Man muß doch mit den Wölfen heulen

Bitte prüfe den Text zunächst selbst auf Auffälligkeiten und nutze erst dann die Funktionen!

Wähle rechts unter „Einstellungen“ aus, welcher Aspekt untersucht werden soll. Unter dem Text findest du eine Erklärung zu dem ausgewählten Aspekt. Nicht jede Anmerkung ist für die Analyse gehaltvoll.

Johann Christian Günther: Man muß doch mit den Wölfen heulen Titel entspricht 1. Vers(1709)

1
Man muß doch mit den Wölfen heulen,
2
Drum fort, bethörter Eigensinn!
3
Ich will mich in die Leute theilen
4
Und lachen, wie und wo ich bin.
5
Ein Sauertopf mag immer schelten
6
Und unsre Zeit dem Satan weihn,
7
Denn untersucht er tausend Welten,
8
Wird keine sonder Mangel seyn.

9
Das ist wohl wahr: es giebt viel Thoren.
10
Das macht, sie wachsen ungesät,
11
Und wer nicht schiert, der wird geschoren,
12
So bald er nur den Rücken dreht.
13
Aus Complimenten und Flattiren
14
Erkennt man den Politicum,
15
Will einer nun nicht Hunde führen,
16
So kehr er stets den Mantel um.

17
Bey Höfen sinnt man nur auf Mittel,
18
Einander klug zu hintergehn;
19
Der flickt fast stündlich an dem Tittel,
20
Der lehrt die Hörner zierlich stehn,
21
Der Dritte wird bey Wild und Jagen
22
Durch viel Beschwerde selbst zum Vieh,
23
Und kömmt ein Unterthan zum Klagen,
24
So sp(uckt) der Fünfte vor das Knie,

25
In Städten steht es nicht viel beßer,
26
Da herrschen Schwelgerey und Neid,
27
Man schneidet mit dem großen Meßer
28
Dem Nechsten in sein Ehrenkleid;
29
Wer uns von vorne grüßt und lecket,
30
Der spuckt uns über Achseln nach,
31
Und wer sich nach der Decke strecket,
32
Den schimpft ein jegliches Gelach.

33
Die Weiber sind gar ausgelaßen,
34
Sie thun es frey beym Mondenschein,
35
So hizig, daß auf allen Gaßen
36
Die Pflaster ausgeritten seyn.
37
Die Männer folgen dem Exempel,
38
Kaum riecht was Junges in die Stadt,
39
So lauft man plözlich aus dem Tempel,
40
Zu sehn, wie viel es Keuschheit hat.

41
Was soll ich von den Mägdgen sagen?
42
Sie sind vorwahr zu tugendreich,
43
Sie lernen viel aus Demuth tragen
44
Und schämen sich so kranck als bleich.
45
Das macht vielleicht der schlimme Winter,
46
Der alles in den Gliedern regt.
47
Doch nein, es steckt noch was darhinter.
48
Und was denn? Was der Kirchknecht trägt.

49
Nun sagt mir, soll ich anders leben,
50
So lacht mich jeder Pinsel aus:
51
Nach Warheit, Zucht und Tugend streben
52
Baut jezt vorwahr kein steinern Haus.
53
Ich mach es so wie meines gleichen,
54
Und wer mich drum verdencken will,
55
Der höre diesen guten streichen
56
Und nehm ihn mit und schweige still.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

Einstellungen

    Text teilen & herunterladen

    PDF-Export

    Arbeitsblatt zur Interpretation herunterladen

  • Äußere Form

  • Sprachlich-inhaltliche Analyse

  • Voller Zugriff auf Textopus

    • Interaktive Analyse von über 65.000 Gedichten und über 700 Dramen

    • Zugriff auf mehr als 400 Rezitationen und hilfreiche Epochenübersichten

    • Mit Aufdeckfunktion zum Selbstlernen von Stilmitteln, Kadenzen, Metrum u. v. m.

    Textopus App

    Textopus-App

    € 4,99/Jahr
    In-App-Kauf
    Apple App StoreGoogle Play Store
    Klett Digitale Unterrichtsassistenten

    Für Lehrkräfte

    Kostenlos in ausgewählten Digitalen Unterrichtsassistenten der Deutsch-Lehrwerke des Ernst Klett Verlags
    Deutsch kompetent

Johann Christian Günther
(16951723)

* 08.04.1695 in Striegau, † 15.03.1723 in Jena

männlich, geb. Günther

deutscher Lyriker

(Aus: Wikidata.org)

Textopus kann Fehler machen. Überprüfe die Informationen. Teils KI-gestützt. Siehe Hinweise zur möglichen Fehleranfälligkeit.