1
Jtzt sieht man in den tiefen Gängen
2
Sich viele Farben lieblich mengen,
3
Verschiedne Stellen schön sich röhten,
4
Verschiedne gleichsam sich vergülden,
5
Wodurch sie Persische Tapeten,
6
Mit Golde reich durchwirket, bilden.
7
Viel’ gelb gewordne Zweige schienen,
8
In dem noch unverwelkten Grünen,
9
Jm Sonnen-Licht, auf manchen Stellen,
10
Den Zweig Aeneas vorzustellen,
11
Der ihm selbst, durch Cocytus Schwellen,
12
Ein sicheres Geleite gab.
13
Die bunten Steige selber liessen,
14
Von Blättern, die von oben ab
15
Gefallen, selber unsern Füssen
16
Gefärbte Teppich’ abzugeben.
17
Der Fuß, um sie nicht zu verderben, scheut oftermahls sich
19
Die Farben scheinen auf den Bäumen itzt gleichsam, uns zur
21
Die Gelbe sucht das nahe Grün, durch ihr erhabner Licht,
23
Das Rohte dämpft das Gelbe wieder, und bey derselben
25
Nimmt man zugleich die Mittel-Farben, im mannigfachen
27
Dieselben sind fast nicht zu zählen, und ihr gebrochenes
29
Ziert, in gedämpfter Harmonie, itzt überall so Bäum’ als
34
Die mit den welken Blättern gleichsam mit-abgefallne
36
Fast itzo nirgend mehr zu finden, im ganzen Walde sehr
38
Wodurch das zwar gemilderte, doch itzt fast allgemeine
40
Ein fanft Gemisch von Farben zeigt, das dem betrachtenden
42
Auf eine neue Weise schmeichelt. Man kann, auf neue
44
Wie die sich schildernde Natur, auch öfters ohne Schatten,
46
Ja, wenn der Sonnen-Strahl von oben, durch die gefärbte
48
Scheint alles in dem ganzen Walde nicht bunt allein, und
50
Es scheint vielmehr der ganze Wald mit einem bunten Glanz
52
Und alles um und über uns recht in der That illuminiret.
53
O, welche Lust! wenn man in solcher Jllumination
55
So daß ein achtsames Gemüht
56
Die Welt, im Herbst, nicht minder schön, als im gefärbten
58
Zur Ehre Deß, Der auf der Welt
59
Der Jahr’ und Zeiten Wechsel schuf, sie unveränderlich
65
Was werden wir denn auf der Welt vernünftiger verrich-
67
Als Dem, Der uns so manche Lust auf dieser Erden wollen
69
Der uns Gesicht und Augen schenkt, Der, zum Beweis, daß
71
So viele Vorwürf’, uns zur Freude, zumahl das helle Licht
73
Für uns der Erden Fläche schmückt, ein froh und dankbar
75
Uns Sein, in Seinen Wundern, freu’n, sie, wie sie wunder-
77
Mit einem aufmerksamen Geist, zu Seinen Ehren, anzu-
79
Nur Jhn, in unsrer eignen Lust, die Jhm gefällig, zu er-
81
Und Seine Weisheit, Lieb’ und Macht recht zu bewundern