O du, den zum Gewissensrath

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Joseph Franz Ratschky: O du, den zum Gewissensrath Titel entspricht 1. Vers(1783)

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O du, den zum Gewissensrath
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Sich Theodor erkoren,
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O lass, ehrwürdigster Prälat!
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In deinen hohen Ohren,
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Die zwar durchlauchtigen Vergehn
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Sonst bloss allein zu Diensten stehn,
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Nun auch gemeine Sünden
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Ein Zufluchtsplätzchen finden!

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Ich klag', o hochgeweihter Mann!
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Vor deinem Richterstuhle
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Mich als ein lockres Herrchen an,
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Das, von der dreisten Schule
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Der neuern Philosophenzunft
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Verführt, der menschlichen Vernunft
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Oft mehr, als manchem Haupte
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Der Mutter Kirche, glaubte.

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Ich wähnte, dass die Maurerey
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Ein ehrenvoller Orden,
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Und (Herr, verzeih mir's) besser sey,
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Als alle trägen Horden
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Der Derwische, die zum Ruin
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Des Landvolks rings durch Bayern ziehn,
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Um frommen Christenkindern
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Die Häuser auszuplündern.

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Ich opferte gewissenlos
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Bey Baylen und Voltären
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Manch Stündchen auf, und hielt Rousseau's
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Verblendung hoch in Ehren.
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Ich pflegte
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Herrn Zabuesnigs
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Oft frevelhaft beym Schmauchen
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Als Fidibus zu brauchen.

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Ich glaubte, dass zur Professur
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Des Kirchenrechts nur Layen,
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Nicht Mönche, die dem Staat ein Schwur
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Entwandte, tauglich seyen,
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Und dass bey einem solchen Amt
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Den Kuttenträgern insgesamt
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Nicht mehr zu trauen wäre,
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Als Katzen bey dem Schmeere.

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Ich hätte gerne für ein Paar
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Von Zaupsers lahmen Fingern
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Die ganze wohlbeleibte Schaar
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Von Bayerns Ordensjüngern
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Mit Haar und Bart und Kopf und Fuss
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Ja (weil ich's doch gestehen muss)
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O Frank, bey meinem Leben!
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Dich selber hingegeben.

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Ich sah (bis du des Bessern mich
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Vom Predigtstuhl belehrtest,
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Und, dass dir's Ernst war, feyerlich
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Am Maurervolk bewährtest)
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Die Menschen stäts für Brüder an,
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Und wähnt', es wäre wohlgethan,
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Wenn man die Menschenliebe
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So weit, als möglich, triebe.

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Ich weiss, dass dieser Sündenschwall
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Mich nach dem Kirchenrechte
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Der frommen Bayern Knall und Fall
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Nun an den Bratspiess brächte:
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Doch, Vater Frank, verzeih! ... Wo nicht,
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So sey's denn, wenn ich armer Wicht
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Nur keiner Pfaffenheerde
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Zum Opferbraten werde!

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Ich will mich lieber schnurstracks hin
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In Satans Küche trollen,
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Um dort mich braten oder brühn
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Zu lassen; denn es sollen
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Die schwarzen Herrn der Unterwelt
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Trotz dem, was Kochems Buch enthält,
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Nicht halb so gräulich toben,
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Als unsere hier oben.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Joseph Franz Ratschky
(17571810)

* 21.08.1757 in Wien, † 31.05.1810 in Wien

männlich, geb. Ratschky

österreichischer Schriftsteller

(Aus: Wikidata.org)

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