1
Jm Herbst, an einem schönen Tage, sah ich, mit innigem
3
Den Bauknecht mit vier starken Pferden geschäftig meinen
5
Ich sah ihn lange Furchen zieh’n, und sah den Pflug, wie
7
Den Boden von einander theilt’, den fest- und fetten
9
Beschäftigt alles umzustürzen, und kleine Wellen zu er-
11
Die in geraden Strichen all’, ohn’ einige Bewegung,
13
Und überall das Feld erfüllen. Ich sah dadurch das
15
Jm kurzen, in ein schönes Braun verkehrt und lieblich
17
Ich setzte mich an einen Hügel, der Arbeit, die so nütz
19
Mit einigen Betrachtungen, zu GOttes Ehren, zuzu-
21
Ich dachte: Welche Weisheit liegt in diesem so geringen
23
Welch ein erstaunlich grosser Nutz! Je mehr ich mit Be-
25
Je mehr erblick ich in demselben, bey göttlicher Gewo-
27
Abseiten unser, abermahl unleidlich’ Unerkenntlichkeit.
28
Wer würdigt doch wohl einen Pflug des Anblicks! wer
30
Man hält ihn für ein plumpes Werkzeug, man zieht von
31
ihm so gleich den Blick
32
(als wär es schimpflich ihn zu seh’n, man mag ihn stehen,
34
Zu Haus, und auf dem Felde, seh’n) verächtlich mehren-
36
Da er doch nicht allein so nützlich und nöhtig; da er in
38
Weit mehr, als wie man glauben sollte, viel künstliches
40
Ich ließ mir alle Stücke nennen, und alle seine Theil
43
Pflug-Baum, Vorder-Eisen,
44
Den Nagel, Gradsuhl, Grad, den Sterz, die Unter-
46
Das Ruster-Brett, das Seiten-Eisen, die Pflug-
47
Butt, Pfiug-Schaar, Welle-Stecher,
48
Den der, so pflügt, in Händen führt, mit welchen er auch
50
Die Pflug-Schaar reinigt, und zugleich den Pflug zurecht
52
Durch Löcher in dem Baum, erhöh’n, und ihn, wenns
60
Der Götter, aus Erkenntlichkeit, so gar dafür versetzet
62
So weit sah man die Dankbarkeit für dieß so nützlichs
64
Das wir itzt, durch Gewohnheit blind, kaum würdigen
66
Nachdem ich dieses überdacht’; erhub ich mich, das
68
Mit ebenmäßiger Betrachtung, zu sehen und zu über-
70
Da ich denn, mit vergnügten Blicken, des Sä’manns
72
In stets gerader Linie, und wie die Hand den festen
74
Ohn’ allen Fehl, begleitete, das aus dem Sack gegriffne
76
In richt’ger Ebenmaasse streute, daß nicht zu wenig, nicht
78
Daß nicht zu dicht, und nicht zu weit, der scharf geworfn
80
Oft füllet er von seinem Rücken das weisse Sä’tuch, das
82
Zum schnellen Griff, eröffnet hing. Mir schien das
84
Und nicht so schwehr, als wie das Pflügen, und anders
86
Wie ich darüber mich befragte, ward mir ein anders bald
88
Daß auch zu dieser Arbeit Kraft und viele Wissenschaf
90
Dem Säen sah ich emsig zu: und weil der helle Sonnen-
92
Auf den geworfnen Saamen fiel, den auch der dunkle Grund
94
So schien es wahrlich anders nicht, als ob er güldne
96
Doch nein, es ließ noch ähnlicher, und recht als wenn
98
Von grossen Tropfen überall, und im beständigen Bewegen,
99
Vom Winde stark getrieben, fiel. Die Erd’, als wär
101
Schien die empfangne Tropfen schnell, als wie im Sommer,
103
Indem ich dieses, mit Bedacht, noch ferner sehe, fällt mir
105
Daß ein fast nicht gespührtes Wunder im Saamen noch
107
Da, ob er gleich nicht nach der Ordnung, und wirklich
109
Bald auf-bald unterwerts, bald platt, gerade bald, bald in
111
So wie er fällt, zu liegen kommt, es doch Bewunderns
113
Daß unterwerts die kleine Wurzel, das Hälmchen in die
115
Wenn nun die eine von sich selbst sich abwerts, jene in die
117
Durch einen uns verborgnen Trieb, nicht, fast vernünftig,
119
Würd’ es für uns unmöglich seyn, mit aller unsrer Kunst,
121
Denn welcher Mensch könnt’ jedes Korn nach seiner rech-
127
So bald der edle Saame nun dem Schooß der Erden
129
Wird ein nicht minder nützlichs Werkzeug, im emsigen
131
Die zackigten geeckten Egen, die theils voll Holz, theils
133
Sind mit bespannten Pferden fertig, den künft’gen Segen
135
Sie bringen den gestreuten Saamen nun völlig erst zu
137
Und ziehen vor dem grossen Schauplatz, so wie es scheint,
139
Gesegne Du es nun, o GOtt! Du Segens-Quell’! Der
141
Hat bey dem grossen Nahrungs-Werk nunmehr das
143
Ein mehrers kann er nicht. So laß, was er der Erden
145
Bloß durch Dein gnädiges Gedeyen, im Regen, Sonnen-
147
Zu rechter Zeit, in rechter Maasse, Kraft, Nässe, Wärm’
149
Gieb auch, daß wir mit Preis und Dank den uns von
150
Dir geschenkten Segen,
151
Wenn er gereifet und gemäht, vergnügt in unsre Scheu-