Flammen in der Brust empfinden

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Johann Christian Günther: Flammen in der Brust empfinden Titel entspricht 1. Vers(1709)

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Flammen in der Brust empfinden
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Und dabey nicht Feuer schreyn,
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Heist die Ruthen größer binden
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Und sein eigner Hencker seyn.
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Die Verheelung der Gedancken
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Labet keinen dürren Mund,
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Und die Scham verliebter Krancken
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Macht das Herze spät gesund.

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Drum wohlan, mein Geist, entdecke
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Dies, was deine Sehnsucht quält;
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Frisch gewagt kommt bald zum Zwecke,
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Den die Furchtsamkeit verfehlt.
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Nein, mein Herz, ach schweig und glaube,
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Dein Entdecken hilft dich nicht,
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Weil bereits die schöne Taube
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Einem andern sich verspricht.

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Schweig, mein Herz, und halt die Plagen
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Deiner Leidenschaft geheim,
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Lerne dein Verhängnüß tragen,
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Koch aus Wermuth Honigseim!
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Hat die Schickung deinem Fieber
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Diesen schönen Arzt versagt,
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Ey, so stirb doch zehnmahl lieber,
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Eh dein Mund die Kühnheit wagt.

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Doch getrost, mein Herz, und wage
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Noch den allerlezten Streich!
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Doch getrost! Versuch und schlage
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Felsen durch die Thränen weich!
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Kluge Schönheit, meine Funcken
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Überreicht dir dieses Blat,
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Das mehr naßes Salz getruncken,
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Als dein Mund jezt Zucker hat.

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Zürne nicht mit meiner Liebe,
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Die die Redligkeit gebahr,
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Stärcke bald die reinen Triebe,
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Der Verzug bringt hier Gefahr.
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Dein Befehl soll stets mein Wille
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Und dein Winck mein Leitstern seyn,
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Schencke mir nur in der Stille
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Deiner Liebe Vorschmack ein!

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Mein Geblüte fühlt den Zunder,
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Der von deiner Tugend fängt,
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Also nimmt es mich nicht Wunder,
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Wenn mein Geist an deinem hängt.
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Mercke nur des Himmels Schlüße,
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Sonst erfährstu von der Reu,
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Daß das Honig fremder Küße
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Um das Ende bitter sey.

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Ach erwege mein Begehren!
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Dein Verstand ist scharf genug;
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Las mich nicht die Glut verzehren,
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Sonst wird dich der Todtenkrug
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Meiner Asche noch verklagen
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Und mein kalter Leichenstein
55
Dir so viel zur Nachricht sagen:
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Lerne doch bedachtsam seyn!

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Johann Christian Günther
(16951723)

* 08.04.1695 in Striegau, † 15.03.1723 in Jena

männlich, geb. Günther

deutscher Lyriker

(Aus: Wikidata.org)

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