10. An Ihn

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Louise Aston: 10. An Ihn (1842)

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Kann ich lindern dieses Sehnen,
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Das mich träumend Dir vereint?
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Dir verhaßt sind diese Thränen,
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Die der blasse Kummer weint;
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Die ein Opfer des Geschickes
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Weint am Grab entschwund'nen Glückes! –
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»ihre Todten zu begraben,
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Laß' die Todten sich bemüh'n!
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Doch des Lebens reichste Gaben
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Mögen den Lebend'gen blüh'n.

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Ewig soll's im Herzen lenzen,
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Neue Triebe, neue Kraft!
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Und mit frischen Blüthenkränzen
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Schmücke sich die Leidenschaft!
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Was im Sturm der Zeit verloren,
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Sei verjüngt und neugeboren!
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Wenn der Sonne Glanz versunken,
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Wenn verglüht des Tages Pracht;
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Steige auf, von Wonne trunken,
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Gluterfüllte Liebesnacht!« –

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Und doch rührt mich frisches Leben
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Nicht mit seinem Zauberstab.
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Träumende Gedanken schweben
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Um entschwund'ner Zeiten Grab;
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Und es grüßt die bange Klage
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Abendroth versunk'ner Tage.
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Will ich kräftig mich ermannen,
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Fliehen der Erinn'rung Fluch;
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Fehlt, die Geister fortzubannen,
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Mir der mächt'ge Zauberspruch!

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Schau' umher ich tiefbekümmert,
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Alles wird zur Elegie;
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Und im Innersten zertrümmert
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Ist der Seele Harmonie;
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Klagend in Erinnerungen,
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Eine Glocke, die gesprungen!
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Wer dem machterfüllten Beben
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Ihrer Töne einst gelauscht;
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Hört, wie jetzt zerriss'nes Leben
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In gebroch'nen Klängen rauscht.

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Schöne Tage, kehret wieder!
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Bringt das Herrliche zurück!
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Seiner Freiheit wilde Lieder;
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Seiner Liebe mildes Glück!
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Ja, vergessen war mein Dulden,
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Und vergeben mein Verschulden!
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Deiner Lehre treuer Jünger
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Weint' ich keinem Glücke nach,
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Denn ein neuer Freudenbringer
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Stieg empor der neue Tag.

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Sprach'st Du mir von Männerwürde,
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Von der Freiheit Herrlichkeit,
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Warf ich eig'ner Sorgen Bürde
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In das weite Meer der Zeit.
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Und
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Erst der Freiheit Sonne scheint;
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Wird das Weib mit gleichen Rechten

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Nimmer lausch' ich mehr dem Worte,
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Das mein Innerstes durchklang;
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Pochend an der Zukunft Pforte
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In der Jugend Thatendrang,
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Raubend von des Himmels Heerde
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Licht und Feuer für die Erde.
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Solcher Liebe heißes Werben
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Wurde rasch des Friedens Grab;
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Und in seliges Verderben
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Stürzt' ich freudig mich hinab. –

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Kann ich lindern dieses Sehnen,
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Das mich träumend Dir vereint?
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Dir verhaßt sind diese Thränen,
71
Die der blasse Kummer weint!
72
Wohl! so will ich schmerzhaft ringen,
73
Finst're Trauer zu bezwingen: –
74
»ihre Todten zu begraben,
75
Laß die Todten sich bemüh'n;
76
Doch des Lebens reichste Gaben
77
Mögen den Lebend'gen blüh'n!«

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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