Ich weis nicht, was dir ahnt, du kalt- und loses Kind

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Johann Christian Günther: Ich weis nicht, was dir ahnt, du kalt- und loses Kind Titel entspricht 1. Vers(1709)

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Ich weis nicht, was dir ahnt, du kalt- und loses Kind,
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Daß meine Lieb und Treu so gar nicht fähig sind,
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Die Güte deiner Brust auch in geringen Sachen
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Mir zur Ergözligkeit recht ofenbahr zu machen.
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Du sagest alles zu und hältst doch keinmahl Wort;
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Wir gehn mit Lust zu dir und ziehn so traurig fort,
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Als ob dein Herz noch nichts von meiner Liebe wüste
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Und ich erst vierzehn Jahr wie Jacob dienen müste.
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Ich weis nicht, welcher Fall dir das Gehirn verrückt
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Und deinen muntern Geist in Eigensinn erstickt.
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Bald geh ich mit der Furcht im Zimmer auf und nieder,
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Als kämen jezt bey dir viel alte Funcken wieder,
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Womit ein falsches M., das lezt auch außen blieb,
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Den ersten Liebeszug dir in das Herze schrieb.
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Bald aber mach ich mir von neuem Trostgedancken,
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Als würd ich nur probiert und durch verstelltes Wancken
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In meiner Treu geübt; bald fällt was Ärgers ein;
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Weil meiner Feind jezt viel und zwar auch große seyn,
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Die, da ich nie geschont, die Warheit frey zu sagen,
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Mich stets auch überall mit Lästerworten schlagen,
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So riße mir vielleicht ihr grob- und böser Sinn
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Die Früchte deiner Gunst noch in den Blüthen hin
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Und dürfte mir, an statt dein Herze zuzuneigen,
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Den Eckel gegen mich in deiner Seele zeugen.
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Ich weis wohl, daß dein Geist, du halb verwirrtes Kind,
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Fast all' und jedes Mahl den besten Grund ersinnt,
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Wenn du beschuldigt wirst, die Ohnmacht vorzuschüzen;
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Ich stell es auch dahin, doch ob es dir auch nüzen
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Und immer gelten wird, das lehrt einmahl die Zeit.
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Ich kan zum wenigsten mit meiner Redligkeit,
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Die du so schlecht erkennst, dem Himmel wohlgefallen,
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Der meine Fehler trägt und mir auch noch bey allen,
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Die Kunst und Ehrligkeit und Wißenschaft ergözt,
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Den angenehmsten Lohn der besten Freundschaft sezt,
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Und wird dich einer so wie Günther lieben können,
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So will ich deiner Gunst mich gleich nicht würdig nennen.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Johann Christian Günther
(16951723)

* 08.04.1695 in Striegau, † 15.03.1723 in Jena

männlich, geb. Günther

deutscher Lyriker

(Aus: Wikidata.org)

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