Da habt ihr die Zeugin vom ewigen Bunde

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Johann Christian Günther: Da habt ihr die Zeugin vom ewigen Bunde Titel entspricht 1. Vers(1709)

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Da habt ihr die Zeugin vom ewigen Bunde,
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Da kommt nun, da ist nun die seelige Stunde,
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Da schickt sie die Vorsicht, da wälzt sie der Lauf
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Des milden Gestirnes von Osten herauf,
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Die Stunde der Wollust, die Freundin vom Lachen,
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Die Mutter voll niedlich- und küzlicher Sachen,
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Die Stunde, worinnen die reichliche Glut
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Die Schäze der flüchtigen Jugend verthut,
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Die Stunde, worinnen Umarmung und Schmeicheln,
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Behagliches Schäckern, empfindliches Heucheln
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Und stärckender Athem und brünstiger Wind
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Und redliches Schnäbeln verschwenderisch sind,
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Die Stunde, dergleichen wohl Götter begehrten,
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Die Venus und Juno kaum schöner gewährten,
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Die Amors Verwaltung der lebenden Welt
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Am Tage der Ehren kaum beßer bestellt,
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Die Stunde, die Venus nicht zierlicher schmücket,
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Die Stunde, die Hymen nicht reicher beschicket,
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Sobald er ein Mägdgen, das grünet und blüht,
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Dem Schooße der närrischen Mutter entzieht
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Und solches, wie schwer sich die Alte bequemet,
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Und solches, wie sehr sich die Jüngere schämet,
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Der männlichen Inbrunst zur Aufsicht vertraut.
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O glücklicher Jüngling! O seelige Braut!
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O glücklicher Bräutgam, dem Ausschlag und Lieben
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Die Ruder der Sehnsucht in Hafen getrieben!
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Eröfne den Busen, so weit du nur wilt,
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Er wird dir mit englischer Schönheit gefüllt.
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Ihr Antliz beschämet die große Dione,
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Verdienet die Hälfte von Juppiters Throne
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Und gleicht sich der Göttin mit Panzer und Spies,
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Die ehmahls die heilige Stirne verlies.
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O ließen sich jezo drey zanckende Frauen
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Nebst deiner Vermehlten am Ida beschauen!
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O sollte noch einmahl sein bergichter Hayn
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Vier nackenden Schönen ein Musterplaz seyn,
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So schwör ich bey allem, was lebet und liebet,
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Wo anders der Paris Gerechtigkeit übet,
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Daß diese, dein Engel, den Apfel gewinnt.
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O glücklicher Jüngling! O himmlisches Kind!
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O seltenes Beyspiel der glücklichsten Bräute!
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Nun ruht dir dein heißes Verlangen zur Seite;
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Es labt dich dein Liebstes, es schenckt dir die Gunst
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Der weisen Vorsehung die würdigste Brunst.
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Es schüttert, es freut sich dein doppeltes Bette,
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Als wenn es des Glückes Empfindligkeit hätte.
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Nun liebe den Lieben, nun drück und behalt
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Den willigen Sclaven in süßer Gewalt!
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Es reizt ihn der Aufruhr der blühenden Lüste,
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Der jauchzenden Hügel, der hüpfenden Brüste,
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Es zieht ihn der Haare gewaltiges Gold,
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In welche die Sonn ihren Hauptschmuck gerollt,
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Es brennt ihn der Augen verschwiegnes Geschweze;
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Nun jagt er die Freyheit, nun lauft er ins Neze.
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Er trug sich mit Wüntschen, verblich in der Glut
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Und lechste nach Quellen benöthigter Fluth.
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Jezt schilt er des Tages beschwerliche Länge,
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Jezt wird ihm der Kleider Gefängnüß zu enge;
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Er dehnt sich, er warthet, er sehnet und schreyt:
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Ach, komm doch, du Auge der nächtlichen Zeit!
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Schweig, hiziger Jüngling, du brauchst wohl die Kräfte;
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Dein Seufzen vertrocknet die nüzlichen Säfte;
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Vertröste die Sehnsucht und stille den Schmerz.
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Der weichlichen Venus bricht selbsten das Herz,
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Ihr Mitleid erhöret der Ihrigen Plagen,
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Ihr Mitleid erhört schon dein ängstliches Klagen.
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Die Sonne beschleunigt den Abzug und sinckt,
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Nachdem sie vorhero dem Bruder gewinckt.
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Der Hesperus, deßen versilberte Wangen
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Der innig Verliebte mit Regung empfangen,
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Betritt den Gesichtskreiß der obersten Welt
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Und führet die Sterne durchs ewige Feld.
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Nun schleichet dein Schäzchen mit wanckendem Schritte,
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Nun schleicht sie zu Bette, nun mißt sie die Tritte.
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O welche Veränderung droht ihr der Ort!
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Auf! künftiger Ehmann, und mache dich fort
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Und las sie nicht etwan im Kranze zurücke!
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Sie zittert, sie bebet, verkleinert die Blicke
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Vor Warthen der Dinge, die jezo geschehn.
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Sie grämt sich zu fühlen und scheut sich zu sehn,
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Verhüllet den Wohlstand der züchtigen Röthe;
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Und bin ich im Lieben kein fremder Poete,
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So mein ich, es lock ihr der nahe Verlust
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Die frühe Bereuung aus Augen und Brust.
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Verfolge sie kühnlich und las dich nicht irren,
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Betäub ihr die Seufzer durch Küßen und Kirren,
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Verschluck ihr den Kummer, verzehr ihr die Pein
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Und sauge die Thränen der Jungfrauschaft ein!
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Empfängt nun der Brautpfiehl die reizenden Glieder
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Und zieht dich ihr artiges Lager darnieder,
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So bistu vergnügter und glücklicher dran,
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Als böthe dir Mogol sein Cronengold an.
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Ich wenigstens wäre noch beßer zufrieden,
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Als wenn mir gleich Anna drey Reiche beschieden.
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Hier mache das Vorspiel, hier spize die Hand
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Und bringe das Hauptwerck der Wollust in Stand.
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Erhize die Adern durch sanftes Bewegen
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Und klatsch ihr die Backen mit freundlichen Schlägen
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Und küß ihr die Augen und nez ihr das Kinn.
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Bald grüble von weiten, bald wälze dich hin,
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Bald strecke den Vorwiz der listigen Finger,
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Bald kneipe die runden und wallenden Dinger
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Und küße nach vieler Erfindung und Art
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Und forsche, was Amor am tiefsten verwahrt.
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Besinn ich mich richtig, so wird sie dich strafen,
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So dichtet sie anfangs ein nöthiges Schlafen,
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So nennt sie dich lose, so zückt sie und rückt,
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So weit sich's im Bette der Breite nach schickt.
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Sie droht dir und droht nur, sie will sich erbosen,
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Sie stemmt sich, den Angrif zurücke zu stoßen;
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Sie wehrt sich mit Thränen, sie krümmt sich und spricht,
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Und weinet darzwischen: Ach, thu es doch nicht!
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Doch thu es nur immer und halt ihr die Armen,
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Denn hieher gehört nicht des Nechsten Erbarmen.
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Sie streitet, du streitest, ihr streitet zugleich;
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Durch Streiten und Kämpfen mehrt Venus ihr Reich,
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Durch Streiten und Kämpfen wächst Cypripors Stärcke.
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Die Stunden verfließen, drum schreite zum Wercke
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Und brauche, sobald du den Vortheil erlernst,
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Den lieblichen Nothzwang, den scherzenden Ernst.
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Erhasche den weichen und fliehenden Nacken,
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Es mag auch sein Widerstand noch so sehr knacken,
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Und prüfe die Schönheit der ganzen Person;
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Ein Diener der Liebe besichtigt den Lohn.
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Bald sencke dich unten, bald breite dich oben,
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Verwechsle die Glieder, versuche die Proben,
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Sey immer geschäftig und überall da
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Und bring es dem ehrlichen Kinde so nah,
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Bis hinten am Rücken und fornen am Leibe
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Kein einziges Fleckchen entschuldiget bleibe.
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Vom Nacken zum Halse, vom Halse zur Brust,
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Hier bläst dir ein Zephyr die Fäuste voll Lust,
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Noch tiefer, noch weiter, noch mehr zu ergründen,
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Ich darf es nicht nennen, du wirst es wohl finden.
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Hierunter hat Venus ein Wunder versenckt
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Und Flammen und Funcken zusammen vermengt.
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Umgieb es mit tausend ersinnlichen Spielen,
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Es läst sich nicht nennen, es läst sich nur fühlen.
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O würde dem Dichter das Muster gebracht!
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Er hätte den Abriß natürlich gemacht.
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Vergiß auch nicht Amors beredtes Gefallen,
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Die schlüpfrigen Reden, das zärtliche Lallen;
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Hier zieren die Fehler der Sprache den Mund,
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Hier thut sich die geile Gelehrsamkeit kund.
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Verbeßre das Stammlen, verbeiß und vermische
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Das buhlrische Sprizeln, das geile Gezische;
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So girren die Täuber, so lispelt der West,
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Wenn Mittag und Sommer die Wälder verläst.
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Sobald nun die Pfeile des mächtigen Knaben
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Den kindischen Eckel gebändiget haben,
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So giebt sie es näher, so giebt sie sich drein,
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Im Purpur der Keuschheit gefällig zu seyn.
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Drauf flicht sie wohl selber die fleischlichen Schlingen;
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Sie wegert sich fälschlich, du solst sie nur zwingen,
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Denn so überwunden heist siegreich gemacht.
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O dreymahl und drüber bestätigte Nacht!
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Jezt wird dir der Nectar am herrlichsten schmecken,
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Jezt wird dir ihr Mäulchen erst Hunger erwecken,
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Ihr Mäulchen, der Erstling so baldiger Frucht,
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Von welcher kein Räuber zu kosten gesucht.
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Nun lernt sich die furchtsame Schönheit bequemen,
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Entzückung zu geben, Entzückung zu nehmen.
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O seelige Ruhe! O himmlisches Bild,
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Das gleiche Vergnügung mit gleicher vergilt!
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Jezt hauchen die Lippen ein kräftiges Leben,
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Jezt suchen die Seelen am Gaumen zu kleben,
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Jezt taumelt der einmahl begierige Geist,
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Wohin ihn die blinde Gelegenheit reißt.
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O Himmel, was hör ich vor geizige Küße!
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O Himmel, was rauschen vor kräftige Flüße!
171
O Himmel, wie küzelt das züngelnde Spiel!
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O Liebe, wie machstu der Freuden so viel!
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Jezt nimmt sie dem Finger, o sollt er mich rühren!
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Die künstliche Freyheit herumzuspazieren.
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Jezt dehnt sie den Zeiger, jezt zieht sie ihn zu.
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O dreymahl und drüber beseeligte Ruh!
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Ergreift doch, ruft Amor, ergreift doch die Wafen!
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Mein Bräutgam soll köstliche Beute verschafen.
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Nun mache dich fertig und tritt ins Gewehr,
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Die friedliche Feindin rückt plözlicher her.
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Bemüh dich, die schleudernde Lanze zu sencken,
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Ihr christlicher Blutdurst begehrt sich zu träncken.
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Jezt springt sie, jezt schnappt sie, jezt reißt sie sich los,
184
Erlaub ihr doch endlich den sehnlichen Stoß!
185
Begleite den Nachdruck mit Hüften und Händen,
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Befördre die Arbeit der hurtigen Lenden,
187
Versüß es dem Mägdgen, gewähr ihr den Mann
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Und streich ihr die Nieren, bis keines mehr kan,
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Bis Geister und Glieder verschäumen und weichen,
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Bis Nerven und Brüste sich legen und keuchen,
191
Bis Nebel und Schlafen das Auge verstellt
192
Und Schlummer und Ohnmacht den Willen befällt.
193
O schwenckt doch noch öfters die brünstigen Schenkel,
194
Zieht ähnliche Kinder, zeugt Nefen und Enckel,
195
Damit sie, bricht endlich das Alter herein,
196
Verdrießlichen Jahren ein Zeitvertreib seyn.
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Sie stüzen euch künftig den biegenden Rücken,

198
Sie werden euch unter den Sorgen erquicken
199
Und, wenn sie euch langsam als Leichen beschaun,
200
Nach eurem Exempel die Nachwelt erbaun.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Johann Christian Günther
(16951723)

* 08.04.1695 in Striegau, † 15.03.1723 in Jena

männlich, geb. Günther

deutscher Lyriker

(Aus: Wikidata.org)

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