Vorwerks-Betrachtungen

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Barthold Heinrich Brockes: Vorwerks-Betrachtungen (1743)

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Wie jüngst, im späten Februar,
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Die Winde still, das Wetter lieblich war,
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Bing ich, mit aufgeräumtem Sinn,
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Nach meinem Vorwerk, um zu sehn
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Die Dinge, die daselbst, zur Winters-Zeit, geschehn,
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Nebst meinen Kindern, hin.
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Da wir denn unterwegs, und eh wir nahe kamen,
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bereits, mit Lust, in nett getheilter Zeit,
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In unzertrennt- und fester Richtigkeit,
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Der regen Drescher Tact vernahmen.
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Der, ob sich gleich zum Ton kein süsser Wechsel fügte,
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uns dennoch ungemein vergnügte.
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Zumahl wir unsern Schritt zum Vorwerk selber kehrten,
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da wir sie dreschen sahn und hörten.

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Ich dachte der Music ein wenig weiter nach,
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und fand, daß, bey dem richtigen Tactiren,
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und ordentlichen Musiciren,
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Nur bloß der Text gebrach.
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Daher ich, bey dem abgemeßnen Klang,
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ihr nützlich Werk, wie folgt, besang:

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“bemüht euch, mit wichtigen, richtigen Schlägen
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„die springende Körner, den himmlischen Segen,
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„jhr Drescher, aus ihren Behältern zu bringen!
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„wir wollen den gütigen Geber besingen!
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„auf, laßt uns den trocknen und fruchtbaren Regen,
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„den euer Bewegen erreget, erwegen!
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„es ist von den hüpfenden Früchten der Aehren
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„ein zischend- und raschelndes Rauschen zu hören.

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„es zeigt uns das hurtige Schwingen und Klopfen
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„zu nährenden Körnern gewordene Tropfen.
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„die Tropfen des Regens, an ihnen beklieben,
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„durch Wärme der Sonnen in Aehren getrieben,
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„sind, da sie die Körner getränkt und ernähret,
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„o Wunder! in nährende Körner verkehret.
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„es liefert uns euer geschäftig Betragen,
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„das hurtige Schwingen, das kräftige Schlagen,
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„die Schätze, wornach uns so lange verlanget,
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„mit welchen bishero die Felder gepranget,
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„die nöhtigsten, nützlichsten, edelsten Gaben,
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„womit wir uns nähren, erhalten und laben.
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„auf, laßt uns dem Geber uns dankbar erweisen!
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„auf, laßt uns, in unserm Bewundern, Jhn preisen!
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„auf, lasset Sein liebreich- und weises Regieren,
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„jm frohen Geniessen, zur Andacht uns führen!
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„auf, laßt uns Sein’ Allmacht, als Menschen, ermessen!
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„so können wir hoffen, mit Gühtern der Erden
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„auch künftig und öfters gesegnet zu werden.

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Nachhero liessen wir ihr ferneres Betragen
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Mit dem gedroschnen Korn uns nach der Reihe sagen.
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Da ich denn fast erschrack, daß so gar vielerley,
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An Werkzeug und an Müh, hiezu noch nöhtig sey.
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Denn, ausser
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fangs anzulegen,
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Und daß, wenn zweymahl zugedroschen, die
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abzureissen pflegen;
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Wird es mit
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zugeschlagen,
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Denn mit den Gaffeln aufgeschüttelt, wodurch der Körner
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Ueberrest
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Sich vollend aus den Aehren bringen und zu den andern
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fügen läßt.

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Das leere Stroh bleibt für das Vieh, und wird demselben
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vorgetragen.
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Hierauf ergreifen sie die
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zu Hauf,
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Was auf der Diehl’ gedroschen liegt, und schlagen denn
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von neuem drauf,
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Beym Gersten nehmlich, um die Spitzen von ihren Kör-
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nern abzutrennen,
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So denn mit wenig Müh’ geschicht, und welches Werk
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sie Baaken nennen.
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Denn wird die Harke rechts gekehrt, und umgeharket.
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Dann der Besen
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(der von besonderer Figur, wozu ein lauges Kraut erlesen,
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Und welchen man den
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und her gedreht,
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Dadurch wird die zu grobe Spreu davon gestäubet, weg-
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geweht.
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Dann schiebt man es auf einen Haufen, und kehrt die ganze
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Tenne rein,
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Ergreifet eine kleine Schaufel, und worfelt alles, kann
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es seyn
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Dahin, woher der Wind entsteht, da alle Körner, welche
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schwehr,
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Durch ihnen eingedrückte Kraft des Werfens, denn am
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weitsten fliegen;
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Die leichtern aber, und die Spreu, die von verbundnen
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Theilen leer,
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Durch ihnen widerstehnde Luft gehindert, bleiben nahe liegen.
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Wodurch, da ich dies überdachte, ich in demselben Au-
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genblick
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Mein forschend Denken weiter triebe, noch mehr zu denken
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Anlaß nahm,

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Und von der Schwer’ in der Natur auf eine neue Probe
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kam,
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Daß nemlich auf dieselbe Art erweislich, wie aus einem
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Stück
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Ein schwehrer Eisen weiter fliegt, als wie ein anders,
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welches klein.
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Ja daß, nach eben dem Gesetz in der Natur, auch unsre
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Erde,
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Die grösser, als Mercur und Venus, um unsre Sonnen-
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Gluht und Schein,
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In einem mehr entfernten Cirkel, gehalten und gedrehet
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werde.

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Nachher wird das Getrayde denn aufs neu auf einen
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Haufen bracht,
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Und durch ein neues Instrument, die Harpe, die aus
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Draht gemacht,
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(worüber man es laufen läßt) von Spreu geschieden und
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gesichtet,
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Darauf gemessen, und in Säcken gegossen. Hiemit ist
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verrichtet
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Das grosse Wunder-volle Werk, wodurch der Schöpfer
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auf der Welt
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Das ganze menschliche Geschlecht, ja auch so gar das
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Vieh erhält.

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Ist auf der gauzen Welt ein Werk mehr Dankens und
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Betrachtung wehrt,
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Worinn mehr Nutzen und mehr Segen? Sprecht selbst,
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geliebte Menschen, sprecht!
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Hängt euer Leben nicht daran? Thut ihr denn wohl? Ist
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es denn recht,
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Daß man, für solch ein heilsam Wunder des Schöpfers, nicht
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den Schöpfer ehrt?

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Daß, wenn wir den von Seiner Gunst so oft, so oft erbetnen
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Segen
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Nun wirklich auf den Boden schütten, wir weiter nichts
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davon erwegen,
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Als nur ein frostiges GOtt-Lob, das gleichsam auf den Lip-
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pen friert,
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Und wobey man noch meistens gar ein bitter Denken heimlich
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spührt:
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Daß, wär auch gleich der Boden voll von reinem Korn, ein
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wenig mehr
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Von Rocken und zumahl von Weizen dennoch ein wenig
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besser wär.
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Wahrhaftig es beschämen uns in diesem Stücke ja die
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Heyden
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Durch ihre, den vermeynten Gebern so schöner Frucht,
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geweihte Freuden.
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Vermeynt man denn im Christenthum die Pflicht, zu danken
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und zu loben
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Den grossen Geber alles Guten, sey durch den Glauben auf-
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gehoben.

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Hierauf besahen wir das Horn-Vieh mit Vergnügen,
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Das uns zur linken Hand,
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In einer langen Reih’, in netter Ordnung stand.
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Wir fanden es theils stehn, theils liegen,
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Theils käu’n, theils wiederkäu’n. Ein emsiges Bewegen
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Des glatten Mauls, der Ohren sanftes Regen,
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Wobey sie dann und wann die schlanken Zungen
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Zu beyden Seiten schwungen,
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War nur allein, sonst nichts bewegliches an ihnen
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(indem sie all’ in recht zufriedner Ruh,
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Und einer sanften Stille schienen)
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Zu spühren und zu sehn. Wir sahen ihnen zu,

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Durch ihre Stille selbst zur Stille mit bewogen,
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Wie sie das dürre Stroh begierig zu sich zogen.
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Wir sahen sie die langen Halmen
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Mit regen Kiefern sanft zermalmen.
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Das rauschende Gezisch, das knarschende Getön,
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Mit welchem sie die dürre Kost verzehren,
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War ja so angenehm zu hören,
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Als ihre Stellungen zu sehn.
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Inzwischen kam, vor andern, mir
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Jhr Futter sehr beträchtlich für.
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Das leer’ und dürre Stroh, dem Schein nach sonder Saft,
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Hat in den leer- und trocknen Röhren,
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O Wunder! dennoch so viel Kraft,
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So grosse Thiere zu ernähren,
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Ja ihre Frucht zugleich, und überdem
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Die süsse Milch, die uns so angenehm,
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In Ueberfluß uns zu gewähren.
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Noch mehr, es wird ein Theil vom Stroh zu Mist,
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Der wiederum zum Feld-Bau nöhtig ist.
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Es kam mir dannenher ein solches Thier
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Als ein lebend’ger Wage für,
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Der Düngung auf die Felder führet.
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Ja, sie sind gleichsam anzusehn,
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Als unsre Küchen, welche gehn,
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Als Kolben, worinn sich die Milch selbst distillirt.

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Ich ward recht inniglich gerührt
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Durch die recht Wunder-volle Weise,
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Wodurch, in einem steten Kreise,
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Der unsern Unterhalt gebiert,
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Sich Stroh in Mist, in Stroh, Mist circulirt,
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Und im beständ’gen Wechsel ginge.

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Anbehtungswürdiger Regierer aller Dinge!
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Wie zeigt, da alles dieß so ordentlich,
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In unverrücktem Gang und Ordnung, gehet, Dich
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Und Deine weise Macht! fing ich, mit Ehrfurcht, an.
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Wer ist, der dieses fassen kann?
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Jedoch muß unser Unvermögen
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Es zu begreifen uns nicht an dem Vorsatz hindern,
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Noch unsre Schuldigkeit vermindern,
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Es, GOtt zum Ruhm, zu überlegen,
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Weil wir durch nichts uns selbst in Gott erhöhn,
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Als wenn wir Seiner Herrlichkeiten
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Nicht zu ergründende Vollkommenheiten
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In den, durch seine Macht, gewirkten Werken sehn.
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Was muß es nicht, wenn man dieß überdenket,
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Für eine fremd’ und sonderliche Kraft,
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Für ein Vermögen seyn, und für ein’ Eigenschaft,
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Die in der Thiere Leib- und Cörper eingesenket,
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Daß aus so trocknem Stoff, als wie das Stroh, sie können,
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Durch ihres Magens Saft, durch ihrer Drüsen Menge,
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Durch so viel seltsamer geformten Därmer Gänge,
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Die Theilgen von einander trennen,
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Sie mischen, durch einander schlingen,
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Und jedes eigentlich an solche Oerter bringen,
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Woselbst sie nöhtig sind zu unserem Genuß.
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Daß sie den unbrauchbar- und groben Ueberfluß
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Auf eine Weise von sich treiben,
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Daß nur die nöhtigen bey ihnen bleiben
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Zu ihrem, ihrer Frucht und unserm Nutzen auch.
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Daß der verworfne Mist zum nöhtigen Gebrauch,
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Die Aecker wiederum zu nähren,
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Um ihnen neue Kost beständig zu gewehren,
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So heilsam dienen muß. Daß uns dazu die Hand,

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Das Werkzeug, welches wohl recht zu bewundern wehrt,
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Ja, daß insonderheit noch der Verstand,
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Der alles überlegt und ordnet, uns beschehrt.

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Die Weis’, auf welche Art nun alles dieß geschicht,
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Begreift gewiß der Geist des Menschen nicht.
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Es ist daran auch nichts gelegen:
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Wenn wir nur so viel thun, und dankbarlich erwegen,
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Daß in der Thiere Reich so wohl für uns ein Segen
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Von einem
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Als daß man auch zugleich ein helles
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So aus dem grossen Werk, mit vollen Strahlen, bricht,
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Zu unsers Schöpfers Preis und Ruhm, darinn entdeckt,
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Nicht minder eine
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In Ehrfurcht-voller Lust bewundert und erhöht.
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Es muß Bewunderung, nebst Lust und Dank, allein
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Für so viel Guts, mit Recht, der Menschen Opfer seyn.
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Ach, so bestrebt euch doch auf Erden
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Empfind-erkenntlicher und dankbarer zu werden!

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Zu diesem nützlichen Geschäfte
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Gebrauchet eurer Seelen Kräfte,
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Und nicht nur bloß die Gründe zu erfinden,
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Wie alles dieß geschicht, nicht alles zu ergründen,
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Wie GOttes Weisheit wirkt,
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Weil dieses mehrentheils aus Hochmuht bloß geschicht.
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Es wird ja unsre Kraft des Geistes und sein Licht
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Durch seinen Kraft-Kreis so bezirkt,
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Daß, wenn er redlich denkt, er überzeuglich findet:
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Die Gottheit werde nur bewundert, nicht ergründet.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Barthold Heinrich Brockes
(16801747)

* 22.09.1680 in Hamburg, † 16.01.1747 in Hamburg

männlich, geb. Brockes

deutscher Schriftsteller

(Aus: Wikidata.org)

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