O Kostnitz, die du einst von Deutschlands freyen Städten

Bitte prüfe den Text zunächst selbst auf Auffälligkeiten und nutze erst dann die Funktionen!

Wähle rechts unter „Einstellungen“ aus, welcher Aspekt untersucht werden soll. Unter dem Text findest du eine Erklärung zu dem ausgewählten Aspekt. Nicht jede Anmerkung ist für die Analyse gehaltvoll.

Joseph Franz Ratschky: O Kostnitz, die du einst von Deutschlands freyen Städten Titel entspricht 1. Vers(1783)

1
O Kostnitz, die du einst von Deutschlands freyen Städten
2
Mit nichten die geringste warst,
3
Und Krämer, deren Gold der Erde Majestäten
4
Geschmeidig huldigten, gebarst!

5
Dahin ist nun die Zeit, als aus der Fremden Säckeln
6
In deine Pforten Reichthum quoll,
7
Und laut bis in die Nacht von stolzer Wuchrer Mäkeln
8
Dein lärmerfüllter Marktplatz scholl.

9
Verwelkt ist deine Zier. Der Erde Völker wallen
10
Nicht mehr zu deinen Mauern hin:
11
Tief, wie einst Tyrus fiel, tief, tief bist du gefallen,
12
Des Bodensees Beherrscherinn!

13
Wie auf dem Weingebirg ein Winzerhaus im kalten
14
Eismonde wüst und einsam steht,
15
So stehst du öd' und leer, und bist gleich einer alten
16
Reitzlosen Buhlerinn verschmäht.

17
Auf deinen alternden entvölkerten Gebäuden
18
Keimt traurig, wie auf einem Grab,
19
Die dürre Nessel auf: in deinen Gassen weiden
20
Der Schaafe Heerden auf und ab.

21
Auf deinen Thürmen wohnt ein banger Schwarm von Eulen,
22
Der jammernd dein Geschick beklagt:
23
Dein Volk ist rings zerstreut, wie Stoppeln, die mit Heulen
24
Der Nordwind in die Wüste jagt.

25
Wie herrlich warst du einst, als Priester und Leviten,
26
Die, Roms erhabnen Vatikan
27
Zu rächen, manchen Feind des Pfaffenstolzes brieten,
28
Zu Hussens Richtplatz dich ersahn!

29
Da drang durch deine Thor' ein Schwall von schwarzen Bäuchen,
30
Die sich vom Evangelium
31
Wie Fürsten mästeten, herbey aus allen Reichen
32
Zum heiligen Synedrium.

33
Da schwand der frohe Tag den üppigen Prälaten.
34
Beym Trinkgelag: da ward die Nacht
35
In feiler Dirnen Schooss, der Zehnten und Annaten
36
Mit heisser Gier verschlang, durchwacht.

37
Bejammernswerthe Stadt! seit diesen Tagen wandten,
38
Verscheucht von träger Lustbegier
39
Und von der Schwelgerey hochwürdiger Bachanten,
40
Sich Fleiss und Wohlstand weg von dir.

41
Doch fasse neuen Muth! denn sieh! es strömt in Schaaren
42
Ein kunstgeübtes Volk herzu,
43
Und suchet, fern von Genfs unrühmlichen Gefahren,
44
In dir die langentwöhnte Ruh.

45
Es führen im Triumph in fernen Afterzeiten
46
Vielleicht noch einst das spröde Glück,
47
Mit dem die Jünger Roms so lange dich entzweyten,
48
Die Zöglinge Kalvins zurück.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

Einstellungen

    Text teilen & herunterladen

    PDF-Export

    Arbeitsblatt zur Interpretation herunterladen

  • Äußere Form

  • Sprachlich-inhaltliche Analyse

  • Voller Zugriff auf Textopus

    • Interaktive Analyse von über 65.000 Gedichten und über 700 Dramen

    • Zugriff auf mehr als 400 Rezitationen und hilfreiche Epochenübersichten

    • Mit Aufdeckfunktion zum Selbstlernen von Stilmitteln, Kadenzen, Metrum u. v. m.

    Textopus App

    Textopus-App

    € 4,99/Jahr
    In-App-Kauf
    Apple App StoreGoogle Play Store
    Klett Digitale Unterrichtsassistenten

    Für Lehrkräfte

    Kostenlos in ausgewählten Digitalen Unterrichtsassistenten der Deutsch-Lehrwerke des Ernst Klett Verlags
    Deutsch kompetent

Joseph Franz Ratschky
(17571810)

* 21.08.1757 in Wien, † 31.05.1810 in Wien

männlich, geb. Ratschky

österreichischer Schriftsteller

(Aus: Wikidata.org)

Textopus kann Fehler machen. Überprüfe die Informationen. Teils KI-gestützt. Siehe Hinweise zur möglichen Fehleranfälligkeit.