Was ich in Gedancken küße

Bitte prüfe den Text zunächst selbst auf Auffälligkeiten und nutze erst dann die Funktionen!

Wähle rechts unter „Einstellungen“ aus, welcher Aspekt untersucht werden soll. Unter dem Text findest du eine Erklärung zu dem ausgewählten Aspekt. Nicht jede Anmerkung ist für die Analyse gehaltvoll.

Johann Christian Günther: Was ich in Gedancken küße Titel entspricht 1. Vers(1709)

1
Was ich in Gedancken küße,
2
Macht mir Müh und Leben süße
3
Und vertreibt so Gram als Zeit;
4
Niemand soll es auch erfahren,
5
Niemand will ich's ofenbahren
6
Als der stummen Einsamkeit.

7
Ob ich gleich nun, schöne Seele,
8
Nahmen, Brand und Schmerz verheele,
9
Würd es doch mein Glücke seyn,
10
Wenn du selbst errathen solltest
11
Und nur einmahl forschen wolltest,
12
Wem sich meine Flammen weihn.

13
Merckstu nichts aus Wort und Blicken,
14
Die viel Sehnsuchtszeichen schicken?
15
Siehstu mir kein Feuer an,
16
Wenn mein zärtliches Gemüthe
17
Bey der Wallung im Geblüte
18
Diesen Trieb nicht bergen kan?

19
Freylich mach ich öfters Grillen,
20
Aber alles doch im Stillen
21
Und dabey nicht ohne Lust,
22
Weil du allzeit meine Sinnen
23
Durch dein artiges Beginnen
24
Auch entfernt ergözen must.

25
Will ich mich gleich selber zwingen,
26
Dein Gedächtnüß wegzubringen,
27
Fühl ich in mir Widerstand;
28
Denn ich glaube, dich zu lieben,
29
War mir schon ins Blut geschrieben,
30
Eh ich noch die Wiege fand.

31
Doch was hilft ins Blut geschrieben,
32
Wenn mir dies getreue Lieben
33
Weder Frucht noch Hofnung zieht?
34
Krancke mögen sich beklagen,
35
Nur mein Herz soll garnichts sagen,
36
Ob es noch so heftig glüht.

37
O du ungemeines Leiden,
38
Schöne Früchte sehn und meiden
39
Und bey Quellen dürsten stehn!
40
Wenn die Hauptperson nur wüste,
41
Was vor Seufzer sanfter Lüste
42
Ihrer Schönheit opfern gehn!

43
Doch du ungemeines Leiden
44
Bist auch warlich zu beneiden,
45
Weil dich die Person erweckt,
46
Die vom Schönsten auf der Erden
47
Selbst verdient geehrt zu werden
48
Und schon manches angesteckt.

49
Durch ein ehrerbietig Schweigen
50
Will ich mich gelaßen zeigen,
51
Bis vielleicht ein Tag erscheint,
52
Da die Flammen heller brennen
53
Und der Welt entdecken können,
54
Wie ich es so treu gemeint.

55
Sollt auch dieser Wunsch betriegen,
56
Find ich dennoch mein Vergnügen
57
Und die gröste Lust daran,
58
Daß ich nach der klugen Lehre
59
Dieses Bild geheim verehre,
60
Was ich nicht besizen kan.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

Einstellungen

    Text teilen & herunterladen

    PDF-Export

    Arbeitsblatt zur Interpretation herunterladen

  • Äußere Form

  • Sprachlich-inhaltliche Analyse

  • Voller Zugriff auf Textopus

    • Interaktive Analyse von über 65.000 Gedichten und über 700 Dramen

    • Zugriff auf mehr als 400 Rezitationen und hilfreiche Epochenübersichten

    • Mit Aufdeckfunktion zum Selbstlernen von Stilmitteln, Kadenzen, Metrum u. v. m.

    Textopus App

    Textopus-App

    € 4,99/Jahr
    In-App-Kauf
    Apple App StoreGoogle Play Store
    Klett Digitale Unterrichtsassistenten

    Für Lehrkräfte

    Kostenlos in ausgewählten Digitalen Unterrichtsassistenten der Deutsch-Lehrwerke des Ernst Klett Verlags
    Deutsch kompetent

Johann Christian Günther
(16951723)

* 08.04.1695 in Striegau, † 15.03.1723 in Jena

männlich, geb. Günther

deutscher Lyriker

(Aus: Wikidata.org)

Textopus kann Fehler machen. Überprüfe die Informationen. Teils KI-gestützt. Siehe Hinweise zur möglichen Fehleranfälligkeit.