Dank-Gedanken wegen eines zu Ritzebüttel durch Gottes Gnade abgewandten Einbruchs

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Barthold Heinrich Brockes: Dank-Gedanken wegen eines zu Ritzebüttel durch Gottes Gnade abgewandten Einbruchs (1743)

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Nachdem, mit unerhörter Wut,
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Der Nord-Nord-Westen-Wind gestürmet,
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Und er des Meeres wilde Fluht
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So sehr gepreßt und aufgethürmet,
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Daß sie mit unsers Landes Damm,
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Und dessen sogenanntem Kamm,
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Bereits in gleicher Lage floß,
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Ja gar (was schrecklich anzusehen)
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Von einigen gesenkten Höhen
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Schon schäumend sich herüber goß,
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Und sich, in weissen Wasser-Fällen,
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Schon zeigt auf unterschiednen Stellen,
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Wodurch bereits das ganze Land
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Voll Jammer, Angst und Kummer stand,
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Und die entsetzliche Gefahr,
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Die ihm fast unvermeidlich war,
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Mit nass- und starren Augen sah;
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War GOtt, Der Wind und Wellen lenket,
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Mit Seiner Hülf’ und Gnade da.
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Er wollt’: und augenblicklich senket
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Die wilde Last der Fluhten sich von unsrer Dämme Höh’
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hernieder,
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Zu ihren hohlen Tiefen wieder.

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Man konnte, mit erfreutem Aug’, aus blauer Fluht die
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grünen Rücken
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Des, GOtt sey Lob! noch gänzen Damms, und unzer-
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brochnen Deichs, erblicken.

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So sey demnach, Du ew’ge Lieb’ und ewig weise Macht,
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gepriesen,
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Daß Du, zu dieses Landes Heil, Dich Selbst fast sicht-
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barlich gewiesen!
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Der Du zu der ergrimmten Fluht ein gnädig Macht-
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Wort ausgesprochen:
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Bis hieher komm, und weiter nicht! Hier sey dein
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strenger Drang gebrochen!
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Hier soll dein freßiges Verschlingen, hier soll dein stür-
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misches Bewegen,
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Der regen Wellen schwehre Macht, und wütende Ge-
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walt sich legen!
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Gieb, daß wir dieß, daß es ein Wunder, ein wirklich
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Wunder, voller Segen,
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Wodurch Du alles Unsrige aufs neu uns schenkst, be-
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trachten mögen!
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Laß uns in selbem Deine Lieb’ und mächt’ge Weisheit
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oft ermessen!
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Laß unsern Dank, den wir anitzt, da noch die Ruhte
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nahe, zeigen,
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Nicht mit der Fluht von hinnen rauschen, nicht wie der
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schnelle Strohm verseigen!
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Gieb, daß wir die so lange Folge, von einem kurzen Au-
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genblick,
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Voll Elend, Armuht, Kummer, Sorgen, und ungezählten
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Ungelück,

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So uns gewiß betroffen hätten, so bald nicht aus den
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Sinnen lassen,
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Und, in der Abkehr alles Uebels, des Schöpfers Macht
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und Liebe fassen!
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Bewahre ferner, vor dem Wüten der wilden Fluhten, un-
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sern Strand,
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Und segne, große Segens-Quelle, aus Gnaden dieses
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ganze Land!

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Barthold Heinrich Brockes
(16801747)

* 22.09.1680 in Hamburg, † 16.01.1747 in Hamburg

männlich, geb. Brockes

deutscher Schriftsteller

(Aus: Wikidata.org)

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