Nun warthe, Flavia, das will ich dir gedencken!

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Johann Christian Günther: Nun warthe, Flavia, das will ich dir gedencken! Titel entspricht 1. Vers(1709)

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Nun warthe, Flavia, das will ich dir gedencken!
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Du kennst den schmerzlichen Verdruß,
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Wenn Lieb und Sehnsucht warthen muß,
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Und kanst mich so empfindlich kräncken.
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Ich weis ja nicht, woran ich bin,
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Ob Falschheit oder Noth dir Fuß und Willen binde.
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Hier schick ich bey der kahlen Linde
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Aus Eifer und aus Angst so Fluch als Seufzer hin.

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Du nennst mir Zeit und Ort, du schwierst mir, gleich zu kommen;
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Ich lausch, ich zehl, ich hoff und fleh,
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Das Mondlicht hat, so viel ich seh,
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Fast um ein Vierthel zugenommen.
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Es teuscht mich Schatten, Hahn und Wind,
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Ich mein, ich seh dein Bild, so sind es nur Gedancken, Kind!
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Und regt sich was um Strauch und Plancken,
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So schleich und zisch ich nur: Ach, kommstu? Komm, mein

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Die Nacht ist niemands Freund. Sie ist vielleicht erschrocken?
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Verliebte ficht kein Blendwerk an.
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Die Mutter ist nicht Schuld daran,
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Denn jezo ruhn Gestrick und Rocken.
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Wie, wenn das Mägdgen untreu wär?
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Dies kenn ich auch zu gut, es thut mir nichts zum Poßen.
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So geh und mach ich tausend Gloßen
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Und sinne doch umsonst mit Unruh hin und her.

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Ach, warum lies ich dich doch einmahl aus den Armen?
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Mein Weinen schmelzt und mehrt den Teich;
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Ich werd auf einmahl grau und bleich,
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Es möchte Stern und Stein erbarmen.
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Ach, sollte morgen doch das Eiß
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Die traurende Gestalt dir noch im Spiegel zeigen!
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Du würdest vor Erschröcknüß schweigen,
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Indem wohl deine Schuld nicht einen Vorwand weis.

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Du scherzest wohl nicht gar? Das will ich ja nicht hofen,
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Es käm uns beiden hoch zu stehn.
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Was hör ich dort vor Thüren gehn?
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Was seh ich vor ein Fenster ofen?
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Hilf Himmel! Welcher Anblick fällt?
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Ist dies nicht Scandors Haar? Ist dies nicht meine Schöne?
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So hastu, listige Syrene,
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O Ansehn voller Schimpf, mich darum hergestellt?

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Den Streich vergeß ich nicht, es sey denn nach der Strafe.
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Die Rache sey von nun an scharf
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Und gebe, wo ich wüntschen darf,
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Daß eure Brunst den Tag verschlafe.
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Das Schröcken mache Spiel und Kuß,
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Die Hize deinen Leib, die Ohnmacht ihn zu Schanden,
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Bis, wenn du trostlos aufgestanden,
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Dein eigner Mund mir selbst die Thorheit beichten muß.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Johann Christian Günther
(16951723)

* 08.04.1695 in Striegau, † 15.03.1723 in Jena

männlich, geb. Günther

deutscher Lyriker

(Aus: Wikidata.org)

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