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Der Mittag brannte scharf, als Philimen spazierte
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Und Leib und Herz voll Glut, das Haupt voll Kummer führte
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Und, weil die Mattigkeit der Angst zu Hülfe kam,
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Den erst- und besten Weg zur Ruh im Schatten nahm.
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Dies war die Einsamkeit der grünen Kirchhofslinden,
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Sonst war auch in der Näh kein Aufenthalt zu finden.
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Hier lies er seinen Gram bey Gräbern, Asch und Graus
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Mit aufgestüztem Arm und naßen Seufzern aus.
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Die bange Nachbarschaft empfing die schweren Lieder
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Und gab sie so, wie folgt, aus hundert Grüften wieder:
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Verhängnüß, schencke mir Erbarmung oder Tod.
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Verdient mein treuer Sinn dergleichen harte Noth,
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Und ist es dir ein Ruhm, die Liebe so zu quälen?
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Du läst sich Baum und Vieh nach Wuntsch und Lust vermehlen,
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Der Mensch, der arme Mensch soll einzig und allein
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Aus abergläubscher Furcht ein blöder Sclave seyn.
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Du kennst die fromme Brust der weisen Philidoren,
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Sie hält sich blos vor mich und mich vor sie gebohren;
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Du kennst auch dies mein Herz und weist, daß deßen Treu
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Ihr jederzeit geweiht und dir gehorsam sey,
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Und gleichwohl marterst du die unverfälschten Flammen,
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Und gleichwohl läst dein Neid uns gar so karg zusammen.
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Ich leid es mit Gedult, wenn Glück und Hofnung bricht;
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Ach, martre nur mein Herz mit ihrer Trennung nicht.
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Es sind, du weist es wohl, fast mehr als sieben Wochen,
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Seitdem wir uns bereits nicht mehr vertraut gesprochen,
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Seitdem mein dürrer Mund den reinen Kuß entbehrt
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Und Sehnsucht und Verdruß mein trocknes Marck verzehrt.
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Wir sind in einer Stadt, ja gar in einer Mauren,
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Jedoch weil Haß und Neid auf unsern Umgang lauren,
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So sind wir halb entfernt. Dies ist ein härtrer Stand,
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Als wär sie in Stockholm und ich in Morgenland.
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Kein Zufall will sich noch in unsre Wüntsche schicken,
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Die Mutter hütet sie mit viel Verfolgungsblicken,
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Kein Fenster und kein Spalt, kein Winckel, keine List
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Ergözt mich nur mit dem, was doch noch wenig ist.
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Ja, wenn ein einzler Druck die Hand vergnügen möchte,
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Ja, wenn mir nur ein Blat verstohlne Nachricht brächte,
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So hält ich etwas Trost und so behülf ich mich
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In Hofnung beßrer Zeit. Verhängnüß, beßre dich
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Und liefre mir mein Kind nur einmahl in die Armen.
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Verdien ich auch gleich nicht ein gütiges Erbarmen,
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O so verdient es wohl die Länge meiner Qual.
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Ich sterbe schon vor Angst des Tages tausendmahl
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Und hab ohn ihre Gunst kein ander Glück auf Erden,
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Als daß ich hofen kan, gar bald verscharrt zu werden.
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Du weist, ich habe noch dein Blizen nicht verklagt;
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So scharf mich auch dein Zorn und deßen Würckung plagt,
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So viel ich darben muß, so oft ich schwiz und friere,
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So viel ich Ungemach, so wenig Trost ich spüre,
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Bleibt Philidore mein, so hab ich, was ich will,
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Und bin, so scharf du zürnst, in allen Wettern still.
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Gedenckstu mich vielleicht mit Härt und Schlag zu zwingen
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Und wiltu mich sogar um ihre Liebe bringen,
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So wie du mich bereits um Glück und Ruhm gebracht,
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So weit erstreckt sich nicht die Herrschaft deiner Macht.
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Du magst auch, denckstu dich des Sieges nicht zu schämen,
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Mir, dem du alles nimmst, das Leben vollends nehmen,
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Ich geb es willig hin, du bringst es nicht dazu,
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Daß ihr mein Unbestand Gewalt und Unrecht thu
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Und daß – Hier nahm sein Schmerz ein schön und plözlich Ende,
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Indem ein sanfter Druck zwo unversehner Hände
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Ihm, deßen Herz dabey so Furcht als Hofnung fand,
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Mit zärtlich starcker List das Antliz rückwärts band.
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Er fühlte kaum die Haut, so ward der Gram geringer.
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O drückt nur, fing er an, ihr allerliebsten Finger,
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Ich kenn euch gar zu gut, auch bey des Auges Nacht,
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Wodurch ihr mir anjezt den Himmel heiter macht;
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Befreyt nur mein Gesicht und last euch danckbar küßen. –
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Er schwieg und ward sogleich von Philidorens Grüßen
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Mit größrer Freud umringt, als wenn das gröste Land
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Ihm jezo Stimm und Wahl zur Crone zugesand.
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Er schwieg, sie weint' und sprach: So müßen uns, mein Leben,
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Die Gräber Sicherheit, die Todten Zuflucht geben;
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Sonst ist kein Ort vor uns so heimlich und versteckt,
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An dem die Tadelsucht nicht unsern Scherz entdeckt.
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Der Kirchhof nimmt uns ein und stillt mein heiß Verlangen,
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Dich, eh du reisen solt, noch einmahl zu umfangen.
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Wie hab ich mich gesehnt, wie hab ich nicht so oft
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Bey Nebel und bey Nacht auf diese Lust gehoft!
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Jezt hat sich gleich mein Fuß den Wächtern weggestohlen,
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Um bey der Eltern Grab betrübten Trost zu holen.
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Ich war kaum angelangt, so traf ich dein Gesicht;
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Ich dacht, es scheuchte mich, und traut und traut auch nicht.
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Doch Liebe wehrt der Furcht, ich schlich dir nach dem Rücken
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Und sah dich westwärts zu betrübt gen Himmel blicken;
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Ich hört auch, wie dein Mund, der mir das Herze brach,
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Von meiner Redligkeit so vortheilhaftig sprach.
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Ach Kind, ach liebstes Kind, womit vergelt ich's wieder? –
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Und damit sanck ihr Arm auf meiner Achsel nieder,
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Und damit lag zugleich ihr Haupt in meiner Schoos.
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Der Zephyr riß vor Neid den halben Busen blos,
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Wo Philimen sogleich, so weit sie ihm erlaubte,
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Der Schönheit Rosenknopf mit sanften Fingern schraubte.
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Bey dieser stillen Lust, die beiden gleich gefiel,
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Erzehlte Philimen, wie heftig und wie viel
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Sein längst geübter Geist gewüntscht, gehoft, gelidten,
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Wie giftig ihn der Neid bey aller Welt verschnidten,
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Und wenn er dann und wann die Lippen zugethan,
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So küst er sie einmahl und fing von neuem an:
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Betrachte dieses Feld, den Schauplaz kalter Leichen;
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Hier triumphiert der Tod, hier stehn die Siegeszeichen
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Der starcken Eitelkeit, hier siehstu, liebstes Kind,
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Was Hoheit, Wiz und Pracht und was wir Menschen sind.
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Den Pöbel schröckt der Ort mit Knochen, Furcht und Särgen,
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Uns aber muß er jezt mit Lust und Trost verbergen;
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Ja, was noch größer scheint, so muß ein jeder Stein
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Und deßen grünes Moos uns statt der Warnung seyn:
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Ihr Menschen, fangt die Zeit, bedient euch eurer Jahre
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Und nehmt den Frühling mit! So weckt uns selbst die Baare,
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Die andre traurig macht, so führt sie uns zur Lust.
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Die Predigt, so ich thu, kömmt nicht aus geiler Brust,
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Ich reize deinen Sinn zu keiner frechen Sünde,
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Ich sag es, weil ich dich vor treu und klug befinde
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Und will, daß auch dein Herz, so ich an Ketten zieh,
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Die liederliche Zunft verwegner Dirnen flieh;
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Doch darum ist der Scherz der Jugend nicht verbothen.
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Ich schwöre bey der Ruh und Seeligkeit der Todten:
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Sind Herzen reicher Treu vernünftig, zart und rein
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Und stimmt Gemüth und Mund nach Überlegung ein,
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So ist der Kuß erlaubt, so mag der Glieder Spielen
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Ohn alle Sünd und Schuld der Seelen Bündnüß fühlen.
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Bedenckstu dies nur recht, so wirstu mich verstehn,
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Ich will dir nicht gesund von dieser Stelle gehn,
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Wofern dich nicht mein Ernst auf ewig auserwehlet.
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Ich habe dich geprüft, verachtet und gequälet
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Und überall versucht; dein Wesen steht mir an,
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Und Lorchen ist allein, was Günthern halten kan.
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Verdien ich nun dein Herz, so schwör und bleib mein Eigen
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Und nimm mit mir vorlieb und las das Unglück steigen
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Und halt, ich geh dir vor, in allen Wettern still;
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Es geh auch, wie es geh, und komme, wie es will,
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So kommt es uns zur Lust. Denn wenn wir ehrlich lieben,
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So kan uns auf der Welt nichts als der Tod betrüben.
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Erinnre dich der Zeit, worin ich dich bedient;
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Denn daß dein schöner Kranz noch ohne Flecken grünt,
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Dein Leib nicht Würmer speist, dein Ruhm den Neid vernichtet,
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Wer hat es sonst als Gott und ich durch ihn verrichtet?
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Ich rück es dir nicht vor, ich sez es darum hin,
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Damit man glaub und seh, daß ich dein Liebster bin.
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Jezt weis ich freylich nicht, wie lang ich hier noch bleibe,
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Noch wo mich Glück und Wind in kurzem hin vertreibe;
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Und darum sey es dir hiermit vorausgesagt:
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Bleib, wie du jezo bist, und wenn dich alles plagt,
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So denck an Gott und mich und an mein Wiederkommen.
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Ich werde, wenn mein Fleiß an Wachsthum zugenommen,
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Dein Glücke mit erhöhn. Nichts nimmt man von der Welt,
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Als was genoßen ist und was man bald erhält.
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Wir wollen unsern Lauf in süßer Ruh vollbringen;
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Auch dein Gedächtnüßmahl soll Zeit und Tod bezwingen,
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Und Lorchens Nahme wird in meinen Büchern blühn,
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So lange Kunst und Fleiß noch einen Dichter ziehn.
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Ich will den Pleißenstrand um deine Lieb erheben,
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Ich will dem Rosenthal des Pindus Ehre geben,
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Nachdem mir sein Revier als deine Vaterstadt
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Den besten Schaz der Welt an dir gegeben hat.
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Veraltet dein Gesicht und werd ich auch zum Greisen,
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So will ich doch dein Kind, du solst mein Mägdgen heißen.
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So lebt es sich vergnügt, so stirbt sich's friedenvoll.
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Ach Lorchen, daß ich nicht mit dir erblaßen soll!
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Kan noch ein treues Flehn des Himmels Schluß gewinnen,
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So reißt ein Augenblick uns ganz gewis von hinnen;
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Denn gleiche Lieb und Lust begehrt auch gleichen Fall.
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Wo du nicht bey mir bist, da sterb ich überall. –
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Damit schloß Philimen mit Küßen und Verlangen,
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Das Zeugnüß gleicher Gunst begierig zu empfangen.
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Sie drückt' ihn scharf und fest an Armen, Brust und Mund,
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Der tausend Seufzer lies und voller Sehnsucht stund,
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Und sprach: Ich bin zu schwach, mich weiter zu erklären,
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Die Zunge kan nicht fort, drum reden Blick und Zähren,
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Selbst Silben sind genug: Du lebst und stirbst in mir.
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Ach, sagte Philimen, was wollt ich mehr von dir?
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Und damit sezten sich die zwey vertrauten Herzen,
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Besahen Schrift und Grab mit untermengten Scherzen,
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Erzehlten ihren Gram den Bäumen und der Luft
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Und kamen ohngefehr zu jener düstern Gruft,
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Worein der Schickung Grimm in viermahl sieben Tagen
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Ein jung und treues Herz dem andern nachgetragen.
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Der Stein gab den Bericht: Mein Pilger steh und lis:
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Die Sonne dieser Welt lidt hier die Finsternüß;
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Das ist: Die schönste Braut von Geist- und Leibesgaben,
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Die edle Kunauin ward hier zu früh begraben.
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Ihr Conrad, dem sie schon ihr ganzes Herz geweiht,
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Gerieth dadurch in Gram und folgt' in kurzer Zeit.
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Ihr Männer, seyd vergnügt; denn euer Ruhm und Liebe
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Besiegt jezt, wie ihr seht, des Frauenzimmers Triebe. –
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Hier scherzte Philimen und sprach: Da sieh, mein Licht,
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Wie dieses Beyspiel uns des Vorzugs Lorbeer flicht. –
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Ja, sprach sie, stirbt mein Kind zuerst an unsern Ketten,
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So will ich mein Geschlecht durch größre Tugend retten:
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Ich wüntschte mir hernach der Jahre Zahl vermehrt,
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Daß, wenn mein Wittwenstand dich in der Aschen ehrt,
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Die Größe meiner Treu dich länger klagen könne;
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Und daß ich dir vor mir den Abschied willig gönne,
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Das ist ein Liebeszug und zeigt die Regung an,
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Durch die ich mich um dich zu Tode weinen kan. –
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Ihr Mund beschloß dies Wort mit Nachdruck und mit Küßen,
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Und beide fuhren fort, den Abend zu genießen,
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Bis daß die Dämmerung mit Macht darzwischen kam
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Und dies verliebte Paar den Weg nach Hause nahm.