Der Tod, ein alter hagrer Mann

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Joseph Franz Ratschky: Der Tod, ein alter hagrer Mann Titel entspricht 1. Vers(1783)

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Der Tod, ein alter hagrer Mann,
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Traf einst zur Nachtzeit auf der Reise
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Den jungen kleinen Amor an.
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Ein Regenguss, der eimerweise
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Aus einer Wetterwolke drang,
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Und Rheens irdenes Gehäuse
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Dem Weltmeer ähnlich machte, zwang
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Die zween berittnen Bogenschützen
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Vor einem Gasthof abzusitzen.
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Weil es kein klügres Mittel gab,
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Als willig hier zu übernachten,
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So legten sie die Köcher ab,
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Und liessen sich ein Ferkel schlachten.

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Nachdem ihr kleiner Abendschmaus
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Verzehrt war, zogen die zween Gäste,
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Vor Schlummer gähnend, die durchnässte,
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Vom Regen schwere Kleidung aus,
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Versenkten tief sich in ein niedlich
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Bepfülbtes Bett, und pflegten friedlich
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Des Schlafes, der mit raschem Flug
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Sie bald in's Reich der Träume trug.

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Die Wirthinn, der der blinde Bube
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Samt dem verdorrten Greis, der ihn
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Begleitete, verdächtig schien,
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Schlich nun aus Neugier in die Stube.
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Sie steckte bald in Amors Pack,
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Bald in des Todes Mantelsack
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Die mit dem feinsten Brillenglase
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Zu diesem Zweck verseh'ne Nase,
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Und leert', als sie die Köcher fand,
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Auf's Tischchen, wo die Lampe stand,
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Die Pfeile forschend hin, als plötzlich
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Der schelmische Beelzebub
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Kupido träumend ein entsetzlich
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Geheul in seinem Bett erhub.
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Betroffen las sie nun in Eile
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Die blindlings ausgeleerten Pfeile
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Zusammen, die beym matten Schein
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Der Lampe sich so arg verwirrten,
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Dass in Kupidens Köcherlein
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Des Todes Pfeile sich verirrten,
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Und manches Pfeilchen Amors sich
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Mit in des Todes Köcher schlich.

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Seit diesem feinen Abentheuer
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Sieht man, dass, gleich dem jüngsten Freyer,
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Der Graukopf nun um Liebe wirbt,
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Und oft zu früh der Jüngling stirbt,
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Weil itzt der Tod aus seinem Köcher
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Kupidens Pfeil' auf alte Schächer
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Aus Irrthum oft zu schleudern pflegt,
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Und mit des Knochenmannes Pfeilen
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Der kleine blinde Gott zuweilen
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Dem Jüngling Todeswunden schlägt.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Joseph Franz Ratschky
(17571810)

* 21.08.1757 in Wien, † 31.05.1810 in Wien

männlich, geb. Ratschky

österreichischer Schriftsteller

(Aus: Wikidata.org)

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