1
Indem ich neulich, mit Vergnügen, auf dem Getrayde-
3
Und ihn, ob gleich derselbige von einer ungemeinen Länge,
4
Dennoch von Rocken, Weizen, Gersten und Habern in
6
Theils selbst gebaut, und theils zum Zehnden geliefert,
8
Verehrt’ ich, meinen Pflichten nach, zuerst den Geber
10
Von Dem ich dieses, wie wir alles, als ein Geschenk em-
12
Bewunderte die Zeugungs-Kraft, die GOtt dem Saamen
14
Bewunderte die Kraft der Erde, den Sonnen-Schein,
16
Derselben ordentlichen Wechsel, die alle dazu nöhtig sind;
17
Jmgleichen, daß auch uns dazu so viel Verstand und Kraft
19
So Saat, als Acker zu besorgen, der Saat Kraft, unser
21
Und überdem, zu unserm Nutzen, so Segen-reich sich zu
23
Nachhero fiel mir, da mein Blick noch einst den Haufen
25
Die baldige Veränderung, der es wird unterworfen seyn,
26
Und die so sonderlich, als nützlich, von dieser Menge Korn,
28
Daher ich, dieser Ordnung Weisheit erwegend, bey mir
30
Welch ein Bewunderns-wehrter Cirkel! Was, nach so
32
Der Landmann in dem Stand gewesen, dem Schooß der
34
Was hier nunmehr zu Hauf geliefert, und, wohl bedeckt,
36
Wird bald von neuem aufgemessen, zum Müller und zum
38
Und wenn es vieler tausend Münde, zum Nutzen und zur
40
Und theils im Magen uns den Hunger, theils auch, im
41
Bier, den Durst gestillet,
42
Da sie, statt abgegangner Theilchen, an neuen Theilchen
44
Wird alles wiederum getrennt, vermischt, und größten-
46
Zur abermahligen Bereitung von neuem einverleibet wer-
48
Um, nach der wunderbaren Ordnung, in allen uns bekann-
50
In seinem unverrückten Wechsel, den grossen Kreis-Lauf
52
Ich dachte den Partikeln nach, aus welchen Fleisch und
54
Ob etwan etwas Geistiges damit verbunden, welches nur
55
Allein in Fleisch sich zu verkehren, und, nach den Regeln
57
Das Thier-Reich zu ernähren tüchtig. Aufs wenigste wird
59
Wofern nicht wirklich Geistigkeiten, doch ganz besondre
61
Wovon wir uns zwar vielerley von neuem vorzustellen
63
Jedoch, wenn wir die Wahrheit sagen, sind sie nicht
65
So wohl, als wie vorher, verborgen. Denn, wenn wir
67
In fein’ und gröbere zertheilen, die gröbere dem Pflanzen-
69
Die feinere dem Reich der Thiere bloß zuzueignen uns
71
So wird man doch aus aller Theilung bey weiten nicht
73
Als wie wohl die Gelehrten meynen, weil eben eine solche
75
Uns keine größre Wahrheit zeiget, als die verborgne Ei-
77
Die man am Stagyrit verlacht. Doch kommt von allen
79
Der Wahrheit am gemässesten und am begreiflichsten noch
81
Daß im Getrayde solche Theile, die gleichsam einerley
83
Mit unsers Blutes Theilen haben, und etwan einerley
85
Und Harmonie mit ihnen hegen, wodurch sie Zung’ und
87
Und angenehm im Schmecken sind; dem Magen eben-
89
Nicht minder unsern innern Theilen, als Adern, Nerven,
91
Womit, der Theile Gleichheit halber, vermuhtlich sich zu-
93
Vereint, und das, was fehlt, ersetzet. Ich dachte ferner,
95
Zur Düngung und zum Wachsthum selber fast unent-
97
Und dieser aus dem Thier-Reich stammt, ob dieß uns nicht
99
Daß ja fast gar auf welche Weise, das Korn so gleiche Theile
101
Mit unsern und der Thiere Cörpern. Mir fiel nachher noch
103
Wie sehr des grossen Schöpfers Weisheit hierinn noch zu
105
Daß, da das Vieh sich selbst zu helfen und sich zu nähren
107
Sich ihre Nahrung, Gras und Kraut, von selbst fast aus
109
Da wir hingegen unsre Kost, durch Fleiß und Arbeit,
111
So hat Er uns dazu so vieles, die künstliche gelenke
113
Holz, Eisen, Seile, Pferd’ und Ochsen, zumahl den sinnenden
115
Zu unserer Beschäftigung, und andrer Absicht wollen gön-
117
Denn scheinet gleich, beym ersten Anblick, die Arbeit müh-
119
Ist dieß doch lange nicht so schlimm, als wenn die Mensch-
121
Indem, wenn hier auf dieser Welt der Mensch von keine
123
Ein allgemeiner Müßiggang das Leben wirklich meh
125
Zum Bande der Geselligkeit viel minder nützlich und er-
127
Und kurz: den Zustand unsrer Welt gewiß viel schlimmer
129
Von der Bewegung, der Gewohnheit, wodurch sie ihre
131
Und der Bewunderns-wehrten Ordnung, worinn sie stehn,
133
So daß man von der Arbeit selber kann eine klare Probe
135
Sie sey so nöhtig und so nütze, als unser Brod, ja selbst
137
Es scheint, der Schöpfer habe hier die Faulheit, die
139
In diesem grossen Werk, dem Land-Bau, durch die Noht-
141
Und ob gleich Er nur bloß allein das, was wir säen, lä
143
So scheint, Er wolle Seinen Segen im Schatten unsrer
145
Und lieber durch der Menschen Arbeit die wahre Segens-
147
Als uns die Fülle Seiner Güter unmittelbar, wie sonst,
149
Daß wir uns nur in den Morast des Müßiggangs nicht
151
Indem, durch Arbeit und Bewegung, zugleich von Krank-
152
heit und Beschwehrden,
153
Nebst vielen sonst gewissen Lastern, wir wunderbar befreyet
155
Ich sehe ferner auch den Segen, den man Jhm nie verdan-
157
Daß, durch den Kreis von dem Entstehn und dem Vergehen,
159
Vermittelst Sonne, Luft und Regen, an Kräften nie er-
161
Als ein von einer weisen Allmacht so eingerichtet Wunder
163
Wenn wir demnach als Menschen lebten, und recht als
164
wahre Menschen dächten;
165
So würden wir ein wenig mehr, als wie das Vieh, die
167
Wie eigentlich das Korn geräht, dem Schöpfer der Natur
169
Betrachten, Seine weise Huld bewundern; ja ich weiß, wir
171
Jhm die gerührten Seelen selbst zum Opfer, nebst dem
173
Was Jhm mißfällig nicht zu thun, was Jhm gefällig