Gott Lob, ich merck es innerlich

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Johann Christian Günther: Gott Lob, ich merck es innerlich Titel entspricht 1. Vers(1709)

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Gott Lob, ich merck es innerlich,
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Des Höchsten Eifer lindert sich,
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Es raft sich mein bedrängtes Herze;
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Und sieht es gleich noch nicht woher.
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So meint's doch mitten in dem Schmerze,
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Als wenn gleichwohl ein Hang zur Hofnung übrig wär.

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Was war das nicht vor Bangigkeit!
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Durch meine ganze Lebenszeit
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Befind ich nichts von ihres gleichen;
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Kein Zuspruch konte meinen Gram,
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Kein Trost den Eigensinn erweichen,
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Der immer von sich selbst mehr Kraft und Nahrung nahm.

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Ach, allerliebster Herzensfreund,
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Bey dem mein Elend größer scheint,
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Indem du in Gesellschaft leidest,
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Ach glaube, daß die große Treu,
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Wodurch du dich in Noth bescheidest,
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Mir noch die lezte Lust zu diesem Leben sey.

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So sehnlich ein noch zartes Kind
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Auf Brüste, Milch und Docken sinnt,
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So sehnlich brennt auch mein Verlangen,
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Dich einmahl in vergnügter Zeit
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Und in dem Alter zu umfangen,
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Wo viel Erinnerung vergangner Noth erfreut.

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Die Welt soll kein Exempel sehn,
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Das wohl auch so noch nicht geschehn,
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Das unsrer Treu die Palmen raube.
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Die Frauenbrunst würckt sonderlich;
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Doch bistu Jonathan, so glaube,
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Dein David fühlt sie auch, doch überhaupt vor dich.

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Es mag uns ein Prophetengeist,
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So klug und weis er immer heist,
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Auf Erden wenig Guts versprechen,
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Wir wollen durch Vernunft und Fleiß
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Die Schlüße böser Schickung brechen;
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Ich troze drauf, weil Gott den frommen Vorsaz weis.

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Du siehst allhier, der Abendthau
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Macht Gräser, Laub und Kräuter grau
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Und stärckt sie nach der Mittagshize:
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Ach, lerne Trost, und klage nicht,
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Daß unser Herz zu lange schwize;
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Wer weis, wo uns ein Quell auch aus dem Felsen bricht!

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Das schön- und wundervolle Licht
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Entführt uns jezt sein Angesicht
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Und denckt gleichwohl aufs Wiederkommen;
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Es bringt auch sein verjüngter Schritt
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Dies, was es uns anjezt genommen,
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Glanz, Farben, Wärm und Lust vielleicht noch reicher mit.

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Es darf dich kein Verlust gereun;
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Die Zukunft wird des Glückes Schein
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Mit reichem Wucher wiedersenden.
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Wir kehren wieder in die Stadt
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Zur alten Noth mit leeren Händen;
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Jedoch wer weis, wo Gott vor uns gesorget hat!

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Johann Christian Günther
(16951723)

* 08.04.1695 in Striegau, † 15.03.1723 in Jena

männlich, geb. Günther

deutscher Lyriker

(Aus: Wikidata.org)

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