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Jm kühlen Schatten dichter Blätter
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Saß ich, bey einem schwühlen Wetter,
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Beschirmet vor der Sonnen Schein,
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Bedeckt von einem grünen Himmel,
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Entfernet von der Stadt Getümmel,
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Und dacht’ auf GOtt und mich allein.
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Wie nun an diesem stillen Ort,
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Nach meiner Art, bald hier, bald dort
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Die regen Blick’, in grünen Tiefen
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Der Blätter, hin und wieder liefen,
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Und, durch so vielfachs Schatten-Grün,
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Oft in die Dunkelheit versunken,
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Erblickt’ ich einen bunten Funken,
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Und sah’ ihn hell und feurig glüh’n,
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Zumahl ein kleiner Sonnen-Strahl,
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Durch eine Oefnung, auf ihn schien.
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Ich stutzt’ ob seinem Glanz, und ging,
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Jhn in der Nähe zu beseh’n,
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Da ich in ihm ein wunderschön
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Gefärbtes glänzend Würmchen fing.
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Nie hatt’ ich noch ein herrlicher geschmückt-
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Ein herrlicher gefärbtes Thier erblickt.
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Der Hinterleib war roht. Ein wirklicher Rubien
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Kann hell- und kräftiger nicht glüh’n,
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Als der gefärbte Glanz, den ich in ihm erblickte,
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Desselben obre Fläche schmückte.
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Das Vordertheil legt, durch ein glänzend Blau,
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Ein klein Sapphirchen uns zur Schau,
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Das aber, wenn es sich zumahl
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Getroffen fand vom Sonnen-Strahl,
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Durch ein besonders schön und lieblich Farben-Spiel,
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Zuweilen in ein Grün, fast als Smaragden, siel,
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Wie denn der Unterleib beständig grün,
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Smaragden gleich, in hellem Glanze schien.
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Von solchem grünen Glanz und Scheine
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Sind ebenfalls desselben Beine.
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Was man von Indiens bekanntem Vögelein,
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Dem schönen Colibri (der ja so schön als klein,
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Der einer Fliege kaum an Grösse gleich soll seyn)
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Und seinen hellen Farben schreibet,
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Die man fast bis zum Glanz der Edelsteine treibet,
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Und den, zum zierlichen Gepränge,
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Das Frauenzimmer dort als Ohr-Gehänge
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Vernünftig brauchen soll, gehöret fast hieher;
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Da jenes Federn Pracht unmöglich mehr,
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Als dieses Würmchen, glänzen kann.
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Man schau es denn so obenhin nicht an,
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An seines Cörpers buntem Licht.
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Erwege Dessen Wunder-Macht,
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Der solcher Farben Glanz darinn gesenkt,
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Und welcher uns das Wunder unsrer Augen,
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Wodurch wir das, was schön, zu sehen taugen,
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Aus lauter Lieb’, auf dieser Welt geschenkt.