Der Korn-Boden

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Barthold Heinrich Brockes: Der Korn-Boden (1743)

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Indem ich neulich, mit Vergnügen, auf dem Getrayde-
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Boden stand,
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Und ihn, ob gleich derselbige von einer ungemeinen Länge,
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Dennoch von Rocken, Weizen, Gersten und Habern in
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recht schwehrer Menge,
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Theils selbst gebaut, und theils zum Zehnden geliefert,
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angefüllet fand;
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Verehrt’ ich, meinen Pflichten nach, zuerst den Geber
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dieser Gabe,
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Von Dem ich dieses, wie wir alles, als ein Geschenk em-
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pfangen habe,
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Bewunderte die Zeugungs-Kraft, die GOtt dem Saamen
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eingesenket,
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Bewunderte die Kraft der Erde, den Sonnen-Schein,
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Luft, Regen, Wind,
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Derselben ordentlichen Wechsel, die alle dazu nöhtig sind;
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Jmgleichen, daß auch uns dazu so viel Verstand und Kraft
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geschenket,
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So Saat, als Acker zu besorgen, der Saat Kraft, unser
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Fleisch zu nähren,
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Und überdem, zu unserm Nutzen, so Segen-reich sich zu
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vermehren.

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Nachhero fiel mir, da mein Blick noch einst den Haufen
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überlief,
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Die baldige Veränderung, der es wird unterworfen seyn,
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Und die so sonderlich, als nützlich, von dieser Menge Korn,
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mir ein.
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Daher ich, dieser Ordnung Weisheit erwegend, bey mir
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selber rief:

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Welch ein Bewunderns-wehrter Cirkel! Was, nach so
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emsigem Bemühen,
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Der Landmann in dem Stand gewesen, dem Schooß der
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Erden zu entziehen,
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Was hier nunmehr zu Hauf geliefert, und, wohl bedeckt,
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in Ruhe liegt,
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Wird bald von neuem aufgemessen, zum Müller und zum
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Becker kommen,
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Und wenn es vieler tausend Münde, zum Nutzen und zur
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Lust, gefüllet,
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Und theils im Magen uns den Hunger, theils auch, im
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Bier, den Durst gestillet,
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Da sie, statt abgegangner Theilchen, an neuen Theilchen
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zugenommen;
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Wird alles wiederum getrennt, vermischt, und größten-
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theils der Erden,
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Zur abermahligen Bereitung von neuem einverleibet wer-
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den,
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Um, nach der wunderbaren Ordnung, in allen uns bekann-
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ten Dingen,
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In seinem unverrückten Wechsel, den grossen Kreis-Lauf
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zu vollbringen.
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Ich dachte den Partikeln nach, aus welchen Fleisch und
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Blut formiert,
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Ob etwan etwas Geistiges damit verbunden, welches nur
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Allein in Fleisch sich zu verkehren, und, nach den Regeln
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der Natur,
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Das Thier-Reich zu ernähren tüchtig. Aufs wenigste wird
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man sie können,
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Wofern nicht wirklich Geistigkeiten, doch ganz besondre
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Kräfte nennen,

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Wovon wir uns zwar vielerley von neuem vorzustellen
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taugen;
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Jedoch, wenn wir die Wahrheit sagen, sind sie nicht
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minder unsern Augen,
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So wohl, als wie vorher, verborgen. Denn, wenn wir
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auch dieselben gleich
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In fein’ und gröbere zertheilen, die gröbere dem Pflanzen-
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Reich,
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Die feinere dem Reich der Thiere bloß zuzueignen uns
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bemühn;
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So wird man doch aus aller Theilung bey weiten nicht
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den Nutzen ziehn,
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Als wie wohl die Gelehrten meynen, weil eben eine solche
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Kraft
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Uns keine größre Wahrheit zeiget, als die verborgne Ei-
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genschaft,
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Die man am Stagyrit verlacht. Doch kommt von allen
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diesen mir
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Der Wahrheit am gemässesten und am begreiflichsten noch
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für,
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Daß im Getrayde solche Theile, die gleichsam einerley
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Figur
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Mit unsers Blutes Theilen haben, und etwan einerley
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Natur
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Und Harmonie mit ihnen hegen, wodurch sie Zung’ und
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Mund behäglich
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Und angenehm im Schmecken sind; dem Magen eben-
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falls erträglich
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Nicht minder unsern innern Theilen, als Adern, Nerven,
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Drüsen, Blut,
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Womit, der Theile Gleichheit halber, vermuhtlich sich zu-
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sammen thut,

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Vereint, und das, was fehlt, ersetzet. Ich dachte ferner,
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da der Mist
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Zur Düngung und zum Wachsthum selber fast unent-
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behrlich nöhtig ist,
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Und dieser aus dem Thier-Reich stammt, ob dieß uns nicht
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vor Augen leget,
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Daß ja fast gar auf welche Weise, das Korn so gleiche Theile
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heget
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Mit unsern und der Thiere Cörpern. Mir fiel nachher noch
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ferner bey,
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Wie sehr des grossen Schöpfers Weisheit hierinn noch zu
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bewundern sey,
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Daß, da das Vieh sich selbst zu helfen und sich zu nähren
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nicht geschickt,
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Sich ihre Nahrung, Gras und Kraut, von selbst fast aus
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der Erden drückt;
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Da wir hingegen unsre Kost, durch Fleiß und Arbeit,
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finden können:
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So hat Er uns dazu so vieles, die künstliche gelenke
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Hand,
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Holz, Eisen, Seile, Pferd’ und Ochsen, zumahl den sinnenden
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Verstand,
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Zu unserer Beschäftigung, und andrer Absicht wollen gön-
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nen.
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Denn scheinet gleich, beym ersten Anblick, die Arbeit müh-
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sam, saur und schwehr
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Ist dieß doch lange nicht so schlimm, als wenn die Mensch-
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heit müßig wär;
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Indem, wenn hier auf dieser Welt der Mensch von keine
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Arbeit wüßte,
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Ein allgemeiner Müßiggang das Leben wirklich meh
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verdrießlich,

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Zum Bande der Geselligkeit viel minder nützlich und er-
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sprießlich,
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Und kurz: den Zustand unsrer Welt gewiß viel schlimmer
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machen müßte.
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Von der Bewegung, der Gewohnheit, wodurch sie ihre
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Müh' ertragen,
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Und der Bewunderns-wehrten Ordnung, worinn sie stehn,
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nicht einst zu sagen,
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So daß man von der Arbeit selber kann eine klare Probe
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geben,
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Sie sey so nöhtig und so nütze, als unser Brod, ja selbst
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das Leben.
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Es scheint, der Schöpfer habe hier die Faulheit, die
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uns wirklich plaget,
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In diesem grossen Werk, dem Land-Bau, durch die Noht-
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wendigkeit verjaget.
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Und ob gleich Er nur bloß allein das, was wir säen, lä
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gedeyn;
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So scheint, Er wolle Seinen Segen im Schatten unsrer
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Müh' verstecken,
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Und lieber durch der Menschen Arbeit die wahre Segens-
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Quell' bedecken,
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Als uns die Fülle Seiner Güter unmittelbar, wie sonst,
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zu schenken,
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Daß wir uns nur in den Morast des Müßiggangs nicht
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mögten senken;
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Indem, durch Arbeit und Bewegung, zugleich von Krank-
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heit und Beschwehrden,
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Nebst vielen sonst gewissen Lastern, wir wunderbar befreyet
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werden.
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Ich sehe ferner auch den Segen, den man Jhm nie verdan-
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ken kann,

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Daß, durch den Kreis von dem Entstehn und dem Vergehen,
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unsre Erde,
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Vermittelst Sonne, Luft und Regen, an Kräften nie er-
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schöpfet werde,
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Als ein von einer weisen Allmacht so eingerichtet Wunder
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an.

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Wenn wir demnach als Menschen lebten, und recht als
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wahre Menschen dächten;
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So würden wir ein wenig mehr, als wie das Vieh, die
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Wunder-Weise,
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Wie eigentlich das Korn geräht, dem Schöpfer der Natur
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zum Preise,
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Betrachten, Seine weise Huld bewundern; ja ich weiß, wir
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brächten
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Jhm die gerührten Seelen selbst zum Opfer, nebst dem
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ernsten Willen,
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Was Jhm mißfällig nicht zu thun, was Jhm gefällig
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zu erfüllen.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Barthold Heinrich Brockes
(16801747)

* 22.09.1680 in Hamburg, † 16.01.1747 in Hamburg

männlich, geb. Brockes

deutscher Schriftsteller

(Aus: Wikidata.org)

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