Hier hastu nun den dritten Schwur

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Johann Christian Günther: Hier hastu nun den dritten Schwur Titel entspricht 1. Vers(1709)

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Hier hastu nun den dritten Schwur,
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Wodurch ich Himmel und Natur
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Zu Zeugen unsres Bundes seze;
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Bleib treu, getrost und achte nicht,
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Wenn manche Lästerzunge sticht,
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Der falschen Freunde Mordgeschweze.

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Das Glücke hält uns freylich auf,
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Doch las ihm nur den faulen Lauf,
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Es sucht fein langsam auszurasen.
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So starck der Nord sich hören läst,
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So zärtlich wird auch bald der West
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In unsre Liebesflaggen blasen.

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Die Weltlust zeigt mir nichts mehr an,
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Worein ich mich verlieben kan,
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Als dein Gesicht und meine Baare;
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Bekomm ich nun das erste nicht,
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So las ich freudig Tag und Licht
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Auch mitten um die besten Jahre.

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Ich fühl am besten innerlich
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So manchen tiefen Herzensstich
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Und bin schon ziemlich umgetrieben;
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Doch will mir Gott genädig seyn,
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So läst er mich nach aller Pein
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Dich einmahl noch und sicher lieben.

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Vertrau der Vorsicht, liebster Schaz,
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Sie wird uns einen Ruheplaz,
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Es sey auch wo es will, bereiten;
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Alsdenn belachen wir mit Lust
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Aus froh- und eintrachtsvoller Brust
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Die Thorheit unsrer bösen Zeiten.

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Besinne dich, was Schweidniz wies:
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Von innen zwar ein Paradies,
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Von außen Unruh, Zanck und Plagen;
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Und kommt dir Roschkwiz in den Sinn,
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So denck auch dort nach Borau hin,
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Wo mich dein Abschied wund geschlagen.

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Sobald des Bruders Hochzeitsfest
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Dich bey der Tafel lachen läst,
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So trinck mein Wohlseyn in Gedancken,
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Und wenn dir der Verlobten Kuß
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Zu stiller Reizung dienen muß,
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So wiße: Günther kan nicht wancken.

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Es hat mich innerlich ergözt,
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Daß Lorchen meine Lieder schäzt
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Und dann und wann noch Lieder fodert;
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Dein Nahme soll auch ganz allein
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Die Zierrath meiner Reime seyn,
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In welchen unsre Liebe lodert.

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Mein Engel, nimm es selbst aus dir,
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Wie schwer, wie scharf und ängstlich mir
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Dein drittes Abschiedsküßen falle;
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Jedoch Gedult, Vernunft und Zeit
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Crönt endlich die Beständigkeit
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Und schenckt uns Zucker auf die Galle.

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Nun gute Nacht, du treues Kind!
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Es wird noch mancher saurer Wind
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Mir künftig in das Antliz streichen;
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Doch darum mache dir nicht Schmerz,
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Dein Angedencken stärckt mein Herz
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Und bleibt mein festes Hofnungszeichen.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Johann Christian Günther
(16951723)

* 08.04.1695 in Striegau, † 15.03.1723 in Jena

männlich, geb. Günther

deutscher Lyriker

(Aus: Wikidata.org)

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