Freund, willst du, Thoren gleich, die, um vergnügt zu seyn

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Joseph Franz Ratschky: Freund, willst du, Thoren gleich, die, um vergnügt zu seyn Titel entspricht 1. Vers(1783)

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Freund, willst du, Thoren gleich, die, um vergnügt zu seyn,
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Der wandelbaren Gunst des blinden Glücks bedürfen,
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Erträumter Möglichkeit und täuschenden Entwürfen
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Der Zukunft deine Tage weihn?

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Sey klüger, und geniess des Daseyns kurze Frist,
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Statt sie mit nichtigen Phantomen zu verträumen!
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O sieh! der Lenz beginnt. Sieh, wie den Ahornbäumen
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Das jugendliche Laub entspriesst!

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Horch! Lerch' und Nachtigall verkünden rings umher
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Den frohen Wonnemond helltrillernd durch die Lüfte:
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Der Weste lauer Hauch, der Blühten Balsamdüfte
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Sind Boten seiner Wiederkehr.

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Sieh! alles, was sich regt, was auf beblümter Flur,
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Im hohen Luftrevier, im Wasserreiche lebet,
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Was rings im weiten Raum der Schöpfung Odem hebet,
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Freut sich der Anmuth der Natur.

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Die Freude beut auch dir ihr reiches Füllhorn dar:
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Lass nach der Grösse Tand des Stolzes Knechte dürsten!
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Vergnügen sey dein Ziel, nicht schnöde Gunst der Fürsten,
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Die stäts des Grams Gefährtinn war!

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Sieh jenen Höfling an! des Sturzes Bild umschwebt
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Prophetisch seinen Blick: der bangen Ahnung Leiden
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Verbittern stündlich ihm die unbefangnen Freuden,
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Die der nur kennt, der sorglos lebt.

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Drum zähme deinen Wunsch! leb' als ein freyer Mann!
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Was man nicht sehnlich sucht, vermisst man ohne Sorgen.
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Der Weise lässt durch nichts sich fesseln, was ihm morgen
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Des Zufalls Laune rauben kann.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Joseph Franz Ratschky
(17571810)

* 21.08.1757 in Wien, † 31.05.1810 in Wien

männlich, geb. Ratschky

österreichischer Schriftsteller

(Aus: Wikidata.org)

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