Du ehmahls liebster Ort der treuen Leonore

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Johann Christian Günther: Du ehmahls liebster Ort der treuen Leonore Titel entspricht 1. Vers(1709)

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Du ehmahls liebster Ort der treuen Leonore,
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Wie zärtlich rührt mich nicht der Anblick deiner Thore,
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Wodurch ich damahls oft an ihrer Hand spaziert!
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Dort merck ich schon den Raum, worauf wir uns versprochen,
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Dort blickt der Altan vor, auf dem wir sechzig Wochen
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Die Wächter hinters Licht geführt.

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Seyd tausendmahl gegrüßt, ihr Felder, Sträuch und Bäume;
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Ihr kennt wohl diesen noch, von dem ihr so viel Reime,
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So manches Lied gehört, so manchen Kuß gesehn;
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Besinnt euch auf die Lust der heitern Sommernächte!
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Was meint ihr, wenn mein Wuntsch nur eine wiederbrächte?
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Das wird wohl nimmermehr geschehn.

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Wo find ich aber nun mein Allerliebstes wieder?
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Verräth mir gar kein Graß das Lager ihrer Glieder?
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Ich spüre keinen Schritt, die Sommerstub ist leer.
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Wie traurig scheinstu mir, du nicht mehr schöner Garthen!
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Du hast ja zween gehabt, was soll ich einsam warthen?
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Ach, stell auch beyde wieder her!

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Du schickst mich in die Stadt; die tref ich desto schlimmer:
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Der Wirth, das Volck ist neu, ein Gast entweiht das Zimmer,
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Worein sonst nichts als wir und unsre Liebe kam.
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Mein Gott, wie ändert sich so viel in wenig Jahren!
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Was wird nicht noch geschehn? O sollt ich dies erfahren!
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Wie war mir, daß ich Abschied nahm!

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Ich geh den Tempel aus, ich suche durch die Gaßen,
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Ich such auch, wo sie sich wohl niemahls finden laßen,
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Ich ruf ihr um den Wall, der Wall hat schlecht Gehör.
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Steig, Schweidniz, steig und sey ein Phoenix in den Flammen,
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Bau Marmor, Erz und Gold und Schloß und Thurm zusammen,
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Mir bistu doch nicht Schweidniz mehr.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Johann Christian Günther
(16951723)

* 08.04.1695 in Striegau, † 15.03.1723 in Jena

männlich, geb. Günther

deutscher Lyriker

(Aus: Wikidata.org)

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