Amarillis, hat mein Sehnen

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Johann Christian Günther: Amarillis, hat mein Sehnen Titel entspricht 1. Vers(1709)

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Amarillis, hat mein Sehnen
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Dieses um mein Herz verdient,
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Daß mein Fluch von deinen Thränen
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Mit dem feuchten Graße grünt,
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Welchem meiner Liebe Brand
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Saft und Wachsthum längst entwand?
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Hastu darum mich gebunden,
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War ich darum freudenvoll,
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Daß der Riß, so schnell verwunden,
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Desto schärfer schmerzen soll?

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Rufe nur den leichten Wellen
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Und dem grünen Ufer zu,
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Denn bey meinen Unglücksfällen
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Ändern sie so schnell als du;
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Ja, sie ändern Lauf und Ort,
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Und du änderst Herz und Wort.
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Seht, ihr angenehmen Wiesen,
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Elidor steht jezt beschämt,
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Weil er die bey euch gepriesen,
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Die sich ihm nicht mehr bequemt.

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Himmel, hastu einen Seegen,
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Der auf Erden glücklich macht,
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O so sey er meinetwegen
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Amarillen zugedacht.
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Überschütt ihr Haupt und Brust
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Mit des Paradieses Lust!
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Dieses wüntsch ich, mich zu rächen
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Vor den falschen Selbstbetrug;
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Denn sich meiner zu entbrechen,
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Ist sie schon gestraft genug.

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Aber, ach, was soll die Rache?
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Was entbrechen? Nimmermehr.
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Was ich höre, seh und mache,
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Rührt mich ihrentwegen sehr;
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Linden, Waßer, Feld und Stein
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Prägen mir ihr Bildnüß ein
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Und erwecken meine Liebe,
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Die sie wider mich beschüzt
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Und, indem ich mich betrübe,
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An der Seite weinend sizt.

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Amarillis, hat mein Küßen
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Dich nur einmahl recht vergnügt,
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Kanstu Ort und Zeit noch wißen,
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Die mein Herz an deins gefügt,
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O so bitt ich durch den Schwur,
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Der uns mit Bedacht entfuhr,
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O so bitt ich durch die Plagen,
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Die ich mir mit dir erwehlt
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Und bisher mit Lust getragen:
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Lebe doch nur ungequält!

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Nimm den Ring, das Pfand des Eides,
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Und behalt den leichten Flor,
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Denn die Menge meines Leides
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Stellt dir schon ein Trauren vor;
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Dein Verdacht und meine Treu
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Machen schon die Seele frey
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Und erlösen mich im Grabe,
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Und auf diesem soll allein,
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Daß ich dich betrogen habe,
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Meine schönste Grabschrift seyn.

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Lebe wohl mit deinem Kummer,
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Wo dich der nur leben läst,
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Und verstöre meinen Schlummer
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Durch kein naßes Trauerfest.
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Hier um diesen wüsten Thal,
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Der uns mehr als tausendmahl
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Vor der Tadelsucht verborgen,
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Schneid ich in den nechsten Baum:
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Elidor und seine Sorgen
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Suchten hier den lezten Raum.

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Ist noch einer von den Hirten,
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Der die rechte Liebe kennt,
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Dem verbleibt mein Kranz von Myrthen,
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O betrübtes Testament!
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Meine Schwachheit vor ein Kind,
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Meine Hofnung vor den Wind,
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Meine Glieder dem Verwesen;
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Amarillen leg ich bey,
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Was sie sich schon selbst erlesen:
80
Frühen Schmerz und späte Reu.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Johann Christian Günther
(16951723)

* 08.04.1695 in Striegau, † 15.03.1723 in Jena

männlich, geb. Günther

deutscher Lyriker

(Aus: Wikidata.org)

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