen

    • Zugriff auf mehr als 400 Rezitationen und hilfreiche Epochenübersichten

    • Mit Aufdeckfunktion zum Selbstlernen von Stilmitteln, Kadenzen, Metrum u. v. m.

    Textopus App

    Textopus-App

    € 4,99/Jahr
    In-App-Kauf
    Apple App StoreGoogle Play Store
    Klett Digitale Unterrichtsassistenten

    Für Lehrkräfte

    Kostenlos in ausgewählten Digitalen Unterrichtsassistenten der Deutsch-Lehrwerke des Ernst Klett Verlags
    Deutsch kompetent

Johann Christian Günther
(16951723)

* 08.04.1695 in Striegau, † 15.03.1723 in Jena

männlich, geb. Günther

deutscher Lyriker

(Aus: Wikidata.org)

Textopus kann Fehler machen. Überprüfe die Informationen. Teils KI-gestützt. Siehe Hinweise zur möglichen Fehleranfälligkeit.