Paphos

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Heinrich Wilhelm von Gerstenberg: Paphos (1780)

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Dich, wo mein Herz, wenn es dich fühlet,
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Froh, wie in seiner Heimath glüht,
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Dich, Paphos, hab ich oft gespielet,
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Sey du auch itzt mein reizend Lied.
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Von deinen Blumen-Düften trunken,
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Und ganz Gefühl für deinen May,
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Lernt ich, hin auf dein Moos gesunken,
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Daß ich beglückt, wie Amor, sey.

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Hier bin ich, dem Geräusch entwichen!
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Sey mir gegrüßt, balsamscher Hayn!
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Ein ganzer Frühling von Gerüchen
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Ladt mich in deine Schatten ein.
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Er hüpft daher auf goldnen Aesten,
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Der Lenz, in Blüthen eingehüllt,
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Um den ein Schwarm von lichten Westen
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Der Bäume Wipfel säuselnd füllt.
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Die offnen Fluren abzukühlen,
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Fliehn sie durch die erwärmte Luft,
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Ruhn itzt ermüdet aus, und spielen,
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Und übergießen sich mit Duft.
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Dann buhlen sie mit jungen Rosen,
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Die durch die Liebe früher blühn;
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Und, ihnen schöner liebzukosen,
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Fliehn sie, und küssen sie im Fliehn.

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Fern liegt von mir auf jähen Gipfeln,
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Der Liebe heiligster Palast,
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Den rings umher mit ew'gen Wipfeln
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Ein junger Myrtenhayn umfaßt.
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Auf den von seinem Feuersitze
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Der Tag verstohlen niedersieht,
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Wenn er in jugendlicher Hitze
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Am Horizont vorüberflieht.
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Dem Arm des Mulciber entrissen,
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Hat Venus hier mit stillen Küssen
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Einst den Adon zuerst erfreut.
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Er starb, der Liebling der Cythere:
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Doch ihn verewigen Altäre,
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Die Paphos seinem Ruhm geweiht.
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Noch itzt beweinet ihn Cythere:
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Man glaubt, sie würd untröstlich seyn,
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Wenn sonst kein Liebling übrig wäre,
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Die Göttinn wieder zu erfreun.

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Sie kömmt, die Königinn der Herzen!
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Sie kömmt, die Mutter der Natur!
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Verfolgt von Amorn und von Scherzen
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Betritt ihr schöner Fuß die Flur,
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Und hinterläßt auf seiner Spur,
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Den Aushauch einer Veilchen-Flur.
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Ihr hüpft ihr schlauer Sohn zur Seiten,
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Der manchen Sklaven ihr gemacht;
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Auch Heben seh ich sie begleiten,
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Die mir durch sie so freundlich lacht.
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Schon tanzen in geschlungnen Reihen
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Die Grazien, die Schmeicheleyen,
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Die Freuden, und die Buhlereyen,
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Der Liebesgötter lärmend Heer,
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Und alle Nymphen um sie her.
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Geschmückt mit heil'gen Lorbeer-Kränzen,
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Mischt sich zu ihren frohen Täuzen
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Der Liebesdichter seligs Chor:
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Einst hörten Erden ihre Lieder.
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Der Tod hob sie auf Schwan-Gefieder
63
In diese bessre Welt empor.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Heinrich Wilhelm von Gerstenberg
(17371823)

* 03.01.1737 in Tondern, † 01.11.1823 in Altona

männlich, geb. Gerstenberg

deutscher Dramatiker (1737–1823)

(Aus: Wikidata.org)

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