Horch! welch ein dumpfer Laut, wildmurrend, wie der träge

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Joseph Franz Ratschky: Horch! welch ein dumpfer Laut, wildmurrend, wie der träge Titel entspricht 1. Vers(1783)

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Horch! welch ein dumpfer Laut, wildmurrend, wie der träge
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Geschwächte Ton entfernter Donnerschläge,
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Dringt feyerlich an mein erstauntes Ohr,
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Und welch ein fremdes banges Zischen
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Steigt schauderhaft aus den Gebüschen
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Des steilen Abhangs dort empor!
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Führt dieser enge Pfad mich zu der Feueresse
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Des lahmen Donnerschmieds Vulkan?
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Wie? oder wälzt nicht fern sich über Stein' und Klösse
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Der Flammenschwall des Phlegetons heran?
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Beflügle deinen Schritt, o Führer! solch ein Feuer
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Blies Neubegier noch nie in meinen Adern an.
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Beflügle deinen Schritt! ein grosses Abentheuer
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Harrt unser. Lass uns kühn der Tiefe Rand uns nahn!

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Ha! wo bin ich? welche niegeseh'ne
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Majestätischfürchterliche Scene
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Der Natur enthüllt sich meinem Sinn!
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Täuschen mich die Augen? oder raffte
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Zaubertrug mich in die fabelhafte
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Heimath wunderbarer Feen hin?

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Sieh! ein Schneestrom, aufgepflügt von Klippen,
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Drängt durch kahlgenagter Berge Rippen
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Sich heran an eine Felsenwand,
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Und entstürzt wildschnaubend, gleich dem Winde,
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Der dem Rachen engverschlossner Schlünde
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Sich entreisst, dem schaudervollen Rand.

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Wie erbebt die schwache bange Mühle,
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Deren Wand im heftigsten Gewühle
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Diessseits die erbosste Flut beschäumt!
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Selbst die Veste Laufen scheint zu wanken,
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Deren Giebel zwischen grünen Ranken
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Jenseits einem schroffen Berg entkeimt.

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Nur die Zwillingsfelsen, deren nackte
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Scheiteln mitten in dem Katarakte
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Dort des Stroms vereinte Wuth bestürmt,
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Und von deren Häuptern Schaum in Flocken
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Dick emporstaubt, ragen unerschrocken
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Aus der Flut, die wolkenwärts sich thürmt.

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Beym Himmel! nicht umsonst verhiess des Rufes Stimme
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Mir grosse Wunder hier. Lass uns bergunter gehn,
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O Führer, und beherzt in seinem vollen Grimme
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Den Sturz der wilden Wogen sehn!
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Komm! lass uns hin zu jenem Nachen eilen,
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Der am Gestade dort uns freundlich zu sich winkt,
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Und die beschäumten Fluten theilen,
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Aus denen spiegelhell die Sonne wiederblinkt!...
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Schon tanzt, vom Ufer fern, der kühne
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Harmlose Kahn mit uns durch den empörten Schwall:
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Sieh! höher hebt sich itzt des Falles breite Bühne,
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Und blanker Schaum verhüllt der Sonne Flammenball,

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Wie sauset und braust nun im schnellen
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Gewirbel die Fülle der Wellen
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Vom schäumenden Walle herab!
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So rollen von Gletschern Lauwinen
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Mit donnerndem Schall auf die grünen
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Gefilde des Thales hinab.

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Wie sprüht aus dem raschen Gedränge
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Der berstenden Flut das Gemenge
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Des luftigen Schneestaubs empor!
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Wie dampfet im sonnigen Schimmer
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Vom wogenbestürmten Getrümmer
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Des Felsen der Nebel hervor!

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Wie balgt das Gewässer, gespalten
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Von Steinen, in hundert Gestalten
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Sich ringsum im wilden Turnier!
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O herrlicher Anblick! du füllest
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Mit Staunen den Sinn, und enthüllest
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Die Allmacht des Schöpfers vor mir.

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Ermüde nicht, o Schiffer! schon beschatten
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Des festen Landes Höhn das Ruder. Lass den Arm
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So nah am Ziele nicht ermatten!
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Vergebens stürmt der Fluten frecher Schwarm
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Mit Ungestüm die Wand des Nachens: fruchtlos dräuen
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Lautknirschend unter uns verborgne Felsenreihen.
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Der kleine schlaue Kahn bahnt trotz dem Widerstand
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Der Wellen sich den Weg, und wühlt sich bald gerade,
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Bald seitwärts durch den Strom ... Schon fass' ich an dem Rand
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Des Ufers das Gesträuch: schon sind wir am Gestade.
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Sieh! diese steile schmale Bahn
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Am Flusse führt uns dicht zum Katarakt hinan.

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Ha! welch ein Wogengetümmel
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Wallt auf mich los! Hat der Himmel
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Sich mit dem Erdball entzweyt?
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Stürzen die Wolken sich wieder
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Wüthend in Strömen hernieder,
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Wie zu Deukalions Zeit?

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Sieh! wie die Wasserflut, schäumend
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Sich auf der Felsenwand bäumend,
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Hoch wie ein Berg sich erhebt,
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Und, von dem Schwalle von oben
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Abwärts geschleudert, mit Toben
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Sich in den Abgrund vergräbt!

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Tosendes Krachen erschüttert
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Ringsum den Boden: es zittert
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Bang auf den Bäumen das Reis.
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Schwindel ergreifet die gähen
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Häupter der Berge: sie drehen
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Magisch herum sich im Kreis.

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Taumelblind wendet mein irres
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Auge, des Wellengewirres
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Satt, sich zur stilleren Flut:
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Sieh! da entsteiget den Wogen,
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Iris! dein reitzender Bogen
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Röthlich, wie dämmernde Glut.

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Erhabner Vater Rhein! von staunendem Entzücken
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Begeistert, trenn' ich mich mit wundertrunknen Blicken
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Von diesem Zauberort. Bald werd' ich fern von hier,
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Wo deine Fluten wild um Felsentrümmer brausen,
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Ehrwürdigster der deutschen Flüsse! dir
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In sanftern Gegenden mich nahen, wo der krausen
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Gebüsche Wölbungen mich, froh dir nachzuspähn,
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An deine grünen Ufer laden,
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Und muntre Haine sich und rebenreiche Höhn
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In deinem wirthlichen Gewässer ruhig baden.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Joseph Franz Ratschky
(17571810)

* 21.08.1757 in Wien, † 31.05.1810 in Wien

männlich, geb. Ratschky

österreichischer Schriftsteller

(Aus: Wikidata.org)

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