Ihr Bogen voller güldnen Pfeile

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Johann Christian Günther: Ihr Bogen voller güldnen Pfeile Titel entspricht 1. Vers(1709)

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Ihr Bogen voller güldnen Pfeile,
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Ihr schwarzen Augen voller Glut,
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Erlaubt mir, daß ich mich verweile,
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Und führt den Kuß in Nerv und Blut,
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Damit er Lenchens Herze lehre,
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Wie nah ich ihm schon angehöre.

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Ich schmeck auf euch, ihr warmen Lider,
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Die Frucht, so dort in Eden stund;
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Ihr wälzt euch brünstig hin und wieder
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Und streift den aufgelegten Mund
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Und wist mit euren weichen Sachen
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Der Lippen Spielwerck nachzumachen.

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Die Venus hat viel treue Seelen,
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Der Zehnte kennt die Wollust nicht;
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Mein Kind, wir wollen sie verheelen,
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Und wenn ein andrer Rosen bricht,
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So küß ich deine Sonnenlichter
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Und mercke keinen Splitterrichter.

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So zwinckert unter meiner Zunge,
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So, schönen Augen, küzelt sie;
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So geht die Regung halb zu Sprunge,
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So kostet's mich nur halbe Müh,
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Zu sehn, zu fühlen und zu glauben:
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Ihr könt die Freyheit zwiefach rauben.

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Doch fürchtet euch vor keinen Bißen
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Und glaubt nur, daß ihr sichrer seyd,
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Als wenn mein geil- und starckes Küßen
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Den Mund mit Narden überstreut;
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Ich will euch drücken und nicht schonen,
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Ihr müst mir nur die Lust verlohnen.

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Ihr müst euch nehmlich abwärts lencken,
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Wenn Nebenbuhler prächtig gehn;
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Will Lenchen einen Blick verschencken,
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So sollt ihr mir zu Diensten stehn.
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Verschliest euch Fremden, die ihr dienen,
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Und öfnet euch vor meinen Mienen.

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Bekommt sie ein Versuchungsschreiben,
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In dem viel süße Worte sind,
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So last den hellen Vorwiz bleiben
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Und stellt euch wie mein Amor blind;
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Hingegen, will sie meines lesen,
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So thut, als wäret ihr genesen.

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Und darum mach ich euch die Freude
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Und darum küß ich euch so scharf,
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Jezt dies, jezt das, jezt alle beide,
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Damit nicht eines zürnen darf
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Und, wenn ich mit dem rechten spiele,
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Das linck' aus Rach aufs andre schiele.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Johann Christian Günther
(16951723)

* 08.04.1695 in Striegau, † 15.03.1723 in Jena

männlich, geb. Günther

deutscher Lyriker

(Aus: Wikidata.org)

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