O las dich doch nur nicht die kleine Müh verdrießen

Bitte prüfe den Text zunächst selbst auf Auffälligkeiten und nutze erst dann die Funktionen!

Wähle rechts unter „Einstellungen“ aus, welcher Aspekt untersucht werden soll. Unter dem Text findest du eine Erklärung zu dem ausgewählten Aspekt. Nicht jede Anmerkung ist für die Analyse gehaltvoll.

Johann Christian Günther: O las dich doch nur nicht die kleine Müh verdrießen Titel entspricht 1. Vers(1709)

1
O las dich doch nur nicht die kleine Müh verdrießen;
2
Die Zeilen, so von mir durch deine Feder fließen,
3
Verhindern den Begrif der allzuschweren Noth.
4
Sonst kan ich doch nichts thun als Klagelieder schreiben,
5
Und sonsten stillt mich auch kein ander Zeitvertreiben,
6
Es wäre denn der Tod.

7
Ich bin schon reif dazu, sowohl an Creuz als Jahren,
8
Und kaum der zehnte Greiß kan so viel Müh erfahren,
9
Als mir schon um den Lenz des Lebens Haß gebiehrt.
10
Ich leugne nicht die Schuld der oft verdienten Schläge;
11
Jedoch wo lebt ein Mensch, den auf dem Tugendwege
12
Nicht Fleisch und Blut verführt?

13
Ein jeder, heist's, vermag sein Glücke selbst zu machen;
14
Wer Welt und Ursprung kennt, der wird des Sprichworts lachen.
15
Die Ordnung der Natur sezt jedem Maas und Zeit,
16
Sie lenckt Gemüth und Herz so wie Verstand und Wollen
17
Und macht, wenn Glück und Fall das Schauspiel ändern sollen,
18
Der Sitten Unterscheid.

19
Drum, Thoren, hört doch auf, mein Leben zu verhöhnen;
20
Ich such an mir ja nicht die Fehler zu beschönen,
21
Sie bleiben, was sie sind, an allen wie an mir.
22
Nur dies verlangt mein Herz: Ihr sollt nicht spöttisch richten
23
Und über meinen Schmerz ein höhnisch Liedchen dichten;
24
Ich bin ein Mensch wie ihr.

25
Mein Hofen hat nunmehr nicht einen Funcken Zunder,
26
Und was mich retten soll, das braucht kein schlechtes Wunder;
27
Hier ist kein Weg zur Flucht, es sey denn aus der Welt.
28
Wer noch was ändern kann, der mag die Großmuth nüzen;
29
Sind Arm und Hände weg, den Cörper zu beschüzen,
30
So gilt nunmehr kein Held.

31
Ich weiche vor der Last der eußersten Beschwerden
32
Und müh mich auch nicht mehr um Mittel los zu werden,
33
Indem ich wie ein Schif mir selbst gefehrlich bin.
34
So wirft ein Steuermann, weil Mast und Ancker springet
35
Und Salz und Schaum bereits durch tausend Spalten dringet,
36
Compaß und Hofnung hin.

37
Verübelt mir mein Freund die Zagheit blöder Sinnen,
38
So such er einen Trost, mein Herze zu gewinnen;
39
Die Unruh, so es fühlt, ist fast nicht auszustehn.
40
Ich wäre seiner Kunst ich weis nicht was verbunden,
41
Beredt er mich nur dies von diesen bösen Stunden:
42
Sie werden auch vergehn.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

Einstellungen

    Text teilen & herunterladen

    PDF-Export

    Arbeitsblatt zur Interpretation herunterladen

  • Äußere Form

  • Sprachlich-inhaltliche Analyse

  • Voller Zugriff auf Textopus

    • Interaktive Analyse von über 65.000 Gedichten und über 700 Dramen

    • Zugriff auf mehr als 400 Rezitationen und hilfreiche Epochenübersichten

    • Mit Aufdeckfunktion zum Selbstlernen von Stilmitteln, Kadenzen, Metrum u. v. m.

    Textopus App

    Textopus-App

    € 4,99/Jahr
    In-App-Kauf
    Apple App StoreGoogle Play Store
    Klett Digitale Unterrichtsassistenten

    Für Lehrkräfte

    Kostenlos in ausgewählten Digitalen Unterrichtsassistenten der Deutsch-Lehrwerke des Ernst Klett Verlags
    Deutsch kompetent

Johann Christian Günther
(16951723)

* 08.04.1695 in Striegau, † 15.03.1723 in Jena

männlich, geb. Günther

deutscher Lyriker

(Aus: Wikidata.org)

Textopus kann Fehler machen. Überprüfe die Informationen. Teils KI-gestützt. Siehe Hinweise zur möglichen Fehleranfälligkeit.