Du Engel, den mir Gott so unverhoft gesand

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Johann Christian Günther: Du Engel, den mir Gott so unverhoft gesand Titel entspricht 1. Vers(1709)

1
Du Engel, den mir Gott so unverhoft gesand,
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Die Lust der Ewigkeit schon in der Welt zu schmecken,
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Nimm hier den Abschiedskuß noch einmahl von der Hand,
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Da Nerven, Zung und Mund vor Wehmuth stehn und stecken,
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Und glaube, daß mein Herz in heißem Blute schwimmt,
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Da unsers Umgangs Scherz so früh ein Ende nimmt.

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Du weist, wie kläglich man bey diesem Riße thu,
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Du siehst mich weinend an und wilst und kanst nichts sagen;
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Dir schliest mein heißer Kuß die matten Augen zu,
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Mir suchstu deinen Geist in Mund und Brust zu jagen.
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Du wirfst mir Küße nach, ich geh wohl zehnmahl fort
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Und kehre zehnmahl um und mache doch kein Wort.

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Dies alles sahestu, dies aber siehstu nicht,
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Mit was vor Unruh jezt mein treu Gemüthe ringe;
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Denn welcher Freund mich nur bey meiner Rückkunft spricht,
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Der fragt, warum ich nicht mein Leben wiederbringe.
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Mein Zimmer ist nicht groß, doch ohne dich zu weit,
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Und was ich hör und seh, das dient zur Bangigkeit.

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Gesellschaft, Trunck und Spiel gebiehrt mir jezt nur Groll,
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Die Bücher haben Ruh, kein Reim will fast mehr fließen;
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Ja, wem auch meine Kunst mit Rathe dienen soll,
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Der muß verwirrtes Zeug aus meiner Antwort schließen.
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Mein Schlaf ist nur ein Qualm, mein Bett ein kalter Raum,
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Mein Wachen aber stets ein wandelbahrer Traum.

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So starck ein jährig Kind sich nach der Mutter sehnt,
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So heftig brennt nach dir mein eußerstes Verlangen;
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Dies macht dein kluger Kuß, der hat mich so verwöhnt,
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So bald sein süßer Hauch die Freyheit weggefangen;
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Dies macht dein Schönethun und ungemeiner Geist,
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Als deßen Engelbrodt auf größern Hunger speist.

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Zeit, Hofnung und Gedult besänftigt mich zulezt
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Und giebt mir jezt ein Bild im Schatten zu betrachten;
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Ich scheine bey mir selbst ins Paradies versezt
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Und weis des Glückes Gunst nach Würden kaum zu achten,
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Da ein von Gott und Welt so werthgeschäztes Kind
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Mich unversehnen Gast auf ewig lieb gewinnt.

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Ein Weib, das klug, getreu und doch auch zärtlich liebt,
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Vernunft und Tugend ehrt, galant und sittsam wandelt
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Und wenn ihm die Natur ein gutes Ansehn giebt,
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Der Glieder Artigkeit nicht erst vom Schneider handelt,
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Ein Weib von solcher Art ist warlich nicht gemein,
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Doch wo sie hingeräth, da kehrt der Himmel ein.

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An dir versprech ich mir den Himmel auf der Welt,
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Die Eintracht unter uns soll Lebensfrüchte bringen;
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Dein Wandel ist genug und mehr als Stand und Geld,
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Wornach die Buhler sonst auf eignen Schaden ringen.
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Dem, der dich erst geliebt und doch hernach verschmäht,
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Hat warlich Gottes Zorn Vernunft und Sinn verdreht.

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Darum ist nichts so schlimm, es wird zu etwas gut:
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Der Meineid läst dich gehn, daß ich nur glücklich werde;
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Erwege, was dabey des Höchsten Finger thut:
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Wir sahn das erste Mahl einander auf der Erde,
53
Ich reichte dir die Hand, du drückst sie ganz gemach
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Und ziehst sogleich mein Herz dir und den Schritten nach.

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Ein Abend war genug, Gemüther gleicher Art
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Ohn eußerlichen Staat empfindlich zu verbinden;
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Wir suchten uns durch uns und nicht nach derer Art,
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Die Kuppler, Mode, Geld und Eigennuz entzünden.
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Ach, mein Herz – seufztest du, – ist mein Herz, fiel ich ein;
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Ja nun wohlan, mein Kind, so soll es ewig seyn.

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Und so verfährt auch stets die Liebe treuer Brust,
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Sie hält sich außer Gott an keinen Heiratszeugen;
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Ach Phillis, schüze doch die Zukunft unsrer Lust,
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Ich seh sie schon voraus und muß vor Freuden schweigen.
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Die Seele wird entzündt, der ganze Körper brennt
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Vor Hofnung und Begier, so oft man dich nur nennt.

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Die Sprache wird fast arm, die Worte fehlen mir,
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Die Neigung gegen dich natürlich auszudrücken;
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Mein lechzend Herze wallt und reißt mit Macht zu dir
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Und läst sich einen Kuß bis auf die Zunge rücken;
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Ich bin mehr dein als mein und seh mein Heil nicht an,
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Als in so fern ich dich dadurch ergözen kan.

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Aus Ehrfurcht sag ich dies: Du bist vor mich zu viel
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Und solltest wohl vor mich gar weit was Beßers haben.
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Die Schickung lacht mich an und legt die Hand ins Spiel
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Und würdigt meine Schoos der Fülle solcher Gaben,
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Von deren Kostbarkeit die Warheit selber spricht:
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Was dieser plözlich fängt, erjagen hundert nicht.

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Den meisten blendet wohl der Anstrich die Vernunft,
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Doch meine Liebe sieht auf etwas mehr als Farben;
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Die Klugheit zeichnet dich in ihrer Töchter Zunft,
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Die reife Jugend blüht und zielt auf volle Garben.
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Dein Geist, der Feuer führt, hat nöthigen Verstand,
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Liebt ernstlich, kennt die Welt und spricht und scherzt galant.

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Die Länge der Person gehört der Majestät,
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Die Augen reizen mich, sie tausendmahl zu küßen,
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Und wenn sich Ros und Schnee in vollem Busen bleht,
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Bekäm auch Socrates ein schlüpfriges Gewißen;
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Ja, wenn dein Freundlichthun mit Druck und Mäulchen spielt,
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So schwör ich, daß das Marck die sanfte Würckung fühlt.

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Was um und an dir ist, ja, was du hast und thust,
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Das zaubert, zieht und zeugt Verwundrung und Ergözen;
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So oft du Haus und Hof und Volck versorgen must,
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Bekomm ich einen Trieb, die Wirthschaft hoch zu schäzen.
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Wohin auch nur dein Fuß in Leid und Freude tritt,
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Da schleicht die Augenlust so wie der Wohlstand mit.

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Dein Polnisch, das mir sonst so rauh und widrig klingt,
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Beschämt durch deinen Mund den Wohllaut welscher Zungen,
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Indem es seine Kunst so rein und lieblich zwingt,
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Als kein verliebtes Lied in Griechenland geklungen.
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Wie artig stimmt bey dir nicht jede Tugend ein!
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Du hast Beredsamkeit und kanst verschwiegen seyn.

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Geseegnet sey hinfort der Augenblick, der Ort,
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An welchem mir dein Bild das erste Mahl erschienen!
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Im Geiste bin ich noch fast jede Stunde dort
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Und überlege mir die Macht der ersten Mienen,
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Die Macht, die stumme Macht, die dort auch auf einmahl
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Frost, Unruh, bange Zeit, ja gar das Herze stahl.

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Behalt den schlechten Raub, ich nehm es nicht mehr an
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Und habe schon davor ein Gegenpfand bekommen;
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Bewundre nur mit mir die seltne Führungsbahn,
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Die unsrer Liebe Zug so wunderlich genommen.
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Vielleicht wird bald der Saz aus unserm Glücke wahr:
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Wo Gott vermehlt, da bringt kein jäher Sprung Gefahr.

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Du bist vor meinen Fleiß der angenehmste Lohn;
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Nun würd ich Unrecht thun, das Glücke mehr zu schelten.
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Ich spreche neben dir den frechen Spöttern Hohn,
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Und mancher soll es mir noch in der That entgelten.
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Ihr Stunden, flieht und eilt und holt die goldne Zeit,
120
In welcher meine Treu der Phillis Myrthen streut.

121
Ich als ein junger Mensch, den Blut und Feuer treibt,
122
Gesteh es, daß ich mich auch dann und wann vergeßen;
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Doch wo die Billigkeit ein wahres Urtheil schreibt,
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So ist mein Fehltritt oft den Feinden beyzumeßen.
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Dein Zuspruch, liebstes Kind, und freundliches Bemühn
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Soll künftig noch aus mir viel gute Früchte ziehn.

127
Du hast ja etwas mehr als schlechten Weiberwiz
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Und läst auch manchen Trieb der Ruhmbegierde blicken;
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Mir zeigt die Poesie bereits den Ehrensiz,
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Und darum soll ihr Kranz auch deine Scheitel schmücken,
131
Und wo die späte Welt von meinen Liedern hört,
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Da wird auch dermahleins dein treu Verdienst geehrt.

133
Zwey Herzen hab ich schon, doch nicht wie dich, geliebt,
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Zwey Herzen haben auch mein Hofnungsziel betrogen;
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Das erste, dem man noch ein rühmlich Zeugnüß giebt,
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Hat Filindrenens Fall mit in die Gruft gezogen;
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Das andre wurde mir von Leonorens Hand
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Durch Falschheit und Betrug wie dir dein M. entwand.

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Anjezt vergeß ich leicht den doppelten Verdruß,
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Die dritte, so du bist, soll auch die lezte bleiben,
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Und weil dies lezte Pfand das beste werden muß,
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So will ich dem davor ein ewig Dancklied schreiben,
143
Dem, deßen weiser Schluß mein Glücke so gefügt,
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Daß keine mich so rein als du, mein Kind, vergnügt.

145
Ach Phillis, lis dies Blat nicht etwan obenhin,
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Es ist nicht schlecht Papier, es ist mein ganz Gemüthe,
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Und dies dein Eigenthum. Wenn ich zu wenig bin,
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So nehm ich allen Werth von deiner Lieb und Güte.
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Du hast dich mir vertraut, du hast dich mir verschenckt,
150
Doch du nicht, sondern der, der dieses Ganze lenckt.

151
Was giebt uns wohl die Welt vor Frieden und Gewinn?
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Ein Leben voller Müh und täglich neue Sorgen;
153
Der Jugend Frühlingslust flieht als ein Traum dahin,
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Und ist man endlich groß, so plagt uns jeder Morgen.
155
Furcht, Hofnung, Wüntsche, Gram, Fall, Feindschaft, Reu und Noth,
156
Dies alles giebt die Welt, und dann zulezt den Tod.

157
Die Liebe rechter Art versüßt noch Creuz und Gram,
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Womit die Eitelkeit der Leute Seufzer mehret,
159
Sie ist der güldne Rest, der mit aus Eden kam,
160
Sie ward im Heidenthum am herrlichsten verehret,
161
Sie kocht aus Thränen Wein, aus Schleen Malvasier
162
Und jaget überall den Kummer vor die Thür.

163
Kind, bilde dir einmahl zwo fromme Seelen ein,
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Die sich recht inniglich und wie die Kinder lieben;
165
Sie sind ein Herz, ein Sinn, sie singen in der Pein,
166
Erleichtern sich die Last, verscherzen das Betrüben;
167
Das Elend rührt sie nicht, viel minder Geiz und Neid,
168
Und wo sie gehn und stehn, da lacht Zufriedenheit.

169
Was meinstu zu der Eh, die solche Früchte bringt?
170
Nicht wahr, die Lebensart ist beßer als drey Cronen?
171
Was hilft der güldne Strick, der viel zusammen zwingt,
172
Wenn er und sie hernach bey Basilisken wohnen?
173
Was hilft nun jenen Freund zehntausend Schürzen Geld,
174
Wovon sein tummes Weib ein Duzend Schwäger hält?

175
Vergiß nun, liebster Schaz, den schändlichen Betrug,
176
Der ehmahls deiner Brust, wie billig, nah gegangen;
177
Der durch dies Herzeleid erfüllte Thränenkrug
178
Wird von des Himmels Thau Vergnügungsperlen fangen.
179
Du solt den Unterschied von Treu und Falschheit sehn,
180
Und darum lies der Herr den ersten Riß geschehn.

181
So lange nur mein Blut und deine Treu noch lebt,
182
So lange soll uns wohl kein hart Verhängnüß trennen,
183
Und was aus Eifersucht der Liebe widerstrebt,
184
Dem müße die Natur kein ruhig Alter gönnen.
185
Ich weis, ich dringe durch, so sehr die Misgunst kämpft,
186
Weil Lieb und Wachsamkeit die stärcksten Feinde dämpft.

187
Da niemand auf der Welt sein Ende wißen darf,
188
So muß ich, wenn es kommt, mich auch getrost bequemen;
189
Verführe nun, mein Kind, die Schickung gar zu scharf,
190
Mir, eh ich dich erlangt, den Geist zurück zu nehmen,
191
So machte mir sonst nichts das Sterben hart und schwer,
192
Als weil ich weis, wie mir bey deiner Leiche wär.

193
Inzwischen soll dies Blat ein frey Bekäntnüß thun:
194
Ich sterbe, wie und wo und wenn es Gott beschloßen,
195
So sterb ich dir getreu und will noch sanfter ruhn,
196
Da ich der erste bin, der deiner recht genoßen;
197
Dein Herze wäre mir der schönste Leichenstein,
198
Die Aufschrift dieser Spruch: Auch noch im Grabe dein.

199
Und wo hernach dein Geist in neue Flammen brennt,
200
So thu dir selbst so wohl und wehle meines gleichen,
201
Ich meine so ein Herz, das dein Verdienst erkennt,
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Vor deßen Tugenden des Landes Töchter weichen,
203
Und glaube, daß sich auch, lebst du nur friedensvoll,
204
Die Asche meiner Gruft vor Freuden regen soll.

205
Doch sollte mir dein Grab (der Himmel sey davor!)
206
Den völligen Besiz der liebsten Braut entwenden,
207
So trüg ich ganz gewis nicht lange Wittwerflor,
208
Es würde selbst der Schmerz mich bald zu Grabe senden,
209
Und eh noch dies geschäh, so müst ich einsam gehn
210
Und wie verscheuchtes Wild in Klüften ächzen stehn.

211
Ich trau es dir nicht zu, doch brächestu den Bund
212
Aus Wanckelmuth und Lust, was Neues zu erwehlen,
213
So schlügstu dich gewis durch eigne Nachreu wund,
214
Mein Schatten würde dich sogar im Schlummer quälen,
215
Und gleichwohl blieb ich noch der Falschheit so getreu
216
Und bäthe durch mein Flehn dich von der Rache frey.

217
Was aber thu ich dir aus blinder Furcht so weh?
218
Was red ich von Betrug, von Moder, Furcht und Baare?
219
Vergieb mir, daß ich mich aus Zärtligkeit vergeh;
220
Der Himmel ist dir hold, drum schenckt er uns noch Jahre.
221
Er droht mir zwar das Grab, doch wo? In deiner Schoos.
222
Was fällt wohl lieblicher als so ein Gnadenlos?

223
Ach, freue dich, mein Kind, zu voraus auf den Tag,
224
Von dem ich künftighin des Lebens Anfang zehle;
225
Ach, daß ich dich doch nicht sogleich umfangen mag!
226
Du glaubst nicht, wie mich schon die treue Sehnsucht quäle.
227
Alsdenn, gedenck an mich, wird Phillis erst gestehn:
228
Wo jemand küßen kan, so küst wohl Philimen.

229
Kind, Engel, Schwester, Schaz, Braut, Taube, Freundin, Licht,
230
Mein Stern, mein Trost, mein Herz, mein Ancker und mein Leben,
231
Ach, sage doch, wie man recht nett und zierlich spricht,
232
Die Liebe will dir gern den besten Tittul geben,
233
Die Liebe, so nach dir, was schön ist, prüft und schäzt
234
Und deines Nahmens Zug mit Freudenthränen nezt.

235
O was vor Inbrunst, Schaz, o welch entzückend Spiel
236
Wird um uns, zwischen uns die vollen Mäulchen würzen!
237
Die Liebe thut ohndem des Guten nicht zu viel
238
Und kan die edle Zeit am nüzlichsten verkürzen,
239
Und wie man vom Gebeth und von der Arbeit spricht,
240
So hindert Lieben auch Amt, Fleiß und Sorgen nicht.

241
Ich will mich als dein Mann nach Buhlerart bemühn,
242
Dir täglich größre Gunst und Neigung abzuheucheln;
243
Die Stunden sollen uns wie Augenblicke fliehn,
244
Mit Klugheit will ich dir, du mir mit Demuth schmeicheln,
245
Und werden wir dereinst beysammen schwach und grau,
246
So wird der Leiber Blut, doch nicht die Regung lau.

247
Wie freudig will ich dann nach vielen in der Welt
248
Mit dir, geliebtes Kind, vollbrachten Friedensjahren,
249
Sobald das lezte Korn durch meinen Seiger fällt,
250
An deiner treuen Brust zu meinen Vätern fahren;
251
Alsdenn versüße mir den Gang zur lezten Ruh
252
Und drücke durch den Kuß mein brechend Auge zu.

253
Doch nein, den lezten Dienst von so betrübter Pflicht
254
Vermag dir meine Treu unmöglich zuzumuthen;
255
Du liebst mich gar zu sehr, und darum will ich nicht,
256
Daß deine Kräfte sich bey meiner Gruft verbluten;
257
Denn gönnte dir mein Herz im Leben keine Pein,
258
So soll mein Leichnahm auch daran nicht Ursach seyn.

259
Der, so die Liebe selbst und aller Vater ist,
260
Beweis einmahl an uns ein Wunder von Erbarmen
261
Und hole, wenn nun du der Erden müde bist,
262
Uns beiderseits zugleich einander aus den Armen,
263
Damit nur nicht die Angst getrennter Raserey
264
An dem, was übrig bleibt, der Liebe schimpflich sey.

265
Damit sey unbetrübt und nimm dich wohl in Acht,
266
Erkenne, wie du thust, des weisen Schöpfers Willen;
267
Er hat uns unverhoft einander zugebracht,
268
Er wird auch sonst sein Werck an unserm Glück erfüllen.
269
Auch lerne, daß nur der die reichsten Schäze gräbt,
270
Der Gott und Nechsten liebt und stets zufrieden lebt.

271
Inzwischen schleus mich stets in Andacht und Gebeth;
272
Ich opfre vor dein Heil mit früh und späten Zähren.
273
Verliebten geht es zwar des Anfangs sehr verdreht,
274
Doch muß der Übergang der Tugend Lust gebähren,
275
So wie nach Frost und Eiß, das jezt die Saaten drückt,
276
Ein grünes Frühlingskleid die Felder wieder schmückt.

277
Ich küße durch die Luft Mund, Auge, Brust und Hand
278
So zärtlich, als mich nechst dein stiller Schenckel drückte,
279
Als unsre Liebe sonst kein Redezeichen fand,
280
Weil mancher neben uns mit Vorwiz hört' und blickte.
281
Jezt, da mir Schlaf und Frost die Finger müde macht,
282
So wüntsch ich weiter nichts als eine gute Nacht.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Johann Christian Günther
(16951723)

* 08.04.1695 in Striegau, † 15.03.1723 in Jena

männlich, geb. Günther

deutscher Lyriker

(Aus: Wikidata.org)

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