Ein glänzendes Gefilde

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Barthold Heinrich Brockes: Ein glänzendes Gefilde (1743)

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Ein noch nicht lang' gepflügter Acker, woraus jedoch, zu
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meiner Freude,
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Von dem darinn gesäeten schon aufgelaufenen Getrayde
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Die grünen Spitzen sich schon zeigten, war frühe ganz
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von Frost bereift.
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Der Reif war in der Mittags-Stunde geschmolzen, so daß
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an den Spitzen,
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Wohin des Wassers Feuchtigkeit, so sich daselbst gemach
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gehäuft,
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In Kügelgen sich hingesenkt. Hiedurch entstand ein bun-
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tes Blitzen
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Vom Strahl der ganz entwölkten Sonnen. Weil nun ein
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jeder Tröpfgen grösser,
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Als wie man sie im Thau sonst sieht; so war derselben
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Glanz auch besser,
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Und flammte noch vortreflicher, so daß ein Tröpfgen nicht
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allein
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Für sich in bunten Flammen spielte; ein schnell aus ihm
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erzeugter Schein
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Umgab in einem Strahlen-Kreise, der oft sechs Zoll im
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Durchschnitt groß,
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Den kleinen hellen Mittelpunct. Der Blättergen Be-
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weglichkeit,
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Nebst einem von den regen Lüften oft wiederholten sanften
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Stoß,
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Erregt ein stets beweglichs Glänzen, ein unaufhörlich
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funkelnd Zittern,
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Nicht anders, als wenn, voller Gluht, bewegte Zitter-
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Nadeln schüttern.

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Daher entstand fast überall, durch einen wandelbaren
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Schein,
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Und stets veränderliche Farben, ein Funkeln, welches
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allgemein.
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Ein jeder Tropfen schien, belebt, sich gleichsam emsig zu
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bemüh'n,
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Der fast erstaunten Schauer Augen recht in die Wett’
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auf sich zu zieh'n.
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Des dunklen Bodens brauner Grund erhub ihr Licht noch
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desto mehr,
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Und weil er nicht, wie sonst im Thau, bedeckt, nein, hin
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und wieder leer;
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So schienen recht, anstatt der Bluhmen, die sonst in schö-
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nen Farben glüh'n,
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Auf hohen Stengeln ganze Heere von Diamanten hier
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zu blüh'n.
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Das herrlich funkelnde Gefilde, das solch ein bunter
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Glanz bemahlte,
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Und mir, durch seine Feuer-Farben, voll Anmuht in die
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Seele strahlte,
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Erregt’ ein Andacht-Feur darinn, so daß sie Dem, Der
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Farb' und Licht
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Der Sonnen Cörper eingesenkt,
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Und das betrachtende Gesicht,
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Um alle Herrlichkeit zu sehen, und zu geniessen, mir ge-
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schenkt,
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Recht inniglich dafür zu danken ein’ angenehme Sucht
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verspührte.
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Da denn, indem ich sie betrachte,
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Und ihr gefärbter Glanz mich rührte,
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Der sie mit solchem Schimmer zierte,
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Er mich zu dem Erwegen brachte:

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Barthold Heinrich Brockes
(16801747)

* 22.09.1680 in Hamburg, † 16.01.1747 in Hamburg

männlich, geb. Brockes

deutscher Schriftsteller

(Aus: Wikidata.org)

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