»wohin verirrt in dieser Wildniss sich

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Joseph Franz Ratschky: »wohin verirrt in dieser Wildniss sich Titel entspricht 1. Vers(1783)

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»wohin verirrt in dieser Wildniss sich
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Mein wunder Fuss durch dornige Gesträuche?
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Ein schauerndes Gefühl durchströmet mich;
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Denn schwermuthsvoll steigt rings um mich der Eiche
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Bemooster Stamm aus dem Gebüsch hervor,
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Und wölbt ein Dach von dunklem Laub empor.

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Sey mir gegrüsst, o stiller Zufluchtsort
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Des düstern Grams, wo nichts sich regt, als Bienen,
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Die, aufgebläht von Honig, sumsend dort
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Der Buche nahn, und ein im Lenz mit ihnen
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Erzeugter West, den dieser Hain erzog,
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Und der noch nie um schöne Busen flog!

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Hier, wo das Laub kein Sonnenstrahl durchdringt,
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Wo um und um mit dichtverwebten Netzen
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Der Epheu fest den hohlen Stamm umschlingt,
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Hier will ich mich auf welke Blätter setzen:
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Doch nein, dort wälzt durch wildverschlungnes Grün
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Und Wurzeln sich ein rascher Bergquell hin.

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Er wird vielleicht zu ödern Wüsteneyn
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Mein Führer seyn: drum folg' ich seinen Wellen ...
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Ha! welch ein Glanz bebt plötzlich durch den Hain!
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Sieh! hier beginnt das Laub sich aufzuhellen,
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Und staunend blickt von dieses Felsens Saum
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Mein Auge tief in eines Thales Raum.

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Hier, wo der Bach hoch von der steilen Wand
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Mit dumpfem Laut, wie ferne Donner tönen,
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Sich stäubend stürzt, hier an des Abgrunds Rand
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Will ich mich hin an diese Klippe lehnen,
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Die (wie das Haar auf Timons Stirne wild
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Herniederhängt) ein dürrer Strauch umhüllt.

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Sey meinem Gram willkommen, öder Wald!
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Dich wähl' ich mir zum Zeugen meiner Klagen:
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Fern von der Welt im dunkeln Aufenthalt
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Des scheuen Wilds will ich der Lieb' entsagen.
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Leb' ewig wohl, o Amor! mein Elpin
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Liebt mich nicht mehr: ach! Doris fesselt ihn.«

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So sang, versenkt in tiefe Traurigkeit,
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Indess ein Schwarm gelinder Abendwinde
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Allmählich schon ihr nymphenhaftes Kleid
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Umflatterte, die reitzende Melinde,
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Als ihr Elpin, der heimlich sie belauscht,
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Dicht hinter ihr aus dem Gebüsche rauscht.

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Ein liebend Paar versöhnt sich leicht. Zwar dreht
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Melinde sich, als sie Elpinen siehet,
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Hinweg, und flieht, doch wie im Blumenbeet
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Vor Zephyrs Kuss die junge Rose fliehet,
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Die, wenn sie kaum von ihm sich weggeneigt,
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Sich doppelt schnell dem Kuss entgegenbeugt.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Joseph Franz Ratschky
(17571810)

* 21.08.1757 in Wien, † 31.05.1810 in Wien

männlich, geb. Ratschky

österreichischer Schriftsteller

(Aus: Wikidata.org)

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