Ein dunkler Hain, den steile Felsenwälle

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Joseph Franz Ratschky: Ein dunkler Hain, den steile Felsenwälle Titel entspricht 1. Vers(1783)

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Ein dunkler Hain, den steile Felsenwälle
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Umthürmten, schloss einst einen Klausner ein:
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Seit Jahren schon war eine Kluft die Zelle
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Des frommen Manns, sein Bett ein harter Stein,
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Sein Mahl ein Korb voll Waldobst und die Quelle,
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Und sein Geschäft, sich dem Gebete weihn.
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So lebt' er lang, freywillig abgeschieden
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Vom Weltgewühl, mit seinem Gott zufrieden.

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Schon bleichte sich sein krauses Haar, und sachte
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Schlich, frey von Gram, des Lebens Herbst vorbey,
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Als der Verdacht in seiner Seel' erwachte,
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Ob (da so oft im Joch der Tyranney
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Des Bösewichts der Tugendhafte schmachte)
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Die Schöpfung wohl ein Werk der Vorsicht sey.
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Er grübelte voll zweifelnder Gedanken,
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Und sein Vertraun auf Gott begann zu wanken.

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Von Stund' an raubt' ihm seine Sucht zu klügeln
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Die Seelenruh, die Gott ihm stäts gegönnt.
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So siehet man, wenn von des Ufers Hügeln
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Der Bäume Grün und von dem Firmament
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Die Sonne sich im Teiche ruhig spiegeln,
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Durch einen Wurf, der das Gewässer trennt,
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Im Augenblick diess schöne Bild zersplittern,
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Und Sonn' und Baum wild durcheinander zittern.

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Der Zweifel satt, die seine Brust zernagen,
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Rief er einst auf: ich Thor! was hält mich ab,
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Mich in die Welt beherzt hinauszuwagen,
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Und Weisere, die, was das stumme Grab
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Verhüllt, schon hier erforschten, zu befragen?
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Rasch griff er nun nach seinem Pilgerstab,
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Und macht', als kaum die Berge rings im Kreise
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Noch dämmerten, getrost sich auf die Reise.

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Fern gieng bereits von seinem Aufenthalte
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Der Eremit, als unversehns ein Mann
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Voll Jugendreitz an seiner Seite wallte.
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Gott segne dich, sprach ihn der Jüngling an:
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Gott segn' auch dich, erwiederte der Alte,
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Und ein Gespräch voll Traulichkeit begann.
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Sie wurden eins, da einer an dem andern
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Gefallen fand, vereinigt fortzuwandern.

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Als allgemach die Abendlüfte wehten,
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Und kühler Thau vom Himmel niederfloss,
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Entdeckten sie auf eines sanfterhöhten
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Grashügels Rand ein stattlich Ritterschloss,
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Und eilten nun, besorgt sich zu verspäten,
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Mit schnellerm Schritt auf das Gebäude los.
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Itzt nahten sie, und alle Knappen drangen
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Beym Thor heraus, sie freundlich zu empfangen.

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Der Herr der Burg, der von des Schlosses Warte
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Die Pilger sah, führt' eilends sie zum Saal
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Der Burg hinan, der rings von Golde starrte,
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Und wo bereits ein köstlichduftend Mahl
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In silbernen Gefässen ihrer harrte.
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Sie setzten sich: ein goldener Pokal
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Gieng rund herum, und um die Zeit der Mette
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Geleitete der Hauswirth sie zu Bette.

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Die Nacht zerfloss in Dämmerung, und heiter
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Stieg an den Höhn der junge Tag herauf:
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Der Eremit und mit ihm sein Begleiter
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Erwachten nun, und brachen dankend auf.
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Schon sahen sie allmählich nur in weiter
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Entfernung noch des Schlossthurms gelben Knauf,
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Als im Vertraun der Jüngling itzt bekannte,
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Dass er bey Tisch den goldnen Kelch entwandte.

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Dem Wandrer gleich, der plötzlich eine Schlange,
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Die an dem Rand des Wegs auf Beute harrt,
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Sich sonnen sieht, und vor Entsetzen lange
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Den Fuss zur Flucht nicht regen kann, erstarrt
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Der Klausner nun, und sieht erstaunt und bange
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Den Jüngling an. Ein Undank dieser Art,
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Denkt er, ist nur verworfnen Seelen eigen,
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Und bloss die Furcht heisst seinen Unmuth schweigen.

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Indessen drang, durchschlängelt rings von Blitzen,
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Aus dem Gebirg' ein schwarz Gewölk hervor,
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Und heulend riss bis zu der Berge Spitzen
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Ein Windstoss Sand und dürres Laub empor.
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Beängstigt flohn, sich vor dem Sturm zu schützen,
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Die Pilger schnell vor eines Pächters Thor,
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Und pochten an: allein mit lautem Fluchen
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Hiess sie die Magd ein andres Obdach suchen.

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Nach langem Flehn und Pochen schloss am Ende
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Der Pächter auf: die Wandrer traten ein,
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Und sahn bestürzt ein Stübchen, dessen Wände
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Der Schimmel deckt. Der Hauswirth hohlte Wein,
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Den kaum der Mund des Bettlers trinkbar fände,
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Und Haberbrod aus einem alten Schrein,
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Und hiess, als kaum die Wolken sich zu theilen
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Begannen, sie feindselig weiter eilen.

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Die Pilger ziehn, genöthigt durch die Härte
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Des Manns, nun fort: doch wie vom Wetterstrahl
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Getroffen steht der Greis, als sein Gefährte
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Beym Lebewohl den goldenen Pokal.
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Den er zum Lohn, dass man ihn reichlich nährte,
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Dem edlen Herrn des Schlosses gestern stahl,
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Mit lautem Dank dem kargen Pächter reichet,
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Der lieblos sie aus seinem Hause scheuchet.

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Nicht ohne Grund däucht, was er sieht, den Alten
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Ein Traumgesicht voll Widersinnigkeit;
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Denn frevelhaft schien gestern das Verhalten
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Des jungen Manns, wahnwitzig scheint es heut.
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Unfähig, sich diess Räthsel zu entfalten,
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Entschliesst er sich, bis ihn Geduld und Zeit
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Ganz auf die Spur der Überzeugung leiten,
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Getrost am Arm des Fremdlings fortzuschreiten.

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Sie wallten nun durch manche weite Strecke,
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Bis abermal die dichte Finsterniss,
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Worein die Nacht des Himmels blaue Decke
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Verhüllte, sie ein Obdach suchen hiess.
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Ein matter Strahl, dem seitwärts eine Hecke
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Zuweilen Raum, sich durchzudrängen, liess,
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Ward, kaum entdeckt, die Richtschnur ihrer Schritte,
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Und führte sie zu eines Jägers Hütte.

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Der Eremit naht schüchtern und beklommen
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Der Thüre sich; denn er vergass noch nicht,
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Wie trotzig sie der Pächter aufgenommen:
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Doch bald entwölkt die Freude sein Gesicht;
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Denn traulich heisst der Weidmann sie willkommen.
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Klein und beschränkt ist meine Habe, spricht
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Der biedre Mann, doch was mir Gott bescheeret,
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Sey herzlich gern, o Pilger, euch gewähret.

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Sein trautes Weib läuft mit vergnügten Blicken
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Zur Küche nun, sucht, was das Haus vermag,
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Hervor, und eilt, die Tafel zu beschicken.
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Ein fettes Huhn und Wein vom besten Schlag
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Wird aufgetischt, die Gäste zu erquicken,
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Und froher Muth erheitert das Gelag.
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Unmerklich war die halbe Nacht verflossen,
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Und mit Gebet wird itzt das Mahl beschlossen.

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Als morgens sich die Wandrer fortbegaben,
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Und noch der Schlaf des biedern Ehpaars Blick
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Umnebelte, trat zu des Jägers Knaben
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Der Jüngling hin, und brach ihm das Genick.
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Der Greis erbebt', als schlöss', ihn zu begraben,
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Ein Schlund sich auf. Welch neues Bubenstück!
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Seufzt' er bestürzt, o jammernswerthe Gatten!
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Ihr einzig Kind! ihr Alles, was sie hatten!

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Mit dem Entschluss, sich heimlich wegzuflüchten,
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Sobald die Nacht die Flucht begünstigt, schlich
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Der Klausner nun im Schatten düstrer Fichten
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Dem Jüngling nach. Dem schwülen Mittag wich
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Der Morgen schon, als mitten in dem dichten
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Gebüsch des Walds, wo labyrinthisch sich
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Die dunkle Bahn in Seitenpfade theilte,
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Der Pilger Fuss aus Furcht, zu irren, weilte.

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Gutmüthig beut ein Bettler, der am Wege
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Vorbeywallt, sich dem Paar zum Führer an,
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Und leitet es fern aus des Hains Gehäge
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In's offne Thal, durch das ein Bergstrom rann.
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Zum Lohn stürzt hier vom unbezäunten Stege
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Der Jüngling ihn. Umsonst tönt himmelan
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Tief aus dem Schwall des Bettlers Angstgewimmer:
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Die Flut verschlingt den unerfahrnen Schwimmer.

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Geheime Furcht verschloss bisher des alten
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Einsiedlers Mund: doch itzt vermocht' er's nicht,
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Des Herzens Grimm noch länger zu verhalten.
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Unsinniger, verruchter Bösewicht!
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Rief er, und schwieg; denn blanke Stern' um strahlten
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Auf einmal rings des Jünglings Angesicht:
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In Duft schien sich sein Körper aufzulösen,
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Und alles zeigt' ein überirdisch Wesen.

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Stumm steht der Greis, und seine Kniee beugen
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Tief in den Staub sich nieder. Endlich brach
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Des Seraphs Mund das feyerliche Schweigen:
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Ermanne dich! der Himmel sandte, sprach
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Er tröstend, mich, um dich zu überzeugen,
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Wie dreist es ist, wenn Menschen sich, zu schwach,
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Ihr eignes Selbst zu kennen, unterwinden,
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Die Fügungen der Allmacht zu ergründen.

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Was du erstaunt vom Anfang unsrer Reise
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Bis itzt gesehn, so tadelnswerth es schien,
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That Gott durch mich, und was Gott thut, ist weise;
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Drum sey getrost, und trau' und bau' auf ihn!
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Bleib, wie vordem, zufrieden im Geleise
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Der Endlichkeit, und lerne künftighin,
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Was dein Verstand unfähig ist, zu fassen,
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Mit Zuversicht der Vorsicht überlassen!

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Doch itzt vernimm, bevor ich mich entferne,
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Aus welchem Grund, was ich gethan, geschah!
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Den Kelch stahl ich dem Manne, der so gerne
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Ob seiner Pracht den Wandrer staunen sah,
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Damit er, frey von Selbstsucht, wohlthun lerne;
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Denn was du sahst, war bloss zum Prunke da.
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Er übt seitdem das Gute, fern vom Triebe
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Der Eitelkeit, aus reiner Menschenliebe.

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Der karge Filz, dem, ob er der Belohnung
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Gleich unwerth war, ich den Pokal geschenkt,
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Schliesst nun, gerührt und dankbar, seine Wohnung
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Dem Fremdling auf, den Noth und Mangel kränkt.
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Des Jägers Kind hätt' einst des Vaters Schonung
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Und blinde Gunst von Gräul zu Gräul gelenkt:
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Dem Herzensleid der Ältern vorzukommen,
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Hat Gott den Sohn so früh zu sich genommen.

193
Der Bettler hätt' ein harmlos Dörfchen heute
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Bey Nacht, vereint mit einer Räuberschaar,
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In Brand gesteckt: sein Untergang befreyte
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Unschuldige von Raub und Todsgefahr.
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Erkenne nun, wie sehr die Aussenseite
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Der Dinge trügt! Vertrau' unwandelbar
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Auf deinen Gott, und hüte dich zu grübeln!
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Ein grössres Gut folgt oft aus kleinern Übeln.

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Hier endigte der Seraph. Eine Hülle
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Von purpurnem Gewölke floss herbey,
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Und nahm ihn auf. In feyerlicher Stille
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Sah ihn, geheilt von eitler Klügeley,
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Der Eremit entschwinden. Herr! dein Wille,
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Rief er, zurück zur Zelle wandelnd, sey
207
Gebenedeyt auf Erden wie im Himmel!
208
Und starb in Ruh fern von dem Weltgetümmel.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Joseph Franz Ratschky
(17571810)

* 21.08.1757 in Wien, † 31.05.1810 in Wien

männlich, geb. Ratschky

österreichischer Schriftsteller

(Aus: Wikidata.org)

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