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Wofern du, lieber Mensch,
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mit andern Thieren bist;
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So steht dir frey, daß du die Welt
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Und was uns in die Sinne fällt,
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Verächtlich hält’st, und nicht be-
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So steht dir frey, daß du die Zeit,
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Darin man die Beschaffenheit
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Der Creatur und ihre Herrlich-
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Bewundert, für verloren achtest.
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Wofern du dir nicht selbst die
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Wofern du eine Gottheit glau-
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Die alles, Stern- und Sonnen-
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Die Himmel, Erd’ und Meer ge-
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Die dich und alle Ding’ hervor
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So kannst du ja nicht anders
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Als daß der Schöpfer weiß, daß
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dich Sein Werk nicht rührt,
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Daß du’s nicht würdigest, Jhm
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einen Blick zu schenken,
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Daß folglich GOTT, so viel an
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Macht, Weis heit, Lieb’ und Ehr’.
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Wie elend ist dein Stand? da du
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Daß GOTT hier auf der Welt
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mit deiner Lust nicht nur
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Sein Lob so wunderbar, so Gna-
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Nein, daß so gar dein’ Anmut
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Die sich auf GOttes Ehre grün-
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Aus Gnaden Jhm so wol gefällt,
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Daß sie auch dort gewiß unend-
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Und dieß versäumest du, und
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willt mit Fleiß nicht sehn,
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Was durch des Höchsten Lieb’
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und weise Macht geschehn.
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Bedenke, was du thust! so weiß
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Daß du nicht hier allein, auch
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dort, dein Heyl verlierest.
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Die Strafe fängt bereits in die-
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Denn überkommst du gleich das
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gröste Glück auf Erden;
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So kannst du doch unmöglich
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Sprich selbst: ob etwas dich wol
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Von allem, was du such’st, von
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allem, was du treibest!
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Sprich, ob dasjenige, worauf
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Dich rühr’, und ob du nicht stets
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Die Unempfindlichkeit und die
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Harpyen, welche dich für alles
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So bald du es besitzest, machen.
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Es frisst ihr nissier satter Rachen
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Den Kern von deiner Lust. Du
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Die doch so ungeschmackt, mit
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Mit Schrecken, Furcht und Angst
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nur gar zu theur bezahlen.
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Dieß ist der Lohn für dein Betra-
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Von künft’ger Reu, von künft’-
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Mein GOtt, behüt’ uns doch
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vor so verstocktem Wesen,
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Und einer Brust, die so versteint,
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Ach laß uns Deine Gegenwart
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Jm schönen Buch der Welt
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Die Schrift, die jeder Mensch
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mit Ehrfurcht lesen soll,
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Die auch die Engel selbst mit
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Furcht und Lust bemerken,
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Die lautet so: Es sind von GOt-
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Und Seiner Majestät der Him-
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Luft, Erd’ und Meer erfüllt. Nun
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Recht zu beherzigen, soll itzt mein