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Wenn ich bey bunten Bluhmen stehe,
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Und bey der Wunder-Pracht bemerke,
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Daß sie, o Schöpfer, Deine Werke;
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So deucht mich, daß ich in der Nähe
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Dich Selber gegenwärtig sehe:
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Dann zieh’ ich billig Geist und Blicke
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Von allem Gegenwurf zurücke,
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Und bet’, in ihrer Wunder-Pracht,
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Die man nicht gnug bewundern kann,
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Herr, Deine Weisheit, Lieb’ und Macht,
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In Ehrfurcht, Freud’ und Andacht, an!
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Ich werde nicht allein bey dir,
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Fast brennendes Nasturtium,
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Für Lust und für Verwundrung stumm;
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Es flicht fast Gram und Scham bey mir,
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Bey meiner Lust, zugleich sich ein,
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Daß ich, bewundernswehrte Bluhme,
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Der Blätter gelben Glanz und Schein,
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Die fremde Bildung, die so schön,
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Dem, Der dich schuf, zum Preis und Ruhme,
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Bisher nur obenhin gesehn,
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Da du vor vielen andern wehrt,
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Daß man, in dir, den Schöpfer ehrt,
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Indem du den Geruch allein
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Und das Gesicht nicht nur vergnügest,
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Nein, da du, zu der Farben Schein,
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Noch den Geschmack zu jenen fügest,
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Ja der Gesundheit dienst; man hat in Arzeneyen
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Sich deiner gleichfalls zu erfreuen.
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Wer sieht dich sonder Anmuht blühn?
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Recht sonderlich ist die Figur,
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So die formierende Natur,
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Geliebte Bluhme, dir verlieh’n.
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Es gleicht ein Theil von dir des Ueberflusses Horn,
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Das sich vom Stengel rückwerts bieget,
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Wodurch die ganze Bluhme denn, die queer auf ihrem
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Da aus des Hornes Oeffnung vorn,
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Aus fünf getheilter Blätter Ecken,
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Die hinten breit, und vorn sich spitzen,
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Sich fünf ganz andre Blätter strecken,
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Die hinten zugespitzt, an jenen veste sitzen,
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Und die sich oberwerts verbreiten und fast ründen,
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An Größ’ und Bildung einerley,
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Den Ursprung aus dem obern Theil von der gehörnten
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Da gegentheils die untern drey
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Sich durch das untre Paar der andern Blätter scheinen
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Mit ihrem Stiel zugleich sich zu vereinen.
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Wenn, von den dreyen, jedes Blatt
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Da, wo dieselben sich verbreiten,
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Neun zierlich-ausgeschnitt’ne Spitzen,
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Die ordentlich in einer Ründe sitzen,
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Wie kleine güld’ne Stacheln, hat;
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So sieh’t man in den obern beyden sich
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Von unten recht verwunderlich
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Neun schwarze Strichlein aufwerts führen,